Madrid - Der Titelverteidiger wankte, aber er fiel nicht: Bayer Leverkusen stand dicht vor dem Sieg beim Europa-League-Gewinner Atletico Madrid. Doch auch das 1:1 macht Mut
für den Angriff in der Bundesliga.

Auf der europäischen Bühne fühlt sich Bayer Leverkusen schon wieder wie zu Hause, jetzt startet die Werkself in der Bundesliga den Großangriff. "Wir wollen uns oben festsetzen", sagte Sportdirektor Rudi Völler vor dem Duell mit Werder Bremen am Sonntag (17.30 Uhr).

"Ordentliches Comeback"

Der Auftritt in der Europa League macht Mut: Fast wäre Bayer ein Coup gelungen. "Wir haben ein ordentliches Comeback geschafft und gezeigt, dass wir auf dem Niveau mithalten können", sagte Völler nach dem 1:1 (1:0) bei Atletico Madrid. Bayer lieferte trotz Ausfällen wichtiger Spieler wie Michael Ballack, Stefan Kießling und Renato Augusto eine ganz starke erste Halbzeit beim spanischen Titelverteidiger ab.

Dass die Rheinländer Atletico nach dem Tor von Eren Derdiyok
(39.) nicht die erste Niederlage nach 14 Europapokalspielen
zufügten, hatten sie sich aber selbst zuzuschreiben. Dabei patzte neben Patrick Helmes, der in der 87. Minute die Riesenchance zum Sieg vergab, vor allem Sami Hyypiä.

Ausgerechnet der sonst so sichere Finne verursachte den Elfmeter, der zum Ausgleich durch Simao führte (51.). Eine Woche vor seinem 37. Geburtstag stellte sich Hyypiä mit seiner Erfahrung von 104 Länderspielen und 109 Europacup-Partien ungeschickt an. "Sami weiß selbst, dass er so nicht hingehen darf", schimpfte Trainer Jupp Heynckes: "Dabei hatte ich in der Halbzeit noch vor solchen Aktionen gewarnt."

Merida nimmt Einladung an

Dass die "Tat" des Innenverteidigers, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen hatte, kein klassisches Foul war, tat nichts nur Sache. Hyypiä grätschte völlig unnötig, Fran Merida nahm die Einladung an und fiel über das Bein. "Das hat der Stürmer clever gemacht", sagte Völler, selbst einst ein Weltklasse-Angreifer. Hyypiäs Verhalten wollte der Sportchef nicht beurteilen, erklärte aber vielsagend: "Das ist etwas anderes."

Die Mitspieler bezeichneten den Elfmeter als "unnötig" (Derdiyok) oder "ärgerlich" (Simon Rolfes). Dennoch könne man mit dem Punkt "super leben", betonte Völler. Zumal die Perspektiven bei Bayer glänzend scheinen. Mit vier Punkten führen die Leverkusener die Tabelle ihrer Europa-League-Gruppe an, in der Bundesliga sind sie als Fünfter mit
zuletzt zwei Siegen im Kommen.

Und die erste Halbzeit im altehrwürdigen Stadion Vicente Calderon zeigte das Potenzial des Kaders. Gerade die ins Team nachgerückten Sidney Sam und Hanno Balitsch hinterließen neben dem überragenden Arturo Vidal einen
starken Eindruck. Und das Comeback von Simon Rolfes als
Vollzeitkraft steht kurz bevor.

Rolfes gegen Bremen zunächst auf der Bank

Gegen Bremen werde er noch nicht 90 Minuten spielen, sagte der Nationalspieler, "da muss man realistisch sein. Aber nach der Länderspielpause schauen wir dann mal." Doch auch als Aushilfe ist Rolfes schon wertvoll. Als sein Team in Madrid nach dem Ausgleich "richtig ins Schwimmen" kam (Völler), beruhigte der Kapitän nach seiner Einwechslung das Spiel und führte Bayer sicher zum Punktgewinn.

Die Frage, ob er sich über den Punkt freue oder ärgere, beantwortete Rolfes mit "beides". In jedem Fall mache es "richtig Spaß", wieder Europacup zu spielen, "das hat eben ein ganz besonderes Flair". Dass Leverkusen auf diese Bühne gehört, haben die Rheinländer eindrucksvoll bewiesen.