Mainz - Thomas Schaaf war enttäuscht. Nicht zuvorderst über das Ergebnis, das mit 1:3 im Derby gegen den 1. FSV Mainz 05 schon recht deutlich ausfiel. Viel mehr ärgerte den Trainer von Eintracht Frankfurt die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kam. "Es war wie so oft“, analysierte Schaaf: "Viele Dinge waren gut. Aber wieder einmal konnten wir mit einer Führung nicht umgehen und danach den Gegner nicht mehr in Not bringen."

Die Führung von Stefan Aigner in der 35. Minute brachte nicht zu mehr Selbstvertrauen und Sicherheit gegen die aggressiven Mainzer. Nur drei Minuten später kassierten die Frankfurter den Ausgleich und innerhalb von drei Minuten nach dem Wiederanpfiff stand das Endergebnis nach einem Freistoßtor von Johannes Geis (47.) und einem schönen Schlenzer von Yunus Malli (50.) fest. Torwart Kevin Trapp ärgerte sich reichlich frustriert: "Jetzt haben wir den 22. Spieltag und wieder müssen wir uns fragen, warum wir so schnelle Gegentore bekommen."

"Wir treten ein bisschen auf der Stelle"

Mit einem Sieg hätten die Frankfurter Tuchfühlung zu den Europapokalplätzen aufnehmen können, so aber verharren sie im Mittelfeld der Tabelle, die Mainzer sind ihnen bis auf drei Punkte nahegerückt. Dass die bittere Tradition, weiter sieglos die Heimreise nach Spielen in Mainz antreten zu müssen, fortgesetzt wurde, passte zu diesem vermaledeiten Nachmittag der Eintracht in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Trainer Schaaf gab zu: "Wir treten ein bisschen auf der Stelle." Schaaf sei ein bisschen ungeduldig was die Entwicklung der Mannschaft angehe, erklärte er. Aber die Mannschaft befinde sich im Umbruch, das brauche eben auch Zeit: "Manchmal hätte man gerne jetzt und alles am liebsten sofort verpackt und mit Stempel drauf." Aber so geht Fußball nicht. Schaaf kündigte an: "Ich werde die Mannschaft nicht in Ruhe lassen, in keiner Sekunde."

Es gibt ja auch viel zu tun. Nicht nur die schnellen Gegentore nach selbst erzielten Treffern sind ein Problem. Insgesamt bekommt die Eintracht zu viele Gegentreffer (44) – so viele wie keine andere Mannschaft in der Liga. Zwar erzielt die Mannschaft auch die drittmeisten aller Teams (40) – aber wenn Torjäger Alexander Meier (14 Tore) wie am Samstag nicht seinen besten Tag hat, entwickelt die Mannschaft weit weniger Torgefahr.

Jetzt kommt der Hamburger SV

In der zweiten Hälfte in Mainz schoss die Eintracht nicht ein einziges Mal gefährlich auf des Gegners Kasten. Irgendwie ist diese Eintracht in dieser Saison nicht zu greifen: Immer wenn man denkt, sie schafft den großen Sprung, kommt der Rückschlag. Andererseits: Immen wenn man denkt, sie stürzt ab, gelingt ein Erfolg. Um ihre Seele zu finden, muss diese Mannschaft nun mal wieder ein Heimspiel gewinnen, am kommenden Samstag gegen den Hamburger SV.

Dabei können Stürmer Haris Seferovic (5. Gelbe Karte) und Innenverteidiger Carlos Zambrano (Gelb-Rot-Sperre) nicht helfen. Zambrano wurde wegen wiederholten Foulspiels vom Platz gestellt (83.). Nach 40 gelben Karten in 105 Erstligapartien muss der Peruaner seine Spielweise überdenken. Kollege Marco Russ jedenfalls meint: "Wir wissen, dass Carlos zum überharten Spiel neigt. Er muss das in den Griff bekommen, sonst schadet er uns nur." Die Eintracht hat also viele Baustellen, es wird ersatzgeschwächt kein leichtes Spiel gegen den Hamburger SV am kommenden Wochenende.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter