Bayer Leverkusen bleibt in der Erfolgsspur und feiert den besten Saisonstart seit zehn Jahren. Dank eines hochverdienten 2:1-Heimsieges gegen den VfL Bochum beißen sich die "Werkskicker" an der Tabellenspitze fest.

Wie schon am vergangenen Wochenende spiegelte das nackte Endergebnis nicht den wahren Spielverlauf wider. Zwar war Bayer Leverkusen dem VfL Bochum in allen Belangen überlegen. Doch statt einer Wiederholung des schmeichelhaften 5:0-Schützenfestes von Freiburg kamen die Schützlinge von Trainer Jupp Heynckes "nur" zu einem knappen 2:1-Erfolg.

"Besser kann man nicht spielen"

"So ein Spiel gewinnt man normalerweise 5:1. Die Bochumer waren gut bedient", urteilte Bayer-Sportchef Rudi Völler nach dem Spiel. "Besser als wir in der ersten halbe Stunde gespielt haben, kann man nicht spielen. Das war Fußball vom Allerfeinsten. Nur die Chancenverwertung war nicht gut."

In Freiburg lief es vor einer Woche noch genau andersherum. Da hatten die Rheinländer spielerisch nicht überzeugen können, doch ihre Torchancen eiskalt ausgenutzt. Gegen Bochum brannten die Leverkusener von der ersten Spielminute an ein Offensivfeuerwerk ab. Der erste Treffer gelang jedoch den Gästen aus dem Ruhrpott.

Neu im Programm: Bayer dreht den Spieß um

Statistisch gesehen hätte Leverkusen in der Vorsaison danach schon den Deckel des Spiels zuklappen können. Keine einzige Partie konnte Bayer 04 damals nach Rückstand noch gewinnen. In dieser Saison lassen die Kicker die Köpfe nicht mehr hängen.

"Mir hat der Charakter des Teams imponiert", meinte Bayer-Keeper Rene Adler. "Das war über lange Strecken der letzten Saison nicht so. Keiner hat bei uns in der Halbzeitpause daran gezweifelt, dass der Sieger Bayer 04 Leverkusen sein würde."

Völler tritt auf Euphoriebremse

Die Erkenntnis der ersten Spiele der neuen Saison lautet, dass Bayer geduldiger geworden ist, auf seine Chance wartet und dann zuschlägt. Das war gegen Hoffenheim und Freiburg so. Und auch gegen Bochum, auch wenn die Truppe die Nerven der sportlichen Leitung mit der Vielzahl an vergebenen Chancen arg strapazierten.

"Wir hatten letztes Jahr auch einen guten Start. Wir waren nach dem 13. Spieltag Tabellenführer", versucht Rudi Völler zu relativieren. Einen Unterschied hat er dennoch ausgemacht: "Aber diesmal gewinnen wir auch die knappen Spiele. Das war nach ganz, ganz langer Zeit ein Spiel, das wir nach Rückstand noch gewonnen haben."

Hyypiä der neue Stabilisator

Die Mannschaft ist personell noch fast die gleiche des Vorjahres. Nur zwei Neuzugänge standen in der Startelf: der finnische Verteidiger Sami Hyypiä und Stürmer Eren Derdiyok. Gerade Hyypiä verleiht der Abwehr mit seiner Autorität und Präsenz neue Sicherheit und Souveränität, auch wenn er gegen Bochum nicht seinen allerbesten Tag erwischt hatte.

Nicht zu vergessen der neue Trainer: Jupp Heynckes lässt etwas weniger offensiv agieren als sein Vorgänger Bruno Labbadia. Die Außenverteidiger schalten sich bei eigenem Ballbesitz nicht mehr in jeden Angriff ein. Die Defensive steht so stabiler. Und auf die Stürmer und allen voran Stefan Kießling, der im vierten Spiel sein viertes Tor markierte, ist Verlass.

"Königsetappen" kommen noch

Doch bei aller Freude über den gelungenen Saisonstart bleiben die Verantwortlichen auf dem Teppich. Immerhin traf Leverkusen bislang bei allem Respekt vor den bisherigen Gegnern aus Mainz, Hoffenheim, Freiburg und Bochum noch nicht auf die sportlichen Schwergewichte der Liga. "Wir haben jetzt vier Etappen von 34 zurückgelegt. Die Königsetappen kommen noch", bestätigt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Der erste hochkarätige Gegner auf dem Papier wartet nach der Länderspielpause auf die "Werkself". Dann muss Bayer beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg antreten. Da kann auch Eren Derdiyok den Beweis seiner mutigen These antreten. Nach dem Sieg gegen Bochum meinte der Schweizer: "Ich bin überzeugt, dass wir noch viel mehr können. Wir spielen einen richtig guten Fußball." Die Konkurrenz ist auch so schon gewarnt.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski