München - Drei Themen bestimmen das Sportgeschehen im Juni. Während die Bundesliga Sommerpause macht, feiert Deutschlands Ausnahmebasketballer und Fußballfan Dirk Nowitzki mit seinem Verein Dallas Mavericks den Gewinn der amerikanischen NBA-Meisterschaft. Euphorie herrscht auch rund um die Frauenfußball-WM, die erstmals in Deutschland ausgetragen wird. Weit weniger Freude kommt dagegen bei der öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw auf.

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft auch noch die beiden letzten EM-Qualifkationsspiele in Österreich (2:1) und Aserbaidschan (3:1) gewonnen hat, erklärt Joachim Löw die Länderspielkarriere seines langjährigen Kapitäns Michael Ballack für beendet. Löw beharrt darauf, mit Ballack in offenen und ehrlichen Gesprächen bereits im März die neue, nach der erfolgreichen WM 2010 entstandene Situation besprochen zu haben. Das Ergebnis wird auf dem Homepage des DFB veröffentlicht: "Michael Ballack wird künftig nicht mehr dem Kader der deutschen Nationalmannschaft angehören."

Ballack widerspricht Löw

Michael Ballack widerspricht der Darstellung des Bundestrainers energisch, gibt sich "überrascht" und "enttäuscht" und spricht auch von "Scheinheiligkeit" und einer "Farce". Das Angebot des DFB, im August im Länderspiel gegen Brasilien seine Abschiedsvorstellung für Deutschland zu geben, lehnt er brüsk ab.

Es geht dann noch ein paar Tage hin und her, Vermittlungsversuche scheitern und am Ende gibt es keinen Gewinner. Alle Parteien haben Schaden genommen. Dem Bundestrainer ist es wie schon zuvor im Fall von Torsten Frings nicht gelungen, einem verdienten Nationalspieler einen angemessenen und würdevollen Abgang zu ermöglichen. Und Michael Ballack hat die Zeichen der Zeit selbst nicht erkannt und in seiner gekränkten Eitelkeit durch seinen rüden Konfrontationskurs auch viele Sympathien eingebüßt.

All das ist wirklich schade, denn die Nationalmannschaft hat in der Saison nach der überragenden WM wieder großen Spaß gemacht, acht von zwölf Länderspielen, darunter alle sechs Qualifikationsspielen, gewonnen und nur eins verloren. Beim vorletzten Spiel in Wien gegen Österreich gelingt es Mario Gomez zudem eindrucksvoll, die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben.

Gomez' Jubel kennt keine Grenzen

An der Stätte, an der er drei Jahre zuvor seinen Tiefpunkt erlebte, als er bei der EM 2008 gegen Österreich einen Ball aus kürzester Entfernung nicht im Tor unterbringen konnte, bewahrt der Mittelstürmer die Nationalelf vor einem überraschenden Punktverlust. Mario Gomez trifft doppelt und erzielt in der letzten Minute des Spiels den 2:1-Siegtreffer. Danach kennt sein Jubel keine Grenzen mehr. Er reißt sich das Nationaltrikot vom Leibe, das in den vergangenen Jahren eher eine Belastung zu sein schien.

Es war die Saison des Mario Gomez. Mit seinen 28 Toren wurde er Bundesliga-Torschützenkönig, sieben Mal traf er für Deutschland, acht "Buden" gelangen ihm in der Champions Leage und drei im DFB-Pokal. Gomez belegt damit den dritten Platz in der weltweiten Rangliste der Torjäger hinter Cristiano Ronaldo, der 40 Ligatore für Real Madrid geschossen hatte, und Lionel Messi vom FC Barcelona.

Ansonsten ist der Juni traditionell der Monat der Transfers. Die Manager aller Profivereine basteln mit Hochdruck an den Mannschaftskadern für die kommende Spielzeit. Viele Wechsel sind noch nicht spruchreif, der Poker um die besten Spieler und Konditionen läuft auf Hochtouren.

Neuer und Boateng wechseln zu den Bayern

Bayern München verpflichtet Manuel Neuer und wird sich mit Jerome Boateng einig, Miroslav Klose wechselt zu Lazio Rom. Markus Rosenberg kehrt zurück zu Werder Bremen, der HSV verpflichtet mit Michael Mancienne, Gökhan Töre, Jeffrey Bruma und Jacopo Sala gleich eine Handvoll Spieler des FC Chelsea, Markus Feulner wechselt von Dortmund nach Nürnberg, Ivan Perisisc wird von Borussia Dortmund geholt. Grafite verlässt Wolfsburg, Schalkes Christian Pander zieht es nach Hannover, den Mainzer Christian Fuchs nach Schalke. Und so weiter und so fort. Fast täglich gibt es weitere Vollzugsmeldungen.

Fußball gespielt wird auch noch. Die Jugendmeister werden gekürt. Bei den B-Junioren sichert sich der 1. FC Köln mit einem 3:2-Sieg in Bremen den Titel. Die A-Jugendmeisterschaft geht an den VfL Wolfsburg, der sich mit 4:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern durchsetzt.

In Brasilien macht es der Verband vor, wie ein Ausnahmekicker würdevoll verabschiedet wird. Ronaldo darf vier Monate nach seinem Rücktritt noch eine umjubelte Viertelstunde beim offiziellen Länderspiel der Selecao gegen Rumänien ein letztes Mal dem Ball hinterherjagen. Ein Tor gelingt dem zweimaligen Weltmeister beim 1:0-Erfolg Brasiliens jedoch nicht. Es ist sein 98. Länderspiel, übrigens genauso viele, wie Michael Ballack absolviert hat...

Die Frauenfußball-WM in Deutschland läuft sehr vielversprechend an. Die deutsche Mannschaft gewinnt ihr erstes Spiel im ausverkauften Berliner Olympiastadion vor 73.680 Zuschauern gegen Kanada mit 2:1.


Das Spiel des Monats: Österreich - Deutschland 1:2

Im vorletzten Länderspiel der Saison bekommt es Deutschland in Wien mit dem Nachbarn Österreich zu tun. In der ersten Spielhälfte liefert die Nationalelf noch ein passables Spiel ab. Bayern-Stürmer Mario Gomez gelingt kurz vor der Pause der deutsche Führungstreffer. Alles läuft auf einen standesgemäßen Sieg hinaus.

Doch im zweiten Durchgang ist die Souveränität der Löw-Elf plötzlich weg. Arne Friedrich unterläuft in der 50. Minute ein Eigentor. Danach wackelt Deutschland bedenklich. Doch der Alpenrepublik fehlt ein Vollstrecker, wie ihn Deutschland in Person vom Gomez besitzt. In der 90. Minute gelingt dem 25-Jährigen per Kopf der glückliche Siegtreffer.

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2011 im Überblick