Für drei Wochen zum Schüleraustausch auf die Insel? Kinderkram, dachte sich Thomas Hitzlsperger und packte zur Saison 2000/01 seine sieben Sachen, um beim englischen Premier-League-Club Aston Villa anzuheuern. 18 Jahre war der gebürtige Bayer damals alt - bereit, um in die Welt hinaus zu ziehen und sein Glück in England zu versuchen.

Beim Aston Villa Football Club in Birmingham biss sich der Mittelfeldspieler durch und brachte es in fünf Jahren schließlich auf 99 Spiele und acht Tore in der englischen Topliga. Aufgrund seines starken linken Fußes statteten ihn die Engländer mit dem bis heute gültigen Spitznamen "The Hammer" aus.

Die Nachrichten über seine guten Leistungen schwappten über den Kanal auch nach Deutschland, der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann verschaffte ihm am 9. Oktober 2004 in Teheran sein erstes Länderspiel gegen den Iran. Zur Saison 2005/06 wechselte "Hitz" zum VfB Stuttgart, wo er inzwischen zum Kapitän aufgestiegen ist. Auch in der Nationalmannschaft ist der 26-Jährige unter Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw zu einer festen Größe herangereift.

Grund genug für bundesliga.de, Wissenswertes über Thomas Hitzlsperger - auch abseits des Fußballplatzes - zusammenzutragen.

Virtueller Autoverkäufer

Nicht nur Franck Ribery beim FC Bayern, auch Hitzlsperger treibt so seine Späße mit den Teamkollegen. In der vergangenen Saison inserierte er den schnittigen Audi R8 seines damaligen Mitspielers Raphael Schäfer bei einer virtuellen Gebrauchtwagenbörse - ohne Schäfers Wissen und Erlaubnis: "Ich wollte den Wagen gar nicht verkaufen!" Als Zugabe stellte "Hitz" auch gleich noch Schäfers private Mobilfunknummer ins Netz, so dass sich dieser der Ruhe wegen eine neue Nummer zulegen musste.

Keine Chance für Nazis

Als Spieler in England war er fünf Jahre lang selbst Ausländer, zurück in Deutschland engagiert er sich gegen Rassismus. "Obwohl ich selbst von Neonazis verschont geblieben bin, war ich doch sehr überrascht, wie sehr sie das Image der Deutschen im Ausland prägen. Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten", sagt Hitzlsperger und bloggt nun regelmäßig bei "Störungsmelder", einem Internet-Blog, in dem Prominente auf alltäglichen Rechtsextremismus und Rassismus aufmerksam machen.

Bürgermeister-Berater

Auf Einladung saß Hitzlsperger am 6. Juli 2008 in der Royal Box, um dem Wimbledon-Sieg Rafael Nadals gegen Roger Federer beizuwohnen. Zuvor machte er beim Mittagessen die Bekanntschaft von Londons Bürgermeister, Boris Johnson, der den Fußball-Profi nach allen Regeln der Kunst ausquetschte, wie Hitzlsperger erzählt: "Er hat mich gefragt, wie es sein kann, dass die englische Nationalmannschaft einfach keinen Erfolg hat. Ich habe gelacht und versucht, ihm das zu erklären. Er hat fleißig Notizen gemacht. Ich bin gespannt, was er daraus macht."

Großfamilienmensch

Für Hitzlsperger kommt die Familie immer an erster Stelle. In München wurde er am 5. April 1982 als jüngstes von insgesamt sieben Kindern von Ludwig und Anneliese Hitzlsperger geboren und wuchs im Forstinninger Ortsteil Wagmühle auf. Bei fünf älteren Brüdern und einer Schwester lernte der kleine Thomas schnell, sich gegen Widerstände durchzusetzen. Seine Fußballer-Karriere startete er in seinem Heimatort, beim VfB Forstinning. Im Alter von sieben Jahren wechselte er zum FC Bayern München, wo man ihm den Durchbruch allerdings nicht zutraute und ihn zu Aston Villa ziehen ließ.

Bauernhof? Nein Danke!

Trotz der behüteten Kindheit hat Hitzlsperger kein Interesse, beim elternlichen Bauernhof einzusteigen. Als sein Vater ihn vor einigen Jahren fragte, ob er den Betrieb übernehmen wolle, lehnte der Filius dankend ab: "Ich kann ja nicht mal eine Kuh melken." Dennoch packt er bis heute zuhause mit an, wenn es die Zeit erlaubt. "Heu-Abladen oder so", findet er spaßig, allerdings nur in dem Wissen: "In ein paar Tagen bin ich wieder weg."

Indisches Essen

In Birmingham lebt eine große Gemeinde von Auswanderern aus der pakistanischen Region Mirpur. Diese brachten natürlich ihre lokale Küche mit in Englands zweitgrößte Stadt, das so genannte "Balti": Ein einfaches, scharfes Curry-Gericht, das sich großer Beliebtheit bei den "Brummies", wie Birminghams Einwohner genannt werden, erfreut. Auch Hitzlsperger ist während seiner Zeit bei Aston Villa auf den Geschmack gekommen und genießt immer, wenn er mal in Birmingham weilt, sein Balti: "In Deutschland ist das indische Essen leider nicht so gut ist."

Bankdrücker-Dasein

Am vergangenen Spieltag gegen Arminia Bielefeld saß Hitzlsperger in dieser Saison erstmals 90 Minuten auf der Bank, Trainer Armin Veh gönnte seinem Kapitän eine Pause. Im Gegensatz zu manch anderen Kollegen sieht Hitzlsperger aber keinen Anlass, deshalb Probleme zu machen: "So etwas ist nicht meine Art. Unser Trainer hat mir vor dem Spiel erklärt, warum er mich draußen lässt. Damit ist das für mich in Ordnung. Ich will nicht, dass mein persönliches Schicksal im Vordergrund steht, sondern hoffe, dass wir uns auf das Team konzentrieren können."

And the winner is...

Mit seinen 26 Jahren hat Hitzlsperger seine besten Tage als Fußballer eigentlich noch vor sich. Seinen Briefkopf ziert aber bereits eine stattliche Reihe von Erfolgen, der größte bislang ist sicherlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2007 mit dem VfB Stuttgart. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2008 Vize-Europameister, belegte 2006 bei der WM im eigenen Land Platz 3, ebenso wie beim Confederations-Cup 2005. Außerdem wurde er im April und November 2007 jeweils zum Fußballer des Monats gewählt.

Sonntags bei Hitzlspergers

Fußball-Profis kommen nur selten dazu, einen fußballfreien Sonntag zu gestalten. Bei Hitzlsperger würde ein solcher Tag so aussehen: Erstmal ordentlich ausschlafen; danach folgt ein ausgiebiges Frühstück mit allem Drum und Dran; im Anschluss widmet sich der Nationalspieler der Zeitungslektüre; da der Profi gleichzeitig Fan ist, steht natürlich auch am freien Sonntag der Punkt "Fußball im TV schauen" auf dem Programm; danach folgt das Abendessen, anschließend wird gelesen oder noch mal ein Blick ins Fernsehgerät geworfen; und zu guter Letzt heißt es dann natürlich: Gute Nacht!