London - Die nahezu perfekte Spielkunst des FC Barcelona hat einen rauschenden Sieg über die Fußball-Arbeiter von Manchester United gefeiert. Der spanische Meister um die überragenden Ball-Artisten Lionel Messi, Xavi und Andres Iniesta erteilte im Finale der Champions League den Engländern eine Lehrstunde und sicherte sich im Londoner Wembley-Stadion mit einem hochverdienten 3:1 (1:1) zum vierten Mal die begehrteste Vereins-Trophäe.

Während Barca mit seinem elften Europapokal-Triumph die Bestmarke des Erzrivalen Real Madrid egalisierte, verpasste Englands Rekordmeister die ersehnte Revanche für die 0:2-Pleite vor zwei Jahren in Rom.

Manchester mit gutem Beginn

In einer packenden und hochklassigen Begegnung brachte Pedro Rodriguez das favorisierte Barca mit seinem fünften Tor im laufenden Wettbewerb in Führung (27.). Wayne Rooney glückte der Ausgleich für Manchester (34.), Weltfußballer Messi sorgte für die erneute Barca-Führung (54.), ehe David Villa den Schlusspunkt setzte (69.).

Die beiden Fan-Lager gaben ihren Mannschaften beim Einlaufen mit Choreographien die Spielidee mit auf den Weg. "We love Football", stand quer über dem Block der Katalanen, Manchester sollte mit dem "Spirit of '68", dem Geist des in Wembley errungenen ersten Europacup-Triumphes, dagegenhalten. Die Mannschaft von Teammanager Alex Ferguson begann entsprechend engagiert. Wer erwartet hatte, dass United Barcas hypnotisches Passspiel mit einem Bollwerk in der Defensive begegnen würde, sah sich getäuscht.

Wie im Endspiel 2009 dominierte Manchester die ersten zehn Minuten. Schnell, aggressiv, typisch britisch - und dabei immer wieder einen Schritt eher am Ball als Messi und Co. Bezeichnend, dass sich Barcas Torwart Victor Valdes einmal nicht anders zu helfen wusste, als den Ball mangels Anspielstation ins Aus zu schießen. In der achten Minute verhinderte das beherzte Eingreifen des Keepers nach einem weiten Pass seines Gegenübers Edwin van der Sar auf Rooney den möglichen Rückstand.

Xavi leitet das 1:0 ein

Doch wie vor zwei Jahren in der ewigen Stadt kam auch in der Kathedrale des englischen Fußballs bald Barca stärker auf. Nach einer Hereingabe von Xavi, der Barcas Kapitänsbinde für den angeschlagenen, zunächst auf der Bank sitzenden Carles Puyol trug, stocherte Pedro den Ball aus fünf Metern knapp vorbei, Rio Ferdinand hatte den Linksaußen ziehen lassen (16.). Wieder Xavi bereitete die nächste Chance mit einem Pass auf David Villa an den Strafraum vor, doch der Stürmer verfehlte ebenfalls das Tor (20.). Kurz darauf scheiterte Villa an van der Sar, der das letzte Spiel seiner Karriere bestritt.

Doch beim 1:0 für Barcelona war auch der 40 Jahre alte Klassekeeper ohne Chance: Ein wunderschöner, von Xavi mit dem Außenrist gestreichelter Pass fand Pedro, der schneller am Ball war als United-Kapitän Nemanja Vidic und eiskalt vollstreckte. Doch Manchester sammelte sich bald wieder. Nach einem Doppelpass mit Ryan Giggs erzielte Rooney aus rund zehn Metern mit dem ersten Torschuss das 1:1. Giggs stand bei Rooneys Pass aber leicht im Abseits.

Messi stellt van Nistelrooy Rekord ein

In seinem letzten Spiel hielt Manchesters Torwart Edwin van der Sar die Engländer zunächst im Rennen und rettete in höchster Not gegen Dani Alves (52.). Kurz darauf hatte der Niederländer bei Messis Traumtor aber erneut das Nachsehen: Der Weltfußballer nahm kurz vor der Strafraumgrenze Tempo auf und traf mit einem trockenen Linksschuss ins rechte Eck. Für den 23 Jahre alten Weltfußballer war es der zwölfte Treffer im laufenden Wettbewerb. Damit stellte er die Bestmarke der United-Legende Ruud van Nistelrooy aus der Saison 2002/03 ein.

In der Schlussphase drehte der unwiderstehliche Messi weiter auf, stellte im Zusammenspiel mit den kongenialen Xavi und Iniesta Manchesters Abwehr um die Hünen Nemanja Vidic und Rio Ferdinand ein ums andere Mal vor unlösbare Probleme. Das 3:1 durch David Villa war die logische Konsequenz. Messi dribbelte sich im Strafraum Uniteds fest, doch der Ball gelangte zu Sergio Busquets, der auf Villa zurücklegte. Villa hatte 18 Meter vor dem Tor sogar noch Zeit, sich den Ball selbst vorzulegen - und schlenzte ihn in die rechte obere Torecke. Van der Sar hatten es die Engländer zu verdanken, dass der Traum vom Titel nicht in einem völligen Albtraum endete.