Orlando - Vor dreieinhalb Jahren hütete Keeper David Yelldell von Bayer 04 Leverkusen gegen Paraguay das Tor der US-Boys. Ganz nach dem Motto: Unverhofft kommt oft.

Als David Yelldell gestern den Trainingsplatz in Florida verlässt, wartet ein älterer Herr mit Baseball-Cap an der Seitenlinie auf ihn. Der Mann ist Autogrammsammler und Fußballfan. An diesem Tag hat er es auf die Unterschrift des Werkself-Keepers abgesehen und ist dafür extra die rund drei Autostunden von Tampa Bay nach Orlando gefahren. Denn was kaum jemand in Deutschland weiß: David Yelldell ist in den USA nicht unbekannt. Der 33-Jährige hat einmal für die Nationalmannschaft gespielt. 

"Ein unglaubliches Gefühl"

Dreieinhalb Jahre ist das nun her, doch der 1,97-m-Hüne weiß es noch genau. Damals im Dress des MSV Duisburg unterwegs, rief ihn Torwarttrainer Oliver Reck nach einem Training zu sich. Er gratulierte ihm. "Wofür?", fragte Yelldell. "Habe ich geheiratet? Bin ich Vater geworden?" Nein. Coach Bob Bradley hatte ihn ins Team USA berufen. Von einem auf den anderen Tag war der Zweitliga-Keeper David Yelldell also Nationalspieler. "Ein unglaubliches Gefühl", sagt er heute.

Dabei hatte er selbst gar nicht damit gerechnet. Klar, er galt 2011 als einer der besten Torhüter der zweiten Liga, zog wenig später mit dem MSV auch ins DFB-Pokal-Finale ein. Doch geboren war er ja in Stuttgart. "Ich kannte Amerika nur durch die Besuche bei meinem Vater." Der war nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert und lernte in dieser Zeit David Yelldells Mutter kennen. "Nachdem er zurückgegangen war habe ich oft die sechs Wochen im Sommer bei ihm verbracht", erinnert sich der Keeper. 

Niederlage gegen Paraguay

Nun sollte er nach Carolina - zum Lehrgang der US-Cracks. "Ich war schon ein wenig aufgeregt", erzählt Yelldell. Doch die Anspannung verflog recht schnell - auch, weil er nicht der einzige "Deutsche" im Camp war. Timothy Chandler, der heute bei Eintracht Frankfurt spielt, wurde damals zum ersten Mal berufen, auch Jermaine Jones war noch recht neu. "Mit deutsch wäre man da ganz gut über die Runden gekommen", sagt Yelldell und fügt an: "Man hat bei so kleinen Dingen genau gesehen, wer einen deutschen Einfluss hat. Wenn um halb sieben Essen war, saßen wir 'Deutschen' alle schon um fünf vor halb da, während die anderen mit zehn oder 15-minütiger Verspätung locker eingetrudelt sind." Doch das nur am Rande. 

Im ersten Spiel gegen Argentinien um Lionel Messi in New York musste sich Yelldell indes noch der lebenden amerikanischen Torhüter-Legende Tim Howard den Vorzug lassen, zwei Tage später aber war es dann in Nashville gegen Paraguay soweit. Für den zweiten Durchgang wurde David Yelldell für Marcus Hahnemann eingewechselt und feierte seine Premiere als Nationalkeeper. Zwar verloren die US-Boys um Landon Donovan und Clint Dempsey mit 0:1, doch das Tor fiel schon vor der Pause, als Yelldell noch auf der Bank saß. Die Niederlage trübte die Stimmung des heutigen Leverkuseners allerdings nicht lange. "Es war ein fantastisches Erlebnis. Ich habe die Nationalhymne mitsingen dürfen, und mein Trikot hat einen Ehrenplatz bei mir zu Hause bekommen." Spätestens seitdem können fast alle Soccer-Fans in den Staaten mit seinem Namen etwas anfangen – nicht nur der Mann aus Tampa Bay. 

Soccer boomt

"Schon damals hat man gemerkt, dass die USA im Soccer ein schlafender Riese sind", sagt Yelldell. Deshalb wundert ihn auch der Boom, der spätestens seit dem furiosen Auftritt der Klinsmann-Truppe bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr von Los Angeles bis Miami Einzug gehalten hat, auch nicht. 2004 war das noch anders, doch schon damals war Yelldell auf dem Radar der amerikanischen Scouts. Eigentlich hätte er fürs Olympia-Team spielen sollen, doch die USA verpassten im letzten Moment die Qualifikation. 

So mussten Spieler und Trainerteam ein paar Jahre länger auf seinen Einstand warten. Der hatte es 2011 dann jedoch in sich. Nach seinem Debüt kam Yelldell nicht um das Ritual, ein Lied vor der Mannschaft zu singen. "Was hätte da als Deutsch-Amerikaner besser gepasst als David Hasselhoff? Also habe ich 'Looking for freedom' gesungen. Ich glaube, es kam gut an", sagt Yelldell und muss lachen. Denn auch wenn es bisher nur ein Länderspiel für die USA gewesen ist; diese Erfahrung nimmt ihm keiner mehr.