Die Bundesliga ist in dieser Saison um eine Attraktion reicher, auf die sie einige Jahre lang verzichten musste: den 1. FC Kaiserslautern. Der Meister der vergangenen Saison der 2. Bundesliga will aber keineswegs nur ein Gastspiel in der Bundesliga geben.

Entsprechend großen Wert legt Marco Kurz daher auf die Vorbereitung auf die Spielzeit 2010/11. Der Trainer der Pfälzer spricht im Interview mit bundesliga.de über Testspiele und Trainingslager und warum er für beide Dinge die Heimat als Austragungsort vorzieht.

Kurz geht auf die vielen Neuzugänge seiner Mannschaft ein, verrät, dass die Personalentscheidungen des FCK aber noch nicht komplett abgeschlossen sind, und ist sich sicher, die "Roten Teufel" sind gut aufgestellt, um das Thema Klassenerhalt anzugehen.

bundesliga.de: Herr Kurz, die ersten Testspiele als Bundesliga-Coach liegen hinter Ihnen. Gefällt Ihnen, was Sie bisher von Ihrer Mannschaft sehen?

Marco Kurz: Die Truppe arbeitet sehr intensiv und ist konzentriert bei der Sache. Die Belastung ist schon sehr hoch, aber sie ziehen gut mit. Wir sind zufrieden.

bundesliga.de: Worauf haben Sie im Trainingslager besonderen Wert gelegt?

Kurz: Wir haben zu Beginn großen Wert auf konditionelle Einheiten gelegt und viele intensive Läufe absolviert. Aber natürlich dürfen koordinative Übungen und Einheiten mit technischen, taktischen sowie etwa unter anderem im Schnellkraftbereich nicht fehlen. Wir fahren ein sehr hohes Pensum, vor allem die Addition der Einheiten. Aber ich glaube, das müssen wir auch wegen der langen Pause durch die Weltmeisterschaft tun. Wir wollen top vorbereitet sein.

bundesliga.de: Der FCK ist einer von nur zwei Bundesligisten, die nicht im Ausland ein Trainingslager abhalten. Allein 14 Clubs gastieren in Österreich. Warum zog der FCK ein Camp in der Pfälzer Heimat vor?

Kurz: Wir sind ganz bewusst in der Region geblieben und wollen weiter authentisch Nähe zu unseren Fans zeigen. Wir haben auch alle Testspiele in der Region, denn wir wollen bewusst unterstreichen, dass uns die FCK-Fans unheimlich wichtig sind und das wir wissen, welches Gut wir an Ihnen haben.

bundesliga.de: Am Samstag bestritt Kaiserslautern einen der Testspielleckerbissen dieser Saisonvorbereitung. Der FC Liverpool war zu Gast auf dem Betzenberg. Worauf haben Sie sich bei diesem Spiel besonders gefreut?

Kurz: Wir haben die Qualität der Testgegner von Spiel zu Spiel gesteigert und auf dem Weg zum ersten Pflichtspiel gegen Osnabrück war Liverpool eine weitere Steigerung der Herausforderung. Für die Fans und Spieler war es natürlich etwas Besonderes, gegen einen solchen großen Traditionsverein angetreten zu sein.

bundesliga.de: Wie wichtig ist es für die Fans, dass ihr Lieblingsverein in der Vorbereitung gegen solche Hochkaräter antritt und wie sehr spricht es für die Bundesliga, dass mehr und mehr "dicke Brocken" nach Deutschland zum Testen kommen?

Kurz: Die Qualität der Bundesliga insgesamt, also der Vereine, Stadion und der gesamten Infrastruktur, ist nicht erst seit der WM 2006 auch im Ausland bekannt. Durch die immer noch große Euphorie und die auch bei Testspielen hohen Zuschauerzahlen sowie eine gute TV-Präsenz lassen sich auch große Clubs aus England oder Spanien für Testspiele verpflichten und man kann seinen Fans etwas bieten. Ich denke, von dieser Entwicklung haben letztlich alle etwas.

bundesliga.de: Im Kader des FCK gab es bereits jede Menge Veränderungen durch Zugänge. Dazu kommen einige Rückkehrer, die ausgeliehen waren. Haben Sie trotz der vielen neuen Namen das Gefühl, dass sich da schon jetzt eine gute Einheit bildet?

Kurz: Wir haben insgesamt neun Neuverpflichtungen, ob das ein Christian Tiffert oder ein Oliver Kirch oder auch Chadli Amri ist, die alle schon den Nachweis erbracht haben, dass sie Bundesliga spielen können. Wir haben Spieler aus dem Ausland geholt, wie Ilian Micanski oder Erwin Hoffer, die dort eine dominante Rolle gespielt haben und dies jetzt auch in der Bundesliga nachweisen wollen. Insgesamt glaube ich, dass wir in der Breite eine höhere Qualität haben, als im Vorjahr.

bundesliga.de: Hat der FCK seine Personalentscheidungen bereits abgeschlossen, oder wird der Verein womöglich nochmal auf dem Transfermarkt aktiv werden?

Kurz: Wir schauen uns noch nach einer Alternative für die Position rechts hinten um, weil wir hier noch kein Backup für Florian Dick haben. Ansonsten sind wir schon sehr weit und ich bin froh, den Kader schon mit Beginn der Vorbereitung beinahe komplett gehabt zu haben.

bundesliga.de: Mit 300 Bundesliga-Spielen sind Sie nach Stefan Kuntz der erfahrenste Mann beim FCK in Sachen "Oberhaus". Als Trainer sind Sie aber noch ein "Grünschnabel" in diesem Thema. Wie gehen Sie die Herausforderung Bundesliga ganz persönlich an?

Kurz: Wir alle müssen den Nachweis erbringen, die Qualität für die Bundesliga zu haben. Das gilt für mich, die Mannschaft und den gesamten Verein. Dafür arbeiten wir und daran wollen wir uns messen lassen. Es kann in diesem Jahr nur um den Klassenerhalt gehen und wir werden mit der gleichen Ruhe und Konzentration daran gehen, wie wir im letzten Jahr versucht haben, unsere Ziele zu erreichen.

bundesliga.de: Das Saisonziel haben Sie nun schon formuliert. Welche Dinge, welche Eigenschaften wollen Sie von Ihrer Mannschaft in der kommenden Saison sehen?

Kurz: Fakt ist, dass wir auch weiterhin unsere Spiele sehr kontrolliert angehen wollen, aber eben auch dem Gegner unser Spiel möglichst über 90 Minuten aufzwingen wollen, um es für uns erfolgreich zu gestalten. Das wird immer das Ziel sein. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass wir in allen Mannschaftsteilen kompakt bleiben und wir gehen jedes Spiel an, um es zu gewinnen. Aber wir werden genauso wenig wie in der vergangenen Saison ins offene Messer laufen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz