München - Welche Bedeutung hat der 1. Spieltag? Wie sieht die Bilanz des späteren Meisters am Eröffnungsspieltag aus - und wie die des amtierenden Titelträgers? Und welche statistischen Chancen hat der erste Tabellenführer, auch am Ende der Spielzeit ganz vorne zu stehen? bundesliga.de erklärt, inwieweit der Start als Omen für die gesamte Saison herhalten kann.

Gleich zu Beginn ein überraschender Fakt: Der amtierende Meister gewann am 1. Spieltag nur gut die Hälfte seiner Partien! Von den 50 Eröffnungsspielen ging der Titelverteidiger 26 Mal als Sieger vom Platz, je zwölf Mal gab es ein Remis und eine Niederlage. Zuletzt erwischte es den FC Bayern im Jahr 2001, als der Rekordmeister 0:1 bei Borussia Mönchengladbach unterlag. Diese Niederlage war übrigens das letzte Auswärtsspiel eines amtierenden Meisters beim Saisonauftakt - seit der Saison 2002/03 hat der Titelträger zum Start immer ein Heimspiel.

Den höchsten Sieg eines Meisters feierten ebenfalls die Bayern - 1972 beim 5:0 in Oberhausen. Neun Jahre später erzielten die Münchner beim 6:2 gegen Leverkusen sogar noch einen Treffer mehr. Die deftigste Niederlage als Meister am 1. Spieltag kassierte aber auch der FCB: Beim 0:6 in Offenbach wurden die Weltmeister um Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Co. 1974 böse abgewatscht.

Dass es ein gutes Omen ist, zum Saisonbeginn ganz oben zu stehen, kann man indes nicht behaupten. In den bisherigen 51 Spielzeiten der Bundesliga wurden nur neun Mannschaften am Saisonende Deutscher Meister, die nach dem 1. Spieltag auf dem ersten Platz lagen. Fünf Mal schafften dies die Bayern (68/69, 72/73, 84/85, 07/08 und 12/13), je ein Mal der 1. FC Köln (63/64), Eintracht Braunschweig (66/67), der VfB Stuttgart (83/84) und Borussia Dortmund (94/95).

Vier Tabellenführer stiegen ab

Allerdings gab es auch abschreckende Beispiele, denn vier Teams, die nach dem 1. Spieltag an der Tabellenspitze lagen, stiegen am Saisonende ab. Hier erwischte es Hansa Rostock (91/92), den Karlsruher SC (97/98), Borussia Mönchengladbach (98/99) und Arminia Bielefeld (02/03). Zuletzt war der damalige Aufsteiger Hertha BSC dank eines furiosen 6:1-Erfolgs gegen Eintracht Frankfurt der erste Tabellenführer. Nach einer schwächeren Rückrunde schlossen die Berliner die Saison als Tabellenelfter ab.

Zu Saisonbeginn die Rote Laterne zu tragen, muss noch keine allzu großen Sorgen bereiten: Nur neun Mannschaften, die nach dem 1. Spieltag alleine am Tabellenende lagen, stiegen am Saisonende ab. Zuletzt passierte dies der SpVgg Greuther Fürth 2012/13. Übrigens wurde noch nie eine Mannschaft Meister, die nach dem 1. Spieltag alleiniges Schlusslicht war.

BVB startete 2010/11 mit einer Pleite

Eine Niederlage zu Beginn muss jedoch noch längst nicht das Ende der Meisterträume bedeuten. Acht Mal verlor der spätere Meister sein Eröffnungsmatch, insgesamt 34 Mal gab es einen Sieg. Der letzte Meister, der mit einer Pleite startete, war 2010/11 Borussia Dortmund (0:2 gegen Leverkusen). Genau so wenig Bedeutung hat ein Sieg zum Saisonstart: Mannschaften, die am Ende einen der beiden letzten Plätze belegten, starteten immerhin 24 Mal mit einem Erfolg. 

Ist das Omen des Eröffnungsspiels also nichts als Hokuspokus? Nicht ganz, denn eine leichte Tendenz lässt sich aus dem Eröffnungsspiel sehr wohl herauslesen: Teams, die mit einem Sieg starteten, belegten am Saisonende durchschnittlich Platz 8. Ein Unentschieden zu Beginn bedeuet statistisch gesehen am Ende Rang 10. Und wer die Saison mit einer Niederlage beginnt, landet im Durchschnitt auf dem elften Platz.

Mit solchen statistischen Feinheiten dürfte der FC Bayern als amtierender Meister nichts am Hut haben. Für die Guardiola-Elf zählt nur die Titelverteidigung - egal, ob sie nach dem 1. Spieltag vorne liegt oder nicht.

Johannes Fischer