Köln - Vor dem richtungsweisenden Champions-League-Heimspiel gegen Zenit St. Petersburg (Mittwoch, ab 20.30 Uhr im Liveticker) muss Bayer 04 Leverkusen nach dem turbulenten 3:3 beim VfB Stuttgart in der Bundesliga Grundsatzdebatten ertragen. Nach einer 3:0-Führung zur Pause sah in Stuttgart am Samstag alles nach einer leichten Trainingseinheit im Hinblick auf die Partie gegen den russischen Spitzenclub aus - doch am Ende stand eine bittere Lehrstunde für die Spieler und Bayer-Trainer Roger Schmidt.

Wieder einmal hatte Bayer eine dominant geführt Partie nicht gewinnen können, diesmal selbst nach einer 3:0-Führung nach 45 Minuten Fußball der "Extraklasse", wie nicht nur Leverkusens Sportchef Rudi Völler bemerkt hatte. Im zweiten Abschnitt ging Bayer aber grandios unter und verlor erneut wichtige Punkte. Die Bilanz nach acht Spielen in der Bundesliga ist dann auch eher ernüchternd, die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag groß in Leverkusen:  Nur drei Spiele wurden gewonnen, nur 13 von 24 Punkten ergattert und das Torverhältnis von 16:14 offenbart eine Disbalance zwischen Offensive und Defensive.

"Die zwei verlorenen Punkte tun weh"

Geht die Mannschaft zu naiv mit ihrer Dominanz um? Schwächt die notorisch auf schnelle Balleroberung ausgelegte Spielweise die Konzentration in entscheidenden Momenten? Woher kommen der Wankelmut und die fehlende Konstanz? Auf diese Fragen wird Trainer Roger Schmidt im Training so schnell keine Lösung finden, das Programm jagt ein Pflichtspiel nach dem anderen bis Weihnachten in den Bayer-Kalender. Durch Gespräche muss er Lösungen finden und in den Spielen versuchen, richtig zu reagieren. Ob Schmidt sich künftig pragmatisch zeigt, um die mangelnde Harmonie im Bayer-Spiel auszugleichen, ist eine spannende Frage.

Rudi Völler bemerkt fehlende "Kaltblütigkeit" im Spiel der Leverkusener und hat nach dem Debakel in der zweiten Halbzeit in Stuttgart zugegeben: "Die zwei verlorenen Punkte tun weh." Trainer Schmidt aber wies Kritik an der kräftezehrenden, offensiven Spielweise zurück. Die Spielweise habe ja auch zu einem 3:0 nach 45 Minuten geführt, so Schmidt. Seine Mannschaft habe in der zweiten Halbzeit in Stuttgart die Basis vermissen lassen: Zweikämpfe zu führen und den Gegner zu attackieren.

Ergebnisse wichtiger als Erlebnisse

In der Champions-League stehen nun also die beiden wichtigen Spiele gegen St. Petersburg auf dem Programm. Auch hier steht Bayer im Heimspiel am Mittwoch unter Siegzwang, nach der unnötigen Niederlage in Monaco und dem Sieg gegen Benfica Lissabon brauchen die Leverkusener in der Champions-League derzeit vor allem Ergebnisse mehr als Erlebnisse. Auswirkungen der bitteren Erfahrung aus Stuttgart auf die Spiele auf internationaler Bühne befürchtet Rudi Völler nicht. Das sei ein anderer Wettbewerb, sagt Völler, und ohnehin: Die Klasse der Mannschaft sei ja trotz des Debakels in Stuttgart offensichtlich.

Hoffnung macht vor allem, dass im defensiven Mittelfeld Lars Bender wohl wieder zur Verfügung steht. Der Nationalspieler hatte in Stuttgart wegen einer Sehnenverletzung im Oberschenkel noch verletzt gefehlt. Mit seiner Wucht ist Bender das wichtigste Regulativ im Bayer-Spiel. Mit einem dauerhaft einsatzbereiten Bender könnte Bayer jene Stabilität bekommen, die es bisher vermissen ließ – am besten schon am Mittwoch gegen Zenit St. Petersburg.

Tobias Schächter