Wolfsburg - Es läuft die 90.Minute im Duell des VfL Wolfsburg gegen Borussia Dortmund. Wolfsburg liegt erstmals in der aktuellen Saison im eigenen Stadion zurück. Die Gäste aus Dortmund führen 1:0 und viele der mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Volkswagen Arena haben das Spiel bereits abgehakt. An der Seitenlinie zeigt der vierte Offizielle Knut Kircher die Nachspielzeit an, von links dringt André Schürrle in der Dortmunder Strafraum ein - und wird gefoult.

Schiedsrichter Tobias Stieler zeigt auf den Punkt. Die von Kircher angezeigten drei Minuten Nachspielzeit laufen bereits, als Ricardo Rodriguez seinem Schweizer Nationalmannschaftskollegen Roman Bürki keine Chance lässt und den Strafstoß zum 1:1 verwandelt.

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Die Feier von VfL-Sportdirektor, der an diesem Samstagabend seinen 59. Geburtstag "natürlich am liebsten mit einem Dreier" feiern möchte, scheint ebenso ein wenig gerettet wie die Jubiläen von Dieter Hecking, der zum 100. Mal in der Bundesliga auf der Wölfe-Bank Platz nahm und von Diego Benaglio, der gegen den BVB mit 236 Bundesliga-Einsätzen im Wölfe-Dress zum alleinigen Rekordspieler aufstieg.

Doch nur 118 Sekunden nach dem Ausgleich trifft Shinji Kagawa zum 2:1-Sieg für die Gäste und verdirbt den Wölfen nach 29 Heimspielen in der Bundesliga ohne Niederlage die Feierlichkeiten. Bas Dost spricht im Interview über die turbulente Schlussphase, das Ende der starken Serie und den Endspurt bis Weihnachten.

"Müssen eine neue Serie starten"

Frage: Herr Dost, 1:2 im Spitzenspiel gegen Dortmund. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Bas Dost: Dortmund hat uns von Beginn an enorm unter Druck gesetzt und ist verdient in Führung gegangen. Nach 30, 40 Minuten konnten wir uns dann befreien. In der zweiten Halbzeit haben wir dann gezeigt, was wir können und wir uns vorgenommen hatten. Einen Punkt hätten wir auf jeden Fall verdient gehabt.

Frage: Nach 29 Partien hat der VfL mal wieder ein Bundesliga-Spiel in der Volkswagen Arena verloren. Wie bitter ist die Niederlage?

Dost: 29 Spiele sind eine Hausnummer, eine Zahl auf die man stolz sein kann, aber das ist jetzt Vergangenheit. Jetzt heißt es nach vorn schauen und eine neue Serie zu starten.

Frage: Sie haben nicht von Beginn an gespielt. Waren Sie überrascht?

Dost: Ja, es hat mich schon überrascht, denn ich hatte das Gefühl, dass ich gut drauf bin. Aber wir haben einen guten Kader und durch die Englischen Wochen eine hohe Belastung. Da muss jeder mal pausieren. Diesmal hat es mich erwischt.

Frage: Sie selbst hatten die Riesenchance zum Ausgleich, scheitern gleich zweimal an Bürki. Hätten Sie da abspielen müssen? In der Mitte waren Julian Draxler und Max Kruse mitgelaufen...

Dost: Nein, da muss ich nicht abspielen. Das war eine klare Torchance. Ich habe den Ball mit dem Innenspann gespielt. Da hätte ich voll draufhalten müssen. Keine Frage, den muss ich machen.

"Die letzten Spiele gewinnen"

Frage: Zwei Spieltage vor der Winterpause ist der VfL nun Fünfter mit 25 Punkten. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Dost: Da liegen wir ein wenig hinter unseren Erwartungen zurück. Wir haben, gerade auswärts, den einen oder anderen Punkt liegen lassen. Platz 5 ist zu wenig, denn wir wollen auch in der kommenden Saison in der Champions League spielen. Wir müssen jetzt die letzten beiden Spiele (gegen den HSV und in Stuttgart, Anm. d. Red.) gewinnen. Dann haben wir 31 Punkte und können doch noch in aller Ruhe Weihnachten feiern.

Frage: Zu schönen Feiertagen würde auch ein Überwintern in der Champions League beitragen. Am Dienstag kommt Manchester United nach Wolfsburg. Da würde ein Unentschieden genügen, um in die K.o.-Runde einzuziehen...

Dost: Du kannst in der Champions League nicht auf Unentschieden spielen. Schon gar nicht gegen eine Mannschaft wie Manchester United, die gewinnen muss, um sicher weiter zu sein.

Frage: Also wird der VfL auf Sieg spielen?

Dost: Richtig. Wir wollen das Spiel gewinnen und als Gruppensieger in die K.o.-Runde einziehen. Dass wir ManU schlagen können, haben wir beim Hinspiel in Manchester bewiesen. Da haben wir unglücklich verloren. Dass ManU gewinnen muss, ist neben dem Heimvorteil ein weiterer kleiner Vorteil für uns. Wir freuen uns auf die Partie.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs