Leverkusen - Es fehlt nicht viel. Aber Bayer 04 Leverkusen musste sich gegen Schalke 04 dennoch mit einem 1:1-Unentschieden begnügen (Spielbericht). Der Rückstand auf den wichtigen Platz vier beträgt weiterhin lediglich zwei Punkte. Doch trotz guter fußballerischer Leistungen kommt die Werkself nicht so richtig voran.

Nach der Derbyniederlage vor drei Wochen gegen den 1. FC Köln hatte Kevin Kampl angekündigt, dass die Mannschaft die Länderspielpause zur Regeneration nutzen und danach in der Bundesliga richtig angreifen werde. Der Mittelfeldspieler behielt zumindest teilweise recht. In den drei Pflichtspielen danach blieb Bayer 04 ungeschlagen. Erst gab es den souveränen Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt, dann wahrte Leverkusen in Borisov die Chance aufs internationale Überwintern. Und nun gab es die Punkteteilung gegen Schalke.

Die Bilanz ist nicht schlecht, sie könnte aber auch noch besser sein. "Das Schalke-Spiel ist ein Spiegelbild der ganzen Vorrunde", sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler. "Wir spielen gut, fußballerisch passt alles. Aber wir nutzen unsere Hochkaräter nicht wie in den letzten Jahren. Dann muss man mit einem Unentschieden zufrieden sein."

Gut aufgestellte Offensive

Besonders in den Heimspielen tut sich Leverkusen momentan richtig schwer. Bei den sieben Bundesliga-Auftritten vor eigenem Publikum gab es nur drei Siege. Dazu kamen zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Das ist zu wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass Leverkusen die letzten sechs Heimspiele der vorangegangenen Rückrunde bei 17:0 Toren gewann.

Die Ursachen für das Nachlassen sind schwer zu erklären. Denn personell erscheint die Werkself gerade in der Offensive besser aufgestellt zu sein als im Vorjahr. Vom offensiven Stammpersonal verließ nur Heung-Min Son die Mannschaft, dafür kamen Admir Mehmedi und Chicharito. Vor allem Letzterer hat großartig eingeschlagen und bei seinen 17 Pflichtspieleinsätzen zwölf Tore erzielt und zwei Assists beigesteuert.

Auch gegen Schalke setzte der Mexikaner Akzente. Seine Hereingabe war es, die von Schalkes Außensverteidiger Sascha Riether in der 86. Minute unglücklich ins eigene Tor abgefälscht wurde. Chicharitos Sturmpartner Karim Bellarabi hatte in der ersten Halbzeit mit einem Knaller an die Unterkante der Latte großes Pech. "Wir sind im Moment nicht gerade vom Glück verfolgt", haderte der deutsche Nationalspieler nach dem Abpfiff. "Wir hätten gewinnen müssen." 18 Tore in 14 Bundesliga-Spielen sind nicht das, was man sich in Leverkusen vorstellt.

Leverkusen lauert

So bleibt Leverkusen in Lauerstellung auf Position sechs. Nur zwei Punkte trennen die Werkself vom vierten Platz, allerdings auch nur zwei von Rang elf. Noch drei Spiele stehen bis zur Winterpause an, in den beiden nächsten geht es gegen direkte Konkurrenten. Erst gastiert Bayer 04 in Berlin, danach kommt Mönchengladbach in die BayArena. Bislang blieb Leverkusen in den Spielen gegen die Topvereine Bayern München, Borussia Dortmund, VfL Wolfsburg und Schalke 04 ohne Sieg. Das muss sich ändern.

"Wir brauchen vor der Winterpause eine Serie, damit wir nicht den Anschluss verlieren", fordert Bayer-Keeper Bernd Leno. "Dazu müssen wir in allen Spielen das liefern, was wir heute geliefert haben. Wir müssen gegen Hertha und Gladbach gewinnen, um zu beweisen, dass wir auch die Großen schlagen können. Schon gegen die Hertha wird es ein Sechs-Punkte-Spiel." In der Hauptstadt wird Leverkusen einen erneuten Versuch zur großen Aufholjagd starten (zur Vorschau).

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski