Köln - Es war das sportliche Highlight der fünftägigen Südkorea-Reise. Im gut gefüllten World Cup Stadium in Seoul gewann die Werkself am Mittwochabend (12 Uhr MESZ) vor beeindruckender Kulisse gegen den FC Seoul mit 2:0 (1:0).

Dabei stand das Stadion schon beim Anpfiff Kopf. Die beiden Leverkusener Legenden Rudi Völler und Bum-Kun Cha führten unter tosendem Applaus symbolisch den Anstoß aus. Als wenige Sekunden später dann Volksheld Heung-Min Son zum ersten Mal am Ball war, gab es bei den weit über 40.000 südkoreanischen Fußballfans kein Halten mehr.

Bellarabi dreht auf und trifft

Und Son leitete auch die erste gefährliche Aktion der Werkself ein. In der vierten Minute legte er per Hacke auf Karim Bellarabi ab, der mit seinem Schuss an Seouls Keeper Sang-Hoon Yoo scheiterte (4.). Besser machte er es dann 20 Minuten später. Wieder bekam er ein sehenswertes Zuspiel, diesmal per Hacke von Hakan Calhanoglu, und schlenzte den Ball aus 25 Metern mit rechts unhaltbar ins Tor – 1:0 für die Werkself.

Die Führung war verdient, denn das Bayer 04-Ensemble dominierte die Anfangsphase nach Belieben und zeigte einige ansehnliche Kombinationen. Und das trotz der ungewohnten äußeren Bedingungen. Obwohl die Partie in Südkorea am Abend ausgetragen wurde, war es immer noch über 30 Grad warm und enorm schwül. Fast alle der anwesenden Zuschauer schwangen während der kompletten Begegnung ihren Fächer und sahen auch nach dem ersten Treffer weiter ein Spiel auf ein Tor.

Lufthansa-Crew dabei

Die Werkself kreierte Chance über Chance, verpasste es aber, vor dem Halbzeitpfiff nachzulegen. Die beste Möglichkeit hatte Heung-Min Son in der 30. Minute. Sein Versuch ging knapp daneben. So ging es unter dem Applaus der Zuschauer mit der 1:0-Führung in die 15-minütige Pause. Während dieser tobte das World Cup Stadium beim Halbzeit-Gewinnspiel weiter – ein außergewöhnliches Schaubild. Unter den Gästen war auch die Crew des Lufthansa-Flugs 712, mit dem die Werkself am Montag nach Südkorea geflogen war. Bayer 04 hatte die Piloten und Flugbegleiter zum Testspiel eingeladen.

Chefcoach Roger Schmidt änderte sein Team zur zweiten Halbzeit auf sechs Positionen. Damit kamen mit Ausnahme von Lokalmatador Seung-Woo Ryu alle Spieler zum Einsatz. Der Südkoreaner war nach seiner Roten Karte in Aachen (1:1) für drei Testspiele gesperrt worden und verfolgte die Partie in seiner Heimat von der Ersatzbank.

Kießling erhöht per Volleyschuss

Von dort aus sah er einen furiosen Wiederbeginn der Werkself. Heung-Min Son schoss nur Sekunden nach dem Wechsel hauchzart am Tor vorbei. Und auch die Seoul-Equipe mischte nun munterer mit. Der japanische Stürmer Sergio Escudero wollte den Ball über Dario Kresic lupfen, doch der neue Schlussmann von Bayer 04 verhinderte den Ausgleich mit einem starken Reflex und leitete den Gegenstoß ein. Mit Erfolg: Über Simon Rolfes und Maximilian Wagener kam der Ball zu Kießling, der aus zehn Metern nicht lange fackelte und die Kugel mit rechts volley ins Eck drosch – 2:0 (60.).

Nur 15 Minuten später tat sich Kießling gleich die nächste Chance auf. Heung-Min Son hatte sich gegen drei Gegner behauptet und das Auge für den Werkself-Goalgetter behalten. Den Schuss entschärfte der Keeper des FC Seoul spektakulär. Sein Gegenüber Dario Kresic lieferte ebenfalls eine bärenstarke Partie ab, parierte in der Schlussphase zweimal und hielt damit den verdienten 2:0-Erfolg fest.

Auch ohne einen Treffer von Heung-Min Son war die Stimmung auf den Rängen nach dem Abpfiff fantastisch. Dafür bedankte sich die Werkself direkt im Anschluss an die Partie und schoss zahlreiche Bälle ins Publikum. Auf der Ehrenrunde präsentierte sie zudem ein Banner, auf dem ein Gruß und ein Dank für den freundlichen Empfang und die Gastfreundschaft zu lesen war. Stefan Kießling wurde danach noch als „Man of the Match“ gefeiert.

Bayer 04: Leno (46. Kresic) – Donati (46. Hilbert), Jedvaj, Wollscheid, Boenisch (46. Wendell) – Reinartz (46. Rolfes), Castro (46. Wagener) - Calhanoglu, Son – Bellarabi (46. Yurchenko), Kießling.

Tore: 0:1 Bellarabi (24.), 0:2 Kießling (60.).