Leverkusen - Der Höhenflug von Bayer 04 Leverkusen hält an. Die Werkself feierte beim 3:0-Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt den fünften Erfolg ohne Gegentor in Serie und verdrängte Hertha BSC in der Tabelle von Platz drei. Nun warten im Saisonendspurt die direkten Duelle gegen Schalke, Hertha und Mönchengladbach auf die Elf von Roger Schmidt.

Wer das nackte Resultat der Begegnung zwischen Bayer 04 Leverkusen und Eintracht Frankfurt sieht, ahnt nicht, dass die Rheinländer gegen die abstiegsbedrohten Hessen Schwerstarbeit verrichten mussten. Denn 70 Minuten lang hielt das Frankfurter Bollwerk den Leverkusener Angriffen statt, die besseren Chancen besaß sogar die Eintracht.

Erfolgsgarant Bernd Leno

"Das Spiel war sicher nicht so gut wie die letzten zwei, drei Spiele", gab Bayer-Sportchef Rudi Völler ehrlich zu. "Trotzdem haben wir es 3:0 gewonnen. Das zeigt dann unsere große Qualität und ist eine gute Erfahrung vor dem Spiel gegen Schalke 04." Zu den Leverkusener Erfolgsgaranten zählte wieder einmal Keeper Bernd Leno, der im sechsten Pflichtspiel in Folge und seit exakt 574 Minuten ohne Gegentor blieb und damit einen neuen Vereinsrekord aufstellte.

Auch Christoph Kramer spielte auf der ungewohnten Position des Innenverteidigers eine solide Partie, bei der er sich nicht einmal großartig umstellen musste. "Das Anforderungsprofil zwischen Innenverteidiger und Sechser ist nicht so unterschiedlich", meinte der Weltmeister. "Man hat nur keinen defensiven oder offensiven Spieler mehr hinter sich. Im Training spiele ich das ab und zu schon mal." Zwei, drei heikle Situationen musste Bayer 04 überstehen, dann entschied sich die Partie auf der anderen Seite.

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Dort hatte das Angriffsduo Chicharito und Julian Brandt mehr Mühe als zuletzt. Lediglich zweimal visierte Chicharito das Eintracht-Tor an. Es fehlte ihm an Durchschlagskraft. Vielleicht war der Mexikaner auch ein bisschen traurig, dass sein Treffen mit seinem Jugendfreund Marco Fabian, der bei der Eintracht 90 Minuten auf der Bank schmorte, ausfiel. Unter der Woche noch hatten sich die beiden gut gelaunt via Skype auf das Spiel eingestimmt.

Kampl avanciert zum Matchwinner

Chicharito rieb sich in vielen Zweikämpfen auf und verletzte sich dann nach knapp 70 Minuten. Eine zeitlang versuchte der Leverkusener Torjäger noch, den Schmerzen im linken Knie zu trotzen, dann musste er ausgewechselt und durch Kevin Kampl ersetzt werden. Kampl avancierte dann binnen weniger Sekunden nach seiner Einwechslung mit seinem Tor zur 1:0-Führung zum Matchwinner.

Zum Glück scheint sich Chicharito nicht ernsthaft verletzt zu haben, gab Rudi Völler nach dem Spiel Entwarnung. "Es sieht nicht so schlimm aus. Ich habe mit ihm zusammen beim dritten Tor gejubelt", meinte der Sportchef erleichtert. Auch Fabian schaute nach dem Abpfiff in der Leverkusener Kabine bei seinem Kumpel vorbei.

Brandt stiehlt Chicharito die Show

In der Offensive stiehlt momentan ohnehin der erneut gut aufgelegte Julian Brandt dem erfahrenen Mexikaner etwas die Show. Der Teenager traf zum 2:0 und netzte somit im vierten Spiel in Serie, bevor Karim Bellarabi in der Schlussminute mit dem 3:0 den Deckel drauf setzte.

Brandt versicherte nach dem Spiel, dass er im Sommer wie geplant in Urlaub zu fahren gedenke und nicht mit einer Last-Minute-Berufung durch Bundestrainer Joachim Löw rechne. Auch wenn er hinzufügte: "Man muss immer mit allem rechnen." Wichtiger sei aber, zu versuchen, in den nächsten Spielen sein Niveau zu halten und "endlich mal Konstanz reinzubekommen".

Diese Konstanz zeichnet die Werkself seit einigen Wochen aus. Fünf Siege am Stück, 11:0 Tore - die Zahlen sind glänzend und schwer zu erklären. "Für Serien hat man nie Worte. Die sind einfach da", meinte Christoph Kramer lakonisch. "So etwas hatte ich letztes Jahr schon mit Gladbach. Aus so Serien ist es schwer rauszukommen, positiv wie negativ. Man muss sich eine Serie sehr hart erarbeiten." Das hat Bayer 04 Leverkusen in den letzten Wochen getan.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski