Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen ist nach dem 1:1-Unentschieden im rheinischen Derby gegen Borussia Mönchengladbach auf Platz 3 der Tabelle geklettert. Doch wie schon in so vielen Spielen in dieser Hinrunde verließen die Werkself-Profis die BayArena mit dem Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre.

Das Beste vorneweg: Die Mannschaft von Roger Schmidt steht im Klassement dort, wo sie auch am Ende der Saison platziert sein will. Rang 3 und die direkte Qualifikation zur Champions League würde in Leverkusen heute vermutlich jeder unterschreiben. Bayer 04 spielt einen attraktiven Fußball und mischt tabellarisch oben mit. So weit ist alles gut.

"Wir haben zuhause sehr viel liegen lassen"

Aber dennoch gibt es auch Anlass zur Kritik. Denn die Punkteausbeute steht in keinem befriedigenden Verhältnis zum Aufwand. Leverkusen konnte nur sechs von 15 Bundesliga-Spielen gewinnen und liegt nicht nur 15 Punkte hinter Tabellenführer FC Bayern München, sondern auch schon sechs Zähler hinter dem zweitplatzierten VfL Wolfsburg. Gegen beide Topteams verlor die Werkself, auch gegen die auf Platz 4 notierten Gladbacher gelang kein Sieg.

"Wir haben zuhause sehr viel liegen lassen", bemängelt Gonzalo Castro. "Wir betreiben sehr viel Aufwand, uns gelingt aber nicht, nach dem 1:0 das 2:0 zu machen. Das fehlte mit Ausnahme des Spiels gegen Köln auch in anderen Spielen. Die Leistung stimmt, aber die Ergebnisse nicht immer." Dass es dennoch für Platz 3 reicht, ist der Tatsache geschuldet, dass die Bundesliga sehr ausgeglichen ist und den Dritten vom Neunten nur vier Punkte trennen.

In der letzten Spielzeit hatte Leverkusen 12 der ersten 15 Spiele gewonnen und lag mit 37 Punkten auf Platz 2, nur vier Zähler hinter den Bayern. Von diesen Werten sind die Rheinländer meilenwert entfernt, nicht nur in dieser Hinrunde, sondern bereits im gesamten Kalenderjahr 2014.

Die Ruhe fehlt auch bei eigenem Ballbesitz

"Es gab einige Spiele, aus denen wir mehr hätten mitnehmen müssen", weiß auch Leverkusens Kapitän Simon Rolfes, der aber auch im Gespräch mit bundesliga.de die Gründe dafür benennt. "Das ist auch unserer durchaus anderen Spielweise geschuldet. Sie kann noch nicht so ausgereift sein wie die von Gladbach, die ihr System seit vier Jahren spielen. Bei uns wird es mit Sicherheit noch besser werden. Man kann nicht erwarten, dass nach drei Monaten jeder letzte Ablauf sitzt. Da kann die Mannschaft noch reifen."

Die Systemumstellung unter Roger Schmidt weg von der abwartenden Kontertaktik zum überfallartigen Attackieren funktionierte am Anfang der Saison noch überraschend gut. Doch von den letzten 13 Bundesliga-Spielen konnte Leverkusen nur noch vier gewinnen. Die Mannschaft übt nicht nur einen ungemeinen Druck auf den Gegner aus, auch bei eigenem Ballbesitz fehlt die Ruhe, selbst nach einer Führung den entscheidenden Punch zu setzen.

"Wenn uns das mal gelingen würde, könnten wir uns im Spiel auch zwischendurch mal etwas erholen und entspannen", sagt Gonzalo Castro. "So aber muss man die 90 Minuten unter Spannung sein und gucken, dass man kein Tor kriegt. Wir haben viele junge Spieler, die das erste Mal diesen Rhythmus haben. Man merkt, dass den jungen Spielern langsam die Luft ausgeht."

Ohne Calhanoglu gegen Hoffenheim?

Der Powerfußball der Marke Schmidt geht an die Substanz. 25 Pflichtspiele hat Leverkusen in dieser Saison bereits bestritten, zwei stehen noch aus. Am Mittwoch gastiert Bayer 04 in Hoffenheim. Danach kommt am Samstag Eintracht Frankfurt in die BayArena. "Hoffenheim spielt wie in seinen besten Zeiten, mit viel Druck nach vorne", lobt Simon Rolfes den nächsten Gegner. "Sie haben sehr gute Einzelspieler und gute Dribbler. Sie versuchen zu pressen, schnell umzuschalten. Das wird ein schweres Spiel."

Verzichten muss Leverkusen vielleicht auf Hakan Calhanoglu. Der türkische Nationalspieler leidet an einer Erkältung. "Hakan ist erkältet, und ihm geht es nicht so gut. Ich werde abwarten und am Dienstag entscheiden, ob er mitfährt, nach Sinsheim nachreist oder ganz zu Hause bleibt", sagte der Trainer.

Im Falle einer Niederlage würde Leverkusen die Kraichgauer an sich vorbeiziehen lassen müssen. Doch in Hoffenheim hat Bayer 04 noch nie verloren und in sechs Spielen 16 Punkte geholt.

Tobias Gonscherowski