Die Anhänger des FC Bayern machten sich vor dem entscheidenden Spiel bei Juventus Turin Mut. Vielleicht gelingt ja ein glücklicher Treffer nach einer Standardsituation. Schließlich galten die Italiener vor der Partie als Meister, wenn es darum geht, ein Remis zu halten.

Ein Zähler hätte schließlich für die "Alte Dame" zum Weiterkommen gereicht. Doch was am Abend des 8. Dezember im Olympiastadion von Turin geschah, daran werden sich viele Fußball-Fans noch lange erinnern.

"Eine magische Nacht"

"Es war ein historisches Ereignis - eine magische Nacht", nannte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Galavorstellung beim 4:1-Auswärtssieg der Bayern. Von einem Wunder wollte er aber nichts wissen. Vielmehr sei es die fantastische Leistung der gesamten Mannschaft gewesen, die den Einzug in das Achtelfinale der Champions League doch noch perfekt gemacht habe.

Der FC Bayern und Trainer Louis van Gaal können die mageren Ergebnisse in den turbulenten Anfangsmonaten dieser Saison wohl endgültig zu den Akten legen. "Jeder Spieler und auch der Vorstand sind froh. Wir haben sehr gut gespielt, und das bei Juventus, einer italienischen Spitzenmannschaft. In der Pause habe ich nichts gesagt und das geschieht nicht immer. Ich habe nur gesagt, dass es super war und wir gewinnen werden, wenn wir so weitermachen. Und so war es dann auch", erklärte van Gaal nach Schlusspfiff.

Juve vorgeführt

Die Art und Weise, wie die Münchener das Spiel dominierten, war schon beeindruckend. 22:6 Torschüsse, 11:2 Ecken und 62 Prozent Ballbesitz - wohl selten zuvor wurde Juventus vor heimischem Publikum derart vorgeführt.

"Wir haben Juve keine Zeit zum Atmen gelassen. Das Ergebnis hätte viel höher ausfallen können", analysierte Nationalstürmer Mario Gomez. Sein Sturmpartner freute sich auch über das Ergebnis. "Wir haben einen sehr schönen Fußball gespielt. Ich bin froh, dass wir unser Spiel des Jahres gewonnen haben", meinte Ivica Olic und wagte einen Ausblick auf die letzten beiden Spiele des Jahres: "Wenn wir jetzt auch noch in der Bundesliga sechs Punkte holen, dann ist wieder alles okay."

"Dieser Sieg war ein Signal für die Bundesliga"

Der FC Bayern greift also in guter, alter Mia-san-mia-Mentalität an. Das Selbstbewusstsein der Münchener ist nach dem vierten Sieg im vierten Pflichtspiel in Folge noch einmal gewachsen. Und das soll sich schon am Samstag in Bochum , und eine Woche später gegen Hertha BSC bemerkbar machen.

"Dieser Sieg war ein Signal für die Bundesliga", sagte Butt. Manager Christian Nerlinger wagte sogar schon eine mutigere Prognose: "Wenn wir diese zwei Spiele auch noch gewinnen, haben wir die Voraussetzungen für eine Rückrunde geschaffen, die hoffentlich den einen oder anderen Titel bringt. Unsere Konkurrenten straucheln, und da ist es umso wichtiger, dass die Bayern-Stärke zeigen."

Und Rummenigge blies noch einmal richtig zur Attacke: "Ich glaube, dass wir noch den ein oder anderen Punkt holen sollten, damit die da oben wissen, dass wir jetzt wirklich mit Volldampf kommen."

Aus Turin berichtet Michael Reis