Dortmund - Viel zu sehen gibt es wohl nicht. Wenn am Donnerstag die nächste öffentliche Trainingseinheit von Borussia Dortmund ansteht, wird das Spieler-Grüppchen, das Trainer Jürgen Klopp um sich schart, eine überschaubare Größe haben. An sich ist das während eines Länderspielwochenendes nichts Ungewöhnliches beim BVB, doch weil ein Großteil der Profis verletzungsbedingt fehlt, dürfte sich dieses Bild auch in der kommenden Woche nur unwesentlich ändern. Unabhängig davon, wie die Nationalspieler ihre Einsätze in den kommenden Tagen verkraften, ist Klopp gegen Hannover 96 gezwungen zu improvisieren.

Die Verletztenliste umfasst nahezu eine komplette Elf. Marcel Schmelzer (Faserriss im Oberschenkel), Nuri Sahin (Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk), Sebastian Kehl (Bänderriss im Sprunggelenk), Lukasz Piszczek (Hüft-OP) und Ilkay Gündogan (gestauchte Wirbelsäule) sind gegen Hannover ebenso wenig eine Option wie der rotgesperrte Mats Hummels, der momentan als einziger BVB-Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft weilt.

Kirch der einzig gesunde Sechser



Marco Reus (Anriss des Innenbandes im linken Sprunggelenk) und Sven Bender (Muskelverhärtung im Adduktorenbereich) mussten Bundestrainer Joachim Löw Anfang der Woche absagen. Für beide beginnt im Hinblick auf den kommenden Spieltag ein Wettlauf gegen die Uhr. Klopp bezeichnete Benders Verletzung als "so etwas wie eine Ganzkörperprellung" und hofft auf eine rechtzeitige Genesung. Auch für Sokratis (Zerrung im Adduktorenbereich) und Jonas Hofmann (Sehnenscheidenentzündung im Knie) wird es knapp.

"Es kommt viel zusammen im Moment", sagte Sportdirektor Michael Zorc der Nachrichtenagentur "dpa". Vor allem im defensiven Mittelfeld drückt der Schuh. Mit Oliver Kirch steht derzeit nur ein gesunder Sechser im Profikader. In dieser Saison absolvierte der Ex-Lauterer gerade einmal 45 Bundesliga-Minuten. Gegen Freiburg ersetzte der 31-Jährige eine Halbzeit lang Bender auf der Sechs neben Sahin.

Routinier vor Bundesliga-Debüt - Youngster mit guten Chancen



Aus der zweiten Mannschaft könnte ein zweitligaerfahrener Routinier so zu seinem unverhofften Bundesligadebüt kommen: David Solga. Der 30 Jahre alte, defensive Mittelfeldspieler kehrte in der Sommerpause zu seinen Wurzeln zurück. Von 2003 bis 2007 spielte der gebürtige Dortmunder bereits für die zweite Mannschaft des BVB, ehe er sein Glück bei Wacker Burghausen und Dynamo Dresden versuchte.

Möglich auch, dass Mustafa Amini in den Profikader aufrückt. Der 20 Jahre alte Australier mit der auffälligen roten Haarpracht kommt beim BVB II sowohl im offensiven als auch im defensiven Mittelfeld zum Zug. In der vergangenen Saison stand Amini immerhin einmal im Profikader des BVB - beim letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Manchester City.

Auch im Abwehrzentrum könnte es eng werden, sollte Sokratis nicht rechtzeitig fit werden. Als Alternative steht Klopp Nachwuchsspieler Koray Günter zur Verfügung. Der 19 Jahre alte Innenverteidiger feierte mit seiner Einwechslung kurz vor Schluss in Mönchengladbach sein Bundesliga-Debüt. Zuvor gehörte er bereits beim 1:1 in Nürnberg zum Kader des BVB, kam damals aber nicht zum Zug. Nun winkt dem 1,85 Meter großen U-20-Nationalspieler sein Startelf-Debüt. Ein weiterer Kandidat aus dem eigenen Stall ist hingegen keine Alternative: Der 18 Jahre alte Innenverteidiger Marian Sarr laboriert seit Mitte September an einem Zehenbruch.

Notgedrungene Systemumstellung



Aufgrund des Notstands im defensiven Mittelfeld ist eine Systemumstellung ebenfalls denkbar. Statt in der angestammten 4-2-3-1-Formation könnte Klopp seine Kicker in einer 4-1-4-1-Grundordnung aufs Feld schicken. Als Sechser kommen entweder Bender oder Kirch infrage. Vielleicht käme der zu Saisonbeginn erfolgreich zum Verteidiger umgeschulte Kevin Großkreutz aufgrund seiner Flexibilität ebenfalls als defensiver Mittelfeldspieler in Betracht.

Im Mittelfeld könnte Pierre-Emerick Aubameyang anstelle des angeschlagenen Reus über den linken Flügel kommen - Jakub Blaszczykowski würde demnach die rechte Außenbahn beackern. Sollte Hofmann seine Sehnenscheidenentzündung rechtzeitig auskuriert haben, wäre auch er ein Kandidat für den Flügel, wenn "Kuba" eher zentraler benötigt wird.

Und falls alle Stricke reißen, hätte Klopp noch eine weitere Alternative für die Außenverteidiger-Position: Dominik Nothnagel. Trotz seines Namens ist ein Einsatz des 18 Jahre jungen Nachwuchskickers gegen Hannover jedoch eher unwahrscheinlich.

Maximilian Lotz