Köln - Nach dem Trainerwechsel vor dem 10. Spieltag und zwei Siegen in Folge war beim SV Werder Bremen schon der ein oder andere der Meinung, dass die Talsohle durchschritten ist. Die Schwierigkeiten von Werder liegen aber tiefer und sind durch einen Trainerwechsel allein nicht zu beheben.

In der Serie "Baustellen der Clubs" nimmt bundesliga.de ausgewählte Bundesligisten unter die Lupe und analysiert anhand von Statistiken Probleme in der Hinrunde und mögliche Lösungen.

1. Problem: Die Abwehrarbeit

Werder Bremen hat ganz eindeutig ein Defensivproblem. Liegen die Hanseaten bei den erzielten Toren mit 26 auf dem 7. Platz im Ligaverleich, sind sie bei den Gegentoren mit 39 kassierten Treffern Letzter. Die Quote der gewonnen Defensivzweikämpfe liegt mit 50 Prozent nur knapp unter dem Liga-Durchschnitt von 52 Prozent.

Ein tieferer Blick zeigt aber, dass die Zweikampfquoten der Innenverteidiger besonders am Boden schwach sind. Alejandro Galvez hat als Spieler mit den meisten Einsätzen eine Quote von 42,2 Prozent am Boden. 

Dazu passt auch, dass Bremen das Team mit den meisten Torschüssen des Gegners im Strafraum ist (155). Das alleine den Verteidigern anzukreiden, greift aber zu kurz. Ein Hinweis auf die Ursache gibt die Grafik mit der Gegentorentstehung (unten). Über die Hälfte (20) der Gegentreffer bekommt Werder durch das Zentrum. So schwer es für alle Bremer Fans sein mag: Die Mittelfeldraute scheint Kern der Schwierigkeiten zu sein.

Die Lösung: Das Zentrum stärken

Im bevorzugten Spielsystem der Bremer besteht das defensive Mittelfeld aus nur einem Sechser, meistens Felix Kroos. Der 23-Jährige spielt solide, ist als einziger Sechser mit einem sehr offensiven Mittelfeldspieler vor ihm oft verloren. Eine Möglichkeit, das Problem zu beheben besteht in der Rückkehr von Philipp Bargfrede, der wegen einer Knie-OP erst drei mal auf dem Platz stand. In einer Doppelsechs mit Kroos könnte die Defensive von Werder stabiler werden.

Die bisherigen Versuche mit Junuzovic - der auf der halblinken Seite bessere Leistungen zeigt -, dem gelernten Innenverteidiger Alejandro Galvez oder dem formschwachen Cedrick Makiadi sind nicht wirklich aussagekräftig.

2. Problem: Die rechte Angriffsseite

Eine weitere Facette der Rauten-Problematik zeigt sich auf der rechten Angriffsseite. Auf der halbrechten Mittelfeldposition spielte bei Werder meist Clemens Fritz. Wie die (beispielhafte) Heatmap des Kapitäns aus dem Spiel gegen Köln zeigt, ist der gelernte rechte Verteidiger wenig am gegnerischen Strafraum zu finden. Im Sinne der oben angesprochenen fehlenden Stabilität durchaus sinnvoll, allerdings wird damit die Offensive über rechts geopfert. 12 Flanken in 13 Spielen (8,3 Prozent angekommen) verdeutlichen den fehlenden Offensivdrang.

Die Lösung: Die Außenbahnen stärken

Auch hier ist eine Umstellung des Systems eine mögliche Lösung. Mit Doppelsechs und zwei klar definierten Außenspielern haben diese ihre Aufgaben klarer in der Offensive. Eine andere Möglichkeit wäre, die Raute modifiziert beizubehalten und die beiden Stürmer - oder zumindest den rechten - stärker über außen kommen zu lassen. Der bisher wenig eingesetzte Izet Hajrovic schlug in 538 Spielminuten 10 Flanken (100 Prozent angekommen), im Vergleich zu Clemens Fritz (1.128 Spielminuten) ist er in der Offensive wesentlich aktiver. Da er defensiv aber schwächer ist (38,1 % gewonnene Zweikämpfe, Fritz 56,6 %) bekommt der Kapitän meist den Vorzug.

 

3. Problem: Pässe, Spielanteile und Konter

Schwache Werte, die nicht nur mit der Raute zu erklären sind, hat Werder im Bezug auf Pässe, Spielanteile und Konter. Diese drei Statistiken werden hier als ein Punkt genannt, da sie gegenseitige Wechselwirkungen zeigen. Spielanteile von nur 45 Prozent (Platz 16 der Bundesliga) sind an sich noch kein Problem, wenn sie Grundlage einer guten Kontertaktik sind.

Da Werder aber nur 15 Torschüsse nach Kontern (ebenfalls Platz 16) zu verzeichnen hat, funktioniert diese offenbar nicht. Eine mögliche Erklärung liefert die Passquote. Werder ist mit fast einem Drittel an Fehlpässen (68 Prozent Passquote) das schlechteste Team in dieser Kategorie.

Das verhindert natürlich schnelle, präzise Konter und führt eher dazu, dass die eigene Defensive schnell wieder gefordert ist. Und darüber hinaus auch nicht die Möglichkeit bekommt, das Angriffsspiel zu unterstützen.

Die Lösung: Klare Spielphilosophie mit passstarken Spielern

Wenn Werder auf eine Kontertaktik setzt, - was angesichts der Situation als probates Mittel erscheint - muss die Passgenauigkeit besser werden. Hohe Fehlpassquoten entstehen häufig durch hohes Risiko oder mangelnde Automatismen.

Da Viktor Skripnik die Sommervorbereitung nicht leitete, kann er in der Winterpause seine Philosophie stärker verankern. Auch hier könnte möglicherweise ein stärkeres Zentrum vieles vereinfachen. An sich wäre auch die Möglichkeit, einen erfahrenen Aufbauspieler zu holen, eine Lösung des Problems. Das ist angesichts des Bremer Sparkurses aber unwahrscheinlich. Mit etwas Glück ist Philipp Bargfrede aber der Mann, der die Probleme der Bremer zu großen Teilen lindern kann.

Sebastian Stenzel, Daten: Tobias Anding