Das Fußballteam des Fanprojekts Leverkusen kam Anfang Mai zu der Gelegenheit eines nicht ganz normalen Fußballspiels. Dicke Mauern, hohe Zäune und große Gefängnisblöcke prägen das Bild des Sportplatzes in der Jugendvollzugsanstalt Siegburg, auf dem eine Mannschaft aus jugendlichen Straftätern auf die jungen Bayer 04-Fans wartete.

Über 500 junge Häftlinge sitzen in Siegburg ihre Strafen ab, das Strafmaß geht von kleineren Drogen- oder Diebstahldelikten bis zum Totschlag oder auch Mord. Der Fußball spielt für die Insassen eine große integrative Rolle und eröffnet den jungen Menschen immer wieder die Möglichkeit zum Austausch mit der Außenwelt.

Zweites Spiel nach 2005

Karl-Heinz Lichtenberg, Fußballcoach der Anstalt, organisiert deshalb immer wieder Fußballspiele und Turniere mit anderen Teams. Und vermittelt manchmal sogar gute Fußballspieler zu Vereinen in der Region. Nach 2005 waren die Leverkusener bereits zum zweiten Mal zu Gast in Siegburg.

Für die Fanprojektler eine willkommene Abwechslung zum regelmäßigen Kicken in Leverkusen und für den Leiter, Stefan Thomé, die Gelegenheit, ein Fußballspiel mit präventiven Ansatzpunkten zu verbinden.

Mulmige Gefühle

So waren die jungen Leverkusener auch etwas nervöser als sonst. "Sowas kennt man ja sonst auch nur aus dem Fernsehen", stellte zum Beispiel Michael Krieger fest. Das ausgeglichene Spiel auf ungewohntem Terrain gewann das Team der JVA schließlich mit 6:4, doch die Unzufriedenheit darüber war schnell verflogen.

Denn im Anschluss mussten weitere Eindrücke verarbeitet werden. Eine Führung durch die Blöcke mitsamt einem Blick in eine Zelle sorgte für große Augen und mulmige Gefühle unter den Besuchern. "So eng, kalt und ungemütlich hätte ich es mir nicht vorgestellt", wunderte sich Alexander Palitza, als er wie alle anderen für eine kurze Zeit hinter verschlossenen Riegeln eingesperrt war.

"Einblick in eine andere Welt"

"Das war auf jeden ein interessanter Einblick in eine andere Welt und unseren Jungs hat es trotz der Niederlage Spaß gemacht. Und ich glaube, alle waren wieder froh, als sie sich auf dem Heimweg machten konnten", sagt Stefan Thomé.

Grundsätzlich legt das Fanprojekt Leverkusen großen Wert darauf, seinen Jugendlichen auch die Welt außerhalb des Fußballs näher zu bringen. So bieten die Leverkusener am Donnerstag, den 20. Mai einen Info-Abend zum Thema "Gefahren im Internet" an.

"Schauen bei unserer Arbeit weit über den Fußball hinaus"

In einem Vortrag geht ein Referent von "klicksafe.de" auf die Probleme und Risiken im Umgang mit dem Internet ein. Facebook, StudiVZ, SchülerVZ und andere Communities gehören heute zum gesellschaftlichen Leben, aber sie bringen auch oft genug Probleme mit sich. Cybermobbing und Sicherheitslücken, fehlende Datensicherheit und falsche Freunde sind nur einige davon. Was kann man als Betroffener tun und wie beuge ich den Gefahren vor?

Stefan Thomé: "Wir schauen bei unserer Arbeit auch immer wieder weit über den Fußball hinaus. So gehören Bildungs- und Aufklärungsarbeit genauso dazu wie kultur- und erlebnispädagogische Angebote. Wichtig ist es, den Jugendlichen auch in anderen Bereichen des Lebens Alternativen aufzuzeigen und sie auch abseits des Fußballs zu fördern."