Deutschlands Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack und Trainer Guus Hiddink bremsen die Euphorie und warnen vor Nachlässigkeiten. Trotz der komfortablen Ausgangsposition vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag gegen den FC Liverpool nimmt der FC Chelsea die vermeintliche Pflichtaufgabe bei der Jagd nach Europas Fußball-Krone nicht auf die leichte Schulter.

3:1 gewannen die Londoner vergangenen Mittwoch den ersten Vergleich an der Anfield Road, der Respekt vor den "Reds" ist dennoch ungebrochen.

Bolten hat's vorgemacht

"Wir haben zwar alle Trümpfe in der Hand, müssen aber voll konzentriert sein und hart arbeiten, um ins Halbfinale einzuziehen", meint Ballack und Hiddink ergänzt: "Wir müssen sehr vorsichtig sein. Das sagen wir nicht nur aus Höflichkeit. Natürlich sind wir in einer guten Position, aber wir dürfen nicht davon ausgehen, die nächste Runde leicht zu erreichen. Wenn wir dies machen, haben wir schon vor dem Anpfiff verloren."

Zumal das Mittelklasse-Team der Bolton Wanderers Liverpool am Wochenende vormachte, wie man drei Tore an der Stamford Bridge erzielt - und das auch noch binnen acht Minuten.

Chelsea führte zu diesem Zeitpunkt zwar bereits 4:0 und gewann die Partie am Ende 4: 3, ein Weckruf zur rechten Zeit dürfte dies für die "Blues" jedoch allemal gewesen sein.

Liverpooler Torfabrik

"Liverpool hat eine große Mannschaft, die in den vergangenen Partien regelmäßig viermal getroffen hat", warnt Ballack, der gegen Bolton sein erstes Premier-League-Tor der Saison erzielte, und schickt dennoch optimistisch hinterher: "Aber wir spielen zu Hause und sind sehr stark."

Tatsächlich entwickelte sich Liverpools Team zuletzt zu einer Tormaschine. Insgesamt 14 Mal traf der englische Rekordmeister in den vergangenen vier Punktspielen ins Schwarze.

Selbst bei Champions-League-Titelverteidiger und Premier-League-Spitzenreiter Manchester United gelang vor vier Wochen ein 4:1-Erfolg - ein solches Ergebnis würde auch gegen Chelsea zum Weiterkommen reichen. Folgerichtig hat man den Halbfinal-Einzug an der Merseyside noch nicht abgeschrieben.

Ein Kapitän raus, der andrere rein

"Wir haben unser Selbstvertrauen auch nach der Niederlage aus dem Hinspiel nicht verloren. Das Spiel in Manchester hat bewiesen, wozu wir in der Lage sind", sagt Liverpools Starstürmer Fernando Torres und sein spanischer Nationalmannschaftskollege Xabi Alonso fügt hinzu: "Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, aber wir haben noch Hoffnung."

Zumal Chelsea seinen gelbgesperrten Abwehrchef John Terry ersetzen muss und Liverpool wohl wieder auf seinen zuletzt angeschlagenen Mannschaftskapitän Steven Gerrard zurückgreifen kann.

Bleibt Hiddink beim Weiterkommen länger?

Außerdem haben die "Reds" gegen die "Blues" unabhängig von der Pleite aus dem Hinspiel noch etwas gutzumachen. Im vergangenen Jahr waren die Londoner im Champions-League-Halbfinale Endstation für Liverpool.

Sollte es auch am Dienstag, wenn sich die beiden Clubs in der "Königsklasse" zum zehnten Mal seit 2005 gegenüberstehen, so kommen, würden bei Chelsea die Rufe nach einem Verbleib von Hiddink über das Saisonende hinaus noch lauter werden.

Der niederländische Übergangscoach, der auch die russische Nationalmannschaft betreut, hatte im Februar den entlassenen Luiz Felipe Scolari ersetzt, ein langfristiges Engagement bei Chelsea jedoch abgelehnt. Auch der zuletzt als künftiger Coach des englischen Hauptstadclubs gehandelte Carlo Ancelotti weist eine Übernahme des Jobs entschieden zurück. "Ich schließe einen Wechsel kategorisch aus", sagt der Italiener, der derzeit den AC Mailand trainiert.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Chelsea: Cech - Ivanovic, Alex, Carvalho, Ashley Cole - Ballack, Essien, Lampard - Kalou, Drogba, Malouda

Liverpool: Reina - Arbeloa, Skrtel, Carragher, Aurelio - Alonso, Mascherano - Kuyt, Gerrard, Riera - Torres