Dass Bayern-Trainer Louis van Gaal den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt ist, ist allgemein bekannt. Vor den Spielen des FC Bayern gehört es zum Ritual, dass sich van Gaal und Uli Hoeneß Freitagabends bei einem Glas Rotwein zusammensetzen.

Und auch die bayerische Küche kommt den Vorlieben van Gaals entgegen. "Ich bin ein Fleischesser und ich habe noch nie so viel Fleisch gegessen", erklärte der Niederländer beim Weihnachtsbesuch des Fanklubs "De Eberfinger". Für ihn sei das "sehr, sehr herrlich".

Nur noch 21 Profis im Kader

Was kulinarisch für van Gaal also kaum denkbar ist, wird nun aber personell beim Rekordmeister umgesetzt: eine strikte Diät. Binnen weniger Tage wurde der Kader des FC Bayern um vier Mann verkleinert.

Breno und Andreas Ottl wurden zum 1. FC Nürnberg, Luca Toni zu AS Rom verliehen. Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann verließ die bayerische Landeshauptstadt gleich ganz und schloss sich am Wochenende dem FC Schalke 04 an.

Zusammengenommen mit dem bereits im Oktober festgezurrten Ausleihgeschäft von José Ernesto Sosa an seinen Ex-Club Estudiantes de la Plata in Argentinien ist der Profi-Kader der Münchner seit dem vergangenen Sommer von 26 auf 21 Profis geschrumpft.

Dem Coach wurde mit dieser Personaldiät ein Wunsch erfüllt, den er immer wieder geäußert hatte. "Ich habe schon gesagt, dass ich immer mit 22 Spielern und drei Jugendspielern arbeite", sagte er bereits im Sommer. Mehr als 22 Spieler im Kader seien "nicht gut für Stimmung und Motivation", erklärte van Gaal. Schließlich solle jeder Profi auch die Perspektive haben zu spielen.

Konzentration auf das Training

Nun, im Winter, läuft die Vorbereitung ganz nach den Vorstellungen van Gaals. Ins Trainingslager nach Dubai reisten neben den verbliebenen 21 Bayern-Profis die Nachwuchskräfte David Alaba, Mehmet Ekici und Diego Contento mit. Zudem kann er sich mit seinem Team ganz auf das Training konzentrieren.

"Wir haben gute Bedingungen - nur Training, keine Spiele", sagt Sportdirektor Christian Nerlinger, der nach der Geburt seines Sohnes am Dienstag in Dubai erwartet wird. Im Sommer wurde die Eingewöhnungszeit van Gaals noch von zahlreichen Test- und Freundschaftsspielen geprägt.

Van Gaal will Titel holen

Nach dem höchst erfolgreichen Hinrundenabschluss erfüllen sich van Gaals Wünsche also einer nach dem anderen. "Wir sind in einem Prozess, ich bin ein Trainer mit einer Philosophie. Diese Philosophie muss ich ausarbeiten und das kostet Zeit", hatte er im Verlauf der Hinrunde immer wieder gesagt.

Diese Zeit hat er nun. Das Resultat könnte pünktlich zum spannenden Rückrundenstart gegen 1899 Hoffenheim und bei Werder Bremen ein noch stärkerer FC Bayern sein.

Zu dieser weiteren Steigerung könnte auch Franck Ribéry einiges beitragen. "Mit Franck Ribéry können wir wahrscheinlich noch Besseres leisten. Und wenn wir Besseres leisten als zuletzt, dann haben wir auch große Chancen, einen Titel zu holen", sagte van Gaal, dessen Team auch im DFB-Pokal (Viertelfinale) und in der Champions League (Achtelfinale) noch aussichtsreich im Rennen ist.

Entzündung stoppt Ribéry

Die Erfüllung dieses letzten Wunsches, einen gesunden Ribéry im Kader zu haben, verzögert sich für van Gaal aber noch.

Zum Trainingsauftakt am Sonntag an der Säbener Straße lief Ribéry, der in der Hinrunde von einer hartnäckigen Patellasehnen-Entzündung lange Zeit ausgeschaltete wurde, noch gut gelaunt mit den Kollegen auf den Rasen.

Bei der ersten Einheit in Dubai fehlte er dann aber erneut. Nach dem Training in München klagte der 26-Jährige über Probleme an den Zehen. An beiden Füßen hatten sich die großen Zehen entzündet. In Dubai mussten beide Zehen angebohrt werden, um entstandene Blutergüsse ablaufen zu lassen. Wie lange Ribéry ausfallen wird, ist noch unklar. Momentan absolviert er ein individuelles Fitnessprogramm.

"Es ist eigentlich fast unglaublich und für die Trainer und die Mannschaft sehr bitter", sagte Louis van Gaal über den Rückschlag: "Aber wir können es jetzt nicht ändern. Wir hoffen, dass die medizinische Abteilung ganze Arbeit leistet und er so schnell wie möglich zurückkehrt."

Matthias Becker