Villarreal - Entspannt schlenderten die Spieler und Verantwortlichen des FC Bayern durch die Katakomben des "El Madrigal" in Richtung Mannschaftsbus. Abgekämpft sahen sie nicht aus. Kein Wunder. Denn beim 2:0 im ersten Gruppenspiel der Champions League forderte der gastgebende FC Villarreal den Rekordmeister nur wenig.

"Wir wussten, dass sie ihr Heil in der Offensive suchen würden. Aber wir waren darauf vorbereitet. In der Defensive standen wir konzentriert und haben nur wenige Chancen zugelassen. Das ist für die Champions League ein gutes Zeichen", analysierte Holger Badstuber im bundesliga.de-Interview den Auftritt in Spanien.

Erneut ohne Gegentreffer

Für die Hausherren war es die erste Heimpleite in der "Königsklasse". Die Bayern-Defensive erstickte die gefürchtete Offensivstärke des Sturm-Duos Nilmar und Guiseppe Rossi im Keim. Die Folge: Der FC Bayern blieb auch im siebten Pflichtspiel in Serie ohne Gegentreffer.

"Wir haben so viel Klasse, wenn die Defensive stimmt und das Pressing funktioniert. Dann kriegen wir auch immer Tormöglichkeiten", freute sich Trainer Jupp Heynckes über seinen ersten Sieg gegen Villarreal. Das war ihm von 2001 bis 2003 als Coach von Athletic Bilbao in der Primera Division nicht gelungen.

Heynckes überrascht mit zwei Änderungen

Dabei überraschte Heynckes zu Beginn mit zwei Änderungen. Daniel van Buyten rückte in die Innenverteidigung, Jerome Boateng wich dafür auf die rechte Seite der Viererkette aus, was Rafinha einen Platz auf der Bank bescherte. Dazu ersetzte Anatoliy Tymoshchuk Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld.

"Wir haben nicht nur elf Spieler. Es ist wichtig, dass man alle einbezieht und ihnen das Gefühl gibt, wichtig zu sein", erklärte Heynckes die Rotation in der Startelf nach dem 7:0-Kantersieg vom Wochenende gegen den SC Freiburg.

Momentan scheint es aber ohnehin egal zu sein, wer da für die Bayern auf dem Rasen spielt. Es läuft einfach rund bei den Münchnern. Aber das muss es auch - vor allem in der Champions League. Denn schließlich hat der FCB viel vor.

Hoffen auf Gomez und van Buyten

"Es ist das große Ziel eines jeden Fußballers, das Finale zu gewinnen. Erst recht, weil es in München stattfindet. Die Champions League ist keine Pflicht, das ist die Kür. Wir müssen in der Bundesliga und im Pokal die Basics erledigen und dann in der Champions League die Spiele genießen", meinte Top-Torjäger Mario Gomez, der zur Halbzeit mit Leistenproblemen in der Kabine blieb. Die Verletzung sei "bitter, weil ich voll im Saft stand. Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist", so der Stürmer.

Sein Einsatz am kommenden Wochenende ist ebenso ungewiss wie der von van Buyten, der wegen Schmerzen an der Achillessehne bereits in der 22. ausgewechselt worden war. "Da muss man jetzt abwarten. Beide hatten dieselben Verletzungen schon vor der Länderspielpause", hofft Heynckes auf eine schnelle Genesung des Duos.

Als nächste "Grundaufgabe" wartet auf den FC Bayern dann wohl ein schwierigerer Brocken, als es Freiburg und Villarreal waren: Es geht zum FC Schalke 04 in die Veltins Arena.

Mit gutem Gefühl nach Gelsenkirchen

"Wir fahren durch die Siege in der Bundesliga und der Champions League mit einem sehr guten Gefühl nach Gelsenkirchen. Aber es wird ein heißes Match. Dafür werden alleine schon die Zuschauer sorgen. Schauen wir mal, wie wir uns dort schlagen", blickte Badstuber voraus.

Eine ganz besondere Partie wird es für Manuel Neuer, der in der Sommerpause von Gelsenkirchen an die Isar wechselte. Doch davor ist dem Nationaltorwart nicht bange. "Ich freue mich darauf, alte Bekannte und Kollegen zu treffen. Das wird ein interessantes Spiel für mich", sagte Neuer.

Sollten seine Vorderleute dabei so agieren, wie zuletzt in der Bundesliga und in der Champions League, dürfte der ehemalige Schalker an alter Wirkungsstätte einen ruhigen Nachmittag verbringen.

Aus Villarreal berichtet Michael Reis