Nach dem 2:0-Erfolg in der Europa League gegen Rapid Wien sollte es drei Tage später so weit sein: Endlich wieder ein Dreier in der Bundesliga. Doch der Hamburger SV kam im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim am vergangenen Wochenende nicht über ein 0:0 hinaus und wartet nun seit sieben Spielen auf einen Sieg in der Bundesliga.

Kapitän Joris Mathijsen hofft jetzt auf die Wende. "Wir müssen den Trend nun schleunigst ändern", fordert der Niederländer. Und auch sein Partner in der Innenverteidigung, Jerome Boateng, weiß: "Gemessen an unseren Ansprüchen sind sieben Spiele ohne Sieg einfach zu viel!"

Mathijsen rechnet vor

Für die Hamburger müssen dringend Erfolge her, wollen sie den Anschluss an die Spitze nicht ganz verlieren. Zum Abschluss der Hinrunde kommt es zum Derby gegen den Erzrivalen Werder Bremen. Zuvor muss der HSV aber beim abstiegsbedrohten 1. FC Nürnberg ran. "Bis zur Winterpause sind noch sechs Zähler möglich. Wenn wir die auch holen, dann sind wir wieder ganz vorne mit dabei."

Doch woran liegt es, dass der HSV so unter Zugzwang geraten ist? Bislang wollten Spieler und Verantwortliche die hohen Belastungen der vielen Spiele und die großen Verletzungssorgen nicht als Entschuldigung gelten lassen. Doch so langsam müssen sie das Offensichtliche akzeptieren. Wenn auch nur unter Vorbehalt.

Nachteil gegen die Top-Teams

"Es ist ganz normal, dass gerade im Torabschluss etwas fehlt. So viel Potenzial, wie wir ersetzen müssen - das schaffen nicht viele", erklärt Trainer Bruno Labbadia die Not nach den Ausfällen der beiden Toptorjäger Mladen Petric - der inzwischen wieder dem Ball nachjagt - und Paolo Guerrero.

Dazwischen fielen auch die Angreifer Eljero Elia, Tunay Torun, Jonathan Pitroipa und Tolgay Ali Arslan immer wieder aus, so dass eigentlich nur Marcus Berg eine Konstante im Sturm war. Bei dem Schweden machten sich die hohen Belastungen der vielen Spiele dann jedoch schnell bemerkbar.

Ein Substanzverlust, den Kapitän David Jarolim auch beim Rest des Teams erkannt hat. "Ein Kraftabfall ist deutlich spürbar. Wir können ja auch nicht wirklich viel wechseln, weil wir so viele Ausfälle zu beklagen haben", sagt der Tscheche und ergänzt: "Dieser Unterschied wird deutlich, wenn du gegen Mannschaften wie Leverkusen oder Hoffenheim spielst. Die haben ähnlich starke Kader, aber deutlich geringere Belastungen. Das ist ein ganz klarer Vorteil für die."

Rincon springt in die Bresche

Da hilft die neuerliche Nachricht zum Krankenstand von Ze Roberto auch nicht, positiv in die Zukunft zu blicken. Denn der Brasilianer fällt nach einer Knöchel-OP noch bis ins neue Jahr aus. Ein Einsatz zum Rückrundenstart ist äußerst fraglich.

Nur gut, dass mit Tomas Rincon ein Spieler aus der zweiten Reihe in die Bresche gesprungen ist. Der Venezolaner hat die vergangenen zwei Spiele im defensiven Mittelfeld viel geackert und gekämpft. Sein Ende Dezember auslaufender Leihvertrag soll wohl verlängert werden. Rincon ist sich auf jeden Fall sicher: "Ich bin nach Silvester wieder in Hamburg."

Labbadia zuversichtlich

Jetzt muss er aber erst einmal mithelfen, dass der HSV weiter in der Spitzengruppe der Liga mitmischt. Denn trotz der anhaltenden Siegesflaute haben die Hamburger lediglich sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Leverkusen.

"Wir hätten ja nur zwei der letzten Spiele gewinnen müssen, dann wären wir jetzt ganz vorn. Da sieht man, welch sensationelle Ausgangsposition wir hatten", hadert Labbadia mit den Ergebnissen der vergangenen Wochen. Er richtet den Blick nun aber erwartungsvoll auf die beiden letzten Spiele des Jahres: "Wir wollen das Optimum herausholen!"

Michael Reis