Köln - Hertha BSC mischt in dieser Saison die Bundesliga auf. Die Berliner stehen nach zwölf Spieltagen überraschend auf Platz 4 - noch vor Top-Teams wie Schalke 04, Borussia Mönchengladbach oder Bayer 04 Leverkusen. Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Hertha-Stürmer Axel Kruse über die Entwicklung des Hauptstadtclubs, die Ursachen des Erfolgs und Trainer Pal Dardai.

bundesliga.de: Herr Kruse, sind Sie überrascht von der positiven Entwicklung, die Hertha BSC in dieser Saison genommen hat?

Axel Kruse: Ich glaube, jeder ist überrascht, dass es so gut läuft. Platz 4 nach zwölf Spieltagen ist sehr überraschend. Aber daran sieht man, wie schnell man oben mit dabei ist, wenn man sich gezielt verstärkt und wenn man in einen Lauf kommt. An der Spitze spielen der FC Bayern München und Borussia Dortmund in einer eigenen Liga, dahinter kann jeder jeden schlagen.

bundesliga.de: Kann Hertha BSC ähnlich wie der FC Augsburg im Vorjahr das Überraschungsteam der Saison werden?

Kruse: Theoretisch schon. 20 Punkte nach zwölf Spieltagen sind schon eine gute Ausbeute. Aber es wird auch sicher noch Rückschläge geben. Ich glaube nicht, dass Hertha schon so stabil ist. Wenn die Berliner am Ende 42 oder 43 Punkte holen würden, wäre das schon eine überragende Saison.

"Weiser ist bereits überragend"

bundesliga.de: Was macht die Hertha in dieser Saison besonders gut?

Kruse: Die Siege, die sie eingefahren haben, waren kein Zufall. Sie spielen einen sehr guten Fußball aus einer sehr guten Spieleröffnung heraus. Die Mannschaft ist sehr laufstark, speziell Per Skjelbred und Vladimir Darida, die zu den laufstärksten Spielern der Bundesliga zählen. Vorne knipst Salomon Kalou die Dinger. Und man hätte auch nicht gedacht, dass Mitchell Weiser so gut einschlägt. Mit seinen 21 Jahren ist er bereits überragend. Im Moment passt alles wunderbar.

bundesliga.de: Nicht zu vergessen Vedad Ibisevic, der auch schon vier Tore erzielt hat. Mit Kalou hat er elf der 17 Hertha-Tore gemacht. Wie schätzen Sie als ehemaliger Stürmer das Sturmduo an?

Kruse: Kalou musste in der letzten Saison den klassischen Mittelstürmer spielen. Das ist aber nicht seine Position, das liegt ihm nicht. Jetzt haben sie Ibisevic in der Spitze. Kalou kann um ihn herum wirbeln. Er muss in Bewegung sein, dann ist er sehr gefährlich. Ibisevic hat über die Jahre bewiesen, dass er knipsen kann.

"Die Leute sind happy"

bundesliga.de: Mit Pal Dardai haben Sie noch selbst zusammengespielt. Welchen Eindruck haben Sie vom Hertha-Trainer?

Kruse: Er kennt sich im Verein sehr gut aus, er ist ja schon viele Jahre dabei. Er kennt die Spieler. Pal Dardai ist noch ein junger, hungriger Trainer. Das merkt man. Er ist sehr akribisch in seiner ganzen Arbeit. Das könnte nicht nur in diesem Jahr sehr gut passen, sondern auch längerfristig.

bundesliga.de: Wie erleben Sie die Stimmung in Berlin? Macht sich langsam Euphorie breit?

Kruse: Im Stadion sind die Leute begeistert. Im letzten Jahr waren die Heimspiele noch ziemlich zäh. Es gab wenig Action. In dieser Saison sehen die Zuschauer guten Fußball. Selbst nach der 1:4-Niederlage gegen Mönchengladbach waren die Fans nicht sauer. Gladbach war einfach besser. In der Stadt spüre ich jetzt keine besondere Euphorie, aber die Leute sind happy. Die Ergebnisse sind gut und der Fußball ist es auch.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski