Leverkusen - Es zieht sich langsam wie ein roter Faden durch die Saison. Die Werkself spielt einen attraktiven Fußball, der den Zuschauern gefällt. Doch nach dem perfekten Saisonstart mit fünf Siegen in den ersten fünf Pflichtspielen, darunter zwei Erfolgen in der Bundesliga, läuft es vor allem im Liga-Alltag alles andere als zufriedenstellend.

Von den letzten neun Bundesliga-Partien konnte Leverkusen nur zwei gewinnen. Von der Tabellenspitze ging es runter auf Platz 6, Tendenz fallend. Am Samstag kam die Werkself nicht über ein torloses Remis gegen den 1. FSV Mainz 05 hinaus.

Fahrlässigkeit kostet jede Menge Punkte

"Es ist extrem ärgerlich, dass wir in der Bundesliga nicht viel besser dastehen, als wir es tun“, murrte Bayer-Coach Roger Schmidt bei "Sky". "Natürlich spielen wir in der Champions League richtig gut und stehen gut da. Aber wir spielen in der Bundesliga auch richtig gut, stehen nur nicht gut da. Das müssen wir schleunigst ändern."

Gegen defensiv starke Mainzer konnte Bayer 04 wieder einmal seine Überlegenheit nicht in einen Sieg ummünzen. Wie schon gegen Bremen (3:3), Freiburg (0:0), Paderborn (2:2), Stuttgart (3:3) und Hamburg (0:1) gingen die Leverkusener verschwenderisch mit ihren Chancen um (B04-Ergebnisse). Alleine in diesen Spielen hat der Champions-League-Teilnehmer etliche Punkten liegen lassen. Bei einer nach den gezeigten Leistungen durchaus möglichen optimalen Ausbeute würde Leverkusen mindestens auf Platz 2 liegen.

"Das ist defintiv zu wenig"

So aber belohnt sich die Mannschaft nicht. Und das Programm der kommenden Wochen hat es in sich. Erst geht es nach der Länderspielpause zu den Minimalisten nach Hannover, dann kommt mit dem 1. FC Köln die aktuell beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga zum rheinischen Derby, bevor nacheinander die Partien gegen die direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze in München, gegen Mönchengladbach und in Hoffenheim anstehen.

Die Wochen der Wahrheit kommen! Bayer hat die Möglichkeit,nach oben Boden gutzumachen, es besteht aber auch die Gefahr, in der Tabelle richtig abzurutschen und die Saisonziele aus den Augen zu verlieren. "Unsere bisherige Ausbeute ist für unsere eigenen Ansprüche definitiv zu wenig, wenn man sieht, was wir alles liegen gelassen haben", weiß auch Stefan Kießling.

"Wir waren gegen Mainz nicht kaltschnäuzig genug. Wir haben gut gespielt, gut agiert. Aber es hat im letzten Drittel oder im Sechzehner gefehlt, das Ding reinzumachen. Deswegen haben wir die Punkte liegen lassen. Nicht weil wir hinten die Tore reingekriegt haben", kritisierte Kießling auch sich selbst (Topdaten zum Spiel). Seit zehn Bundesliga-Spielen hat der Torschützenkönig der vorletzten Saison nicht mehr getroffen, so lange wie noch nie zuvor in seiner Karriere.

Böses Erwachen nach den Topspielen?

Leverkusen schaffte es nicht, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden. Nach dem anfänglichen Spektakel-Fußball mit vielen Toren und Gegentoren, scheint aktuell die Defensive auf Kosten der Durchschlagskraft im Angriffsspiel stabilisiert worden zu sein. In den letzten drei Spielen gelang Bayer 04 nur ein Treffer, der obendrein aus einem Freistoß resultierte.

Bislang konnte die relativ ordentliche Platzierung in der Tabelle einige Probleme übertünchen. Es könnte aber noch vor Weihnachten zu einem bösen Erwachen kommen, sollten die Topspiele gegen die Bayern, Gladbach und Hoffenheim nicht erfolgreich bestritten werden (Tabellenrechner). "Es wird gegen diese Gegner zwar nicht einfacher", glaubt Stefan Kießling. "Aber vielleicht werden sich die Gegner nicht hinten reinstellen. Das könnte uns entgegen kommen."

In der Champions League hat Leverkusen schließlich gegen starke Gegner auch stark gespielt und erfolgreich gepunktet. Diese Effizienz auf internationalem Parkett gilt es nun auch in der Bundesliga an den Tag zu legen. Andernfalls könnte es noch ungemütlich werden.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski