München - Der FC Bayern muss in Hoffenheim gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren - sagen einige Spieler. Torhüter Jörg Butt ist sich aus einem einfachen Grund recht sicher, dass gegen die Kraichgauer zumindest die Torflaute beendet wird (ab 19:30 Uhr im Live-Ticker).

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir vier Mal in Folge kein Tor schießen", begründet er seine Zuversicht nach den Spielen in Kaiserslautern (0:2), gegen Bremen und gegen Köln (jeweils 0:0). Während der Torhüter gegen die "Geißböcke" mit zwei Paraden das Unentschieden festhielt, nimmt Sportdirektor Christian Nerlinger die Offensive des Rekordmeisters in die Pflicht. "Wir haben in vier Spielen zwei Tore geschossen. Das ist für unsere Ansprüche zu wenig", sagt er.

"Gewaltiger Abstand nach oben"

In Hoffenheim treffen die Bayern auf einen Gegner, der bereits fünf Punkte und sieben Tore Vorsprung hat und mit seinem dynamischen Spiel ansatzweise an die berauschende Vorrunde 2008 erinnert. "So langsam wird es schwer, weil wir schon einen gewaltigen Abstand nach oben haben", warnt FCB-Verteidiger Philipp Lahm. Sein Kapitän Mark van Bommel glaubt indes, dass 1899 deutlich offensiver als der 1. FC Köln ins Spiel gehen wird. "Ich mache mir keine großen Sorgen", sagt er.

1899-Coach Ralf Rangnick hofft aber, dass sein Team gegen die Bayern über sich hinauswächst: "Wir müssen eine Topleistung zeigen, um überhaupt was zu holen. Bisher haben wir noch nicht konstant über 90 Minuten auf dem Niveau gespielt, das wir gegen Bayern brauchen. Das müssen wir umsetzen, sonst sehen wir schlecht aus."

Compper, Beck und Salihovic als Aktivposten

Bayerns Trainer Louis van Gaal erwartet deshalb, dass der Gegner diesmal weniger defensiv spielt. "Hoffenheim will auch Fußball spielen - bisher war das leider nicht der Fall", sagt er. Wichtig sei, dass der Rekordmeister im März, April oder Mai wieder oben stehe. "Ich habe die Situation analysiert und kann nicht sagen, dass wir schlecht spielen. Wir spielen viel besser als letztes Jahr." Von seiner Mannschaft fordert van Gaal "Positionsspiel in hohem Tempo".

Aufpassen müssen die FCB-Profis vor allem auf die Aktivposten der Hoffenheimer: Die beiden Außenverteidiger Marvin Compper und Andreas Beck verzeichneten in den bisherigen Spielen über 100 Aktionen pro Spiel, ebenso wie Sejad Salihovic, der allerdings im jüngsten Spiel beim FCK nur auf 64 Aktionen kam. Zum Vergleich: Beim FC St. Pauli kam er auf 144, fast so viele wie Bastian Schweinsteiger nun gegen Köln mit 154 ().

Das bayerische Selbstbewusstsein hat nicht gelitten

In der vergangenen Saison trafen Hoffenheim und Bayern direkt am 1. Spieltag aufeinander und trennten sich 1:1. Im Rückspiel gewann der FCB mit 2:0. Den zweiten Treffer markierte damals Miroslav Klose, der gegen Köln blass blieb. Dennoch ist er zuversichtlich: "Ich bin sicher, dass wir das Glück momentan nicht auf der Seite haben. Wir müssen einfach im Training weiter hart arbeiten, damit das Automatismenspiel funktioniert."

Das typische Selbstbewusstsein jedenfalls lassen sich die Bayern von ihrem durchwachsenen Saisonstart nicht nehmen. So sagt Toni Kroos: "Hoffenheim hat auch eine gute Mannschaft, aber logisch ist auch, dass wir dahin fahren, um zu gewinnen." Und Torhüter Butt fordert nicht nur in Hoffenheim, sondern auch gegen Tabellenführer Mainz am kommenden Wochenende einen Sieg: "Wir müssen zusehen, dass wir jetzt die Kurve kriegen. Da müssen jeweils drei Punkte her."

Peter Seiffert