München - Gefragt nach der Leistung von Kingsley Coman konnte sich Jupp Heynckes ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Die Frage sagt mir ja schon, dass Sie etwas Positives hören möchten", stellte der Trainer des FC Bayern München fest. Über den Matchwinner beim 3:1-Sieg gegen Hannover 96 gab es in der Tat viel Gutes zu berichten. Die Rückkehr von Franck Ribéry sorgte bei den Bayern zusätzlich für Optimismus.

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In der 89. Minute gerieten die Fans des FC Bayern in einen emotionalen Zwiespalt. Während der treue Anhang in der Südkurve der Allianz Arena Ribéry nach zweimonatige Verletzungspause mit Sprechchören begrüßte, erhob sich das restliche Publikum auch für dessen Stellvertreter. Die stehenden Ovationen und den tosenden Beifall hatte sich Coman mit seiner herausragenden Vorstellung auch redlich verdient.

Müller: "… dann ist Coman für uns Gold wert"

"Das war selbstverständlich eine großartige Leistung", lobte Heynckes seinen Schützling. Nach unzähligen vergebenen Chancen brachte Coman den Rekordmeister in der 67. Minute mit seinem Tor zum 2:1 endgültig auf die Siegerstraße. Vor allem die Art und Weise beeindruckte. Mitspieler Joshua Kimmich bescheinigte dem Franzosen bei der Ballannahme mit rechts einen "überragenden ersten Kontakt". Sein erfolgreicher Abschluss war zugleich eine Premiere: Erstmals traf Coman in der Bundesliga mit dem linken Fuß.

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Es sind diese kleinen Details, die zeigen, wie intensiv der 21-Jährige zuletzt an der Verbesserung seiner Fähigkeiten gearbeitet hat. "Die Flügelläufe hatte er schon immer drauf, wenn er es jetzt auch noch hinbekommt, dass die zu Toren führen, ist er für uns Gold wert", sagte Thomas Müller. Mit zwei Torvorlagen in seinem ersten Spiel nach sechswöchiger Verletzungspause unterstrich Müller ebenso seinen Wert - dennoch bestimmte sein Partner auf der linken Außenbahn die Schlagzeilen. "Er und Thomas waren die besten Männer bei uns auf dem Platz. Wenn Kingsley lossprintet, ist es für jeden Gegner schwer, das Tempo zu halten. Ich kenne das aus dem Training", sagte Kimmich.

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Gegen Hannover bereitete kein Spieler mehr Torschüsse vor als Coman (sieben), zudem gewann er die meisten Zweikämpfe (18). Selbstverständlich belegte der fleißige Flügelläufer auch in der Sprintstatistik einen der vorderen Plätze. "Die langen Läufe und die Soli kosten wahnsinnig Kraft, da braucht man eine sehr gute Fitness. Die hat er jetzt mittlerweile", sagte Heynckes.

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Coman spielt seine dritte Saison in München. Nachdem ihn im Vorjahr eine Knieverletzung lange außer Gefecht setzte, wächst der aus der Jugend von Paris Saint-Germain stammende Offensivmann in den vergangenen Wochen immer mehr in die Rolle eines unverzichtbaren Leistungsträgers hinein. "Es ist erfreulich wie er sich bei uns entwickelt", sagt Heynckes, der den Youngster in vielen Einzelgesprächen gestärkt hat.

Ribéry freut sich mit seinem Vertreter Coman

Auch der etatmäßige Linksaußen der Bayern gönnt seinem designierten Nachfolger Coman den Erfolg. "Ich freue mich für ihn, er hat gut gespielt. Das ist super", sagt Ribéry. Der 34-Jährige drängt nach seinem Comeback nach zweimonatiger Zwangspause wegen eines Außenbandrisses im Knie wieder ins Team und erhöht somit den Kampf um die Stammplätze. "Ich bin jetzt wieder bei 100 Prozent. Aber nach zwei Monaten Pause brauchst du wieder Spielrhythmus", betont Ribéry. Ein Startelfeinsatz bereits am Dienstag sei für ihn aber kein Thema.

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Noch etwas mehr Geduld muss Arjen Robben aufbringen, der nach seinem leichten Muskelfaserriss aus dem Spiel in Anderlecht für die Champions-League-Partie gegen Paris Saint-Germain voraussichtlich keine Option ist. "Es wird eng. Er brennt natürlich, aber gerade bei Arjen werde ich nichts riskieren", sagte Trainer Heynckes am vergangenen Freitag. Abgesehen von den Langzeitverletzen Thiago und Manuel Neuer lichten sich allmählich die Reihen im Lazarett der Bayern. "Insgesamt ist es sehr erfreulich, deswegen bin ich auch optimistisch für die restlichen Spiele in der Saison", sagt Heynckes. Noch mehr Freude bereiten ihm nur die Nachfragen nach Comans Leistung.

Aus München berichtet Maximilian Lotz