Im Fernsehen erfreuen sich derzeit Sendungen wie "Unser neues Zuhause" oder "Zuhause im Glück" einem großen Interesse beim Publikum.

Die Kandidaten suchen in diesem TV-Format nach einer neuen Behausung bzw. lassen sich ihre aktuelle neu gestalten - man möchte sich eben zuhause fühlen.

Wer suchet, der findet

Ob die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen über eine Bewerbung bei einer dieser Sendungen nachgedacht haben, ist eher unwahrscheinlich, aber nicht gänzlich ausgeschlossen - theoretisch zumindest!

Der Grund: Das heimische Stadion wird umgebaut. Mit der Folge, dass der Werksclub seine Rückrundenpartien nicht in der BayArena austragen kann und sich nach einem neuen Zuhause umschauen musste.

Mit Erfolg - mit oder ohne Hilfe: Die Wahl fiel auf die LTU arena zu Düsseldorf. Fortan wird die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ihre Heimspiele im Stadion in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt austragen, das über 51.500 Sitzplätze verfügt.

Großes Interesse und Vorfreude

Die Premiere steigt bereits am kommenden Mittwoch im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den FC Energie Cottbus. In der Bundesliga ist es am 19. Spieltag zum ersten Mal so weit, wenn der VfB Stuttgart im neuen Zuhause der Leverkusener zu Gast sein wird.

Bei den Fans scheint die Vorfreude auf die neuen "vier Wände" groß zu sein. Sportdirektor Rudi Völler gab am vergangenen Freitag (23. Januar) bekannt, dass für die Partie gegen die Schwaben bereits 31.000 Eintrittskarten verkauft seien.

"Wir haben uns diese Resonanz sicherlich durch unsere überwiegend sehr guten Auftritte in der Hinrunde erarbeitet. Die Mannschaft steht natürlich in der Pflicht, die geweckte Erwartungshaltung nicht nur unserer Fans, sondern auch die des Düsseldorfer Publikums in der LTU arena zu erfüllen, um bei den weiteren Spielen eine ähnliche Kulisse zu haben", sagte Völler in einem Gespräch mit der "Rheinischen Post". "Wir freuen uns sehr auf dieses tolle Stadion und wollen dort mit attraktivem Fußball auch möglichst viele Düsseldorfer Zuschauer begeistern", so Völler weiter.

Neuer Anstrich

Jetzt müssen sich also nur noch die Spieler im neuen Rund wohl fühlen. An daran wird gearbeitet - ganz wie in den oben erwähnten TV-Sendungen. "Wir werden unsere Kabine ganz nach unseren Vorstellungen einrichten, etwa Bilder von allen Spielern aufhängen und eine Wand streichen lassen", verriet Trainer Labbadia. "Wir wollen uns hier schließlich richtig heimisch fühlen."

Dieses Heimatgefühl soll zu einer erfolgreichen Rückrunde der Labbadia-Elf beitragen. Möglichst viele Punkte sollen in der LTU arena eingefahren werden. In der Hinrunde holte Bayer 16 Zähler in der heimischen BayArena. Fünf Siege, ein Unentscheiden und drei Niederlagen stehen zu Buche. Das macht Platz 9 in der Heimtabelle der Bundesliga. Es gibt also viel Luft nach oben.

1899 hat's vorgemacht

Ein Blick auf 1899 Hoffenheim dürfte der Werkself Mut machen. Der Aufsteiger und aktuelle Tabellenführer der deutschen Eliteklasse bestritt seine Heimspiele in der Vorrunde auch nicht zuhause, sondern in einer fremden Arena. Das Carl-Benz-Stadion in Mannheim war die Heimspielstätte der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick.

Und die neue Heimat erwies sich als schier uneinnehmbare Festung: 23 Punkte holte der Herbstmeister aus den neun Partien im Carl-Benz-Stadion und blieb dabei ungeschlagen. Sieben Mal bejubelte der Neuling einen "Dreier", zwei Mal trennte man sich mit dem Gegner die Punkte.

Attacke

"Wir attackieren die Bayern!", gab Leverkusens Verteidiger Lukas Sinkiewicz jüngst in einem "kicker"-Interview die Marschroute für die Rückrunde aus. Voraussetzung für dieses ambitionierte Vorhaben wäre eine ähnlich starke Heimbilanz im neuen Zuhause wie die der Hoffenheimer.

Dann könnte es am Ende der Saison auch für die Leverkusener heißen: "Zuhause im Glück".

Sven Becker