München - Wer hätte das gedacht? Die Toppaarung des 17. Spieltages lautet Bayer Leverkusen gegen den SC Freiburg. Am Sonntag treffen in der BayArena (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) der Zweite und der Fünfte des Klassements aufeinander, keine andere Partie des Hinrunden-Ausklangs kann da tabellarisch mithalten. Und nach Dortmunds Niederlage in Frankfurt könnte die "Werkself" den Abstand zum Spitzenreiter auf acht Punkte reduzieren.

Dass Bayer in solchen Regionen zu finden ist, erstaunt nicht. Dass aber der Sport-Club Freiburg auch nach 16 Spieltagen hartnäckig oben mitmischt, war nicht vorherzusehen. Doch die Breisgauer haben sich ihre inzwischen beinahe sensationell anmutenden 27 Punkte durch tollen Fußball und mit leidenschaftlichem Einsatz verdient.

Heynckes schont Stars im Europacup

Niemand in Leverkusen sollte die Aufgabe auf die leichte Schulter nehmen. Tut auch niemand. Wer wissen möchte, wie ernst Bayer-Trainer Jupp Heynckes das 27. Pflichtspiel seiner Elf in dieser Vorrunde nimmt, muss sich nur die Aufstellung des Europa-League-Spiels gegen Atletico Madrid anschauen. Gegen den Titelverteidiger hatte der Coach eine B-Elf ins Rennen geschickt, die ihre Sache beim ehrenwerten 1:1 auch sehr gut gemacht hat.

Sicherheitshalber schonte Heynckes mit Simon Rolfes, Manuel Friedrich, Sidney Sam oder Michal Kadlec eine ganze Reihe von Stammspielern, die noch nicht einmal im Kader standen. Auch Tranquilo Barnetta oder Eren Derdiyok kamen nicht zum Einsatz. "Einige Außenstehende werden die Hände über den Kopf geschlagen haben, als sie die Aufstellung gesehen haben", schmunzelte Heynckes nach dem Europa League-Spiel. "Aber wir haben nicht nur elf Spieler im Aufgebot, sondern fast nur Stammspieler. Jeder kann zu den ersten Elf gehören."

Gegen Atletico Madrid nutzte Heynckes die Gelegenheit, einige der Toptalente Bayers wie Burak Kaplan oder Domagoj Vida in der Startelf auszuprobieren oder dem erst 17-jährigen Danny da Costa zu seinem Debüt bei den Profis zu verhelfen. Über letzteren urteilte der Trainer: "Er hat seine Sache prima gemacht, er darf wiederkommen."

"Auf Tuchfühlung bleiben"

Wiedergekommen ist gegen Atletico auch Torjäger Stefan Kießling, der drei Monate ausgefallen war und dem Bayer-Offensivspiel auf Anhieb neue Impulse geben konnte. So war Jupp Heynckes insgesamt rundum zufrieden: "Die Mannschaft hat wieder gezeigt, dass sie einen sehr guten Charakter hat und die Spieler auch als feststehender Gruppensieger das Spiel gewinnen wollen. Ich habe größten Respekt vor meiner Truppe. Jetzt wollen wir gegen Freiburg einen positiven Jahresabschluss haben. Es wäre fahrlässig, wenn wir nachlässig würden. Ich denke, dass wir am Sonntag voll Powerfußball spielen können."

Am Sonntag gegen Freiburg geht es darum, den Tabellenführer aus Dortmund punktemäßig nicht noch weiter einteilen zu lassen. Den zum Rückrundenstart gastiert die Borussia zum Gipfeltreffen in Leverkusen. "Wir müssen am Sonntag nachlegen und einen 'Dreier' einfahren", fordert Mittelfeldspieler Lars Bender. "Dann sind wir in einer richtig guten Ausgangsposition und haben zumindest ein bisschen auf Tuchfühlung nach oben."

Tormaschine Cisse fehlt dem SCF

Doch der SC Freiburg dürfte Bayer das Leben schwerer machen als die lustlosen Spanier im Schneetreiben am vergangenen Donnerstag. Immerhin drei Mal konnte die Elf von Trainer Robin Dutt in der Fremde bereits gewinnen, darunter auch in Frankfurt und Hoffenheim. Allerdings hat der Sportclub die letzten vier Begegnungen in Leverkusen allesamt bei 4:15-Toren deutlich verloren.

Personell macht sich Robin Dutt vor allem um die Besetzung seiner Abwehr sorgen. Innenverteidiger Oliver Barth fällt mit Magen-Darm-Grippe aus, auch Ömer Toprak und Pavel Krmas stehen wie auch Tommy Bechmann oder Torhüter Simon Pouplin nicht zur Verfügung. Zu allem Überfluss zog sich auch noch Daniel Williams einen Meniskusanriss zu. Zu allem Überfluss fehlt den Breisgauern auch noch ihre "Lebensversicherung" Papiss Demba Cissé, der mit 13 Treffern an der Spitze der Torjägerliste steht. Der Senegalese fehlt gelbgesperrt.

"Auf Leverkusen lastet ein gewisser Druck, denn einen Ausrutscher können sie sich gegen uns nicht erlauben, wenn sie weiter an Dortmund dran bleiben wollen", hofft Robin Dutt. "Wir wollen auch in Leverkusen variabel spielen, wenn es der Platz hergibt. Vielleicht wird der Platz auch besser sein, als gedacht." Lassen wir uns überraschen.

Tobias Gonscherowski