München - Als Bastian Schweinsteiger im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel in der vergangenen Woche nach einem Zusammenprall mit seinem Gegenspieler Gökhan Inler zu Boden ging, war sofort klar, dass sich der Vizekapitän des FC Bayern schwerer verletzt hatte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste der Nationalspieler vom Platz getragen werden. Die Diagnose war niederschmetternd: Der 27-Jährige hat sich das Schlüsselbein gebrochen und fällt für die restlichen Spiele in diesem Jahr aus.

Seitdem streitet sich die Fachwelt darüber, wie schwer der Ausfall Schweinsteigers für den FC Bayern wiegt. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass eine schwere Verletzung eines Schlüsselspielers eine Mannschaft komplett aus der Bahn werfen kann.

Schweinsteiger und Robben fehlen den Bayern

So erging es im vergangenen Jahr Werder Bremen, als Topstürmer Claudio Pizarro wochenlang ausfiel. Oder 1899 Hoffenheim vor zwei Jahren, als sich Vedad Ibisevic in der Winterpause einen Kreuzbandriss zuzog. Der Sensationsherbstmeister stürzte ab und beendete die Saison auf Platz 9, weil der Torjäger, der in der Hinrunde unglaubliche 18 Mal getroffen hatte, nicht ansatzweise adäquat ersetzt werden konnte.

Schweinsteiger ist momentan nicht der einzige Topspieler, der seinem Club fehlt wie der Blick in die bundesliga.de-Datenbank zeigt. Beim Rekordmeister befindet er sich in der prominenten Gesellschaft von Arjen Robben. Schweinsteiger hatte bis zu seiner Verletzung ligaweit die meisten Ballkontakte (102 pro 90 Minuten). Er gewann 54 Prozent seiner Zweikämpfe, ein persönlicher Bestwert nach zwölf Spieltagen. In 18 Pflichtspielen in dieser Saison war er an neun Toren beteiligt (vier Tore, fünf Torvorlagen).

Robben kam bei seinen vier Bundesliga-Spielen auf zwei Tore und eine Torvorlage. In 61 Pflichtspielen für die Bayern erzielte er 39 Tore (plus 24 Torvorlagen), in 42 Bundesliga-Spielen war der Niederländer an 48 Toren direkt beteiligt (30 Tore, 18 Vorlagen).

Geromels Ausfall konnte kompensiert werden

Auch bei anderen Vereinen fehlen Schlüsselspieler. Der 1. FC Köln muss noch länger auf Mittelstürmer Milivoje Novakovic verzichten, der in sieben Spielen bei fünf FC-Toren mitgewirkt hat (zwei Tore, drei Assists). Außerdem hatte der Slowene die meisten Großchancen beim FC (fünf).

Sein Teamkollege Pedro Geromel fiel fünf Spiele lang aus, von denen die "Geißböcke" immerhin drei gewinnen konnten, noch dazu jeweils zu null. Das Fehlen des Abwehrchefs, der starke 67 Prozent seiner Zweikämpfe für sich entscheiden konnte, fiel also gar nicht so sehr ins Gewicht.

HSV ohne Petric sieglos

Auch Borussia Dortmund ist guter Dinge, den wochenlang ausfallenden Neven Subotic ersetzen zu können. Aber leicht wird es nicht, denn der Serbe war bislang Dortmunds zweikampfstärkster Spieler (Erfolgsquote 69 Prozent). Und bei seinen neun Einsätzen kam er auf nur acht Fouls.

Schmerzlich vermisst der Hamburger SV seinen besten Torschützen Mladen Petric. Ohne ihn ist der HSV in dieser Saison sieglos. Seine vier Saisontore sind ebenso Bestwert wie seine 25 Torschüsse. Borussia Mönchengladbach konnte dagegen das Fehlen des verletzten Igor de Camargo kompensieren. Doch der Belgier, der zwei Mal das goldene Siegtor erzielt hatte, jeweils bei den 1:0-Auswärtserfolgen in München und Hamburg, wird als kopfballstarker Angreifer sicher noch eine wichtige Rolle spielen.

Hoffnung auf ein erfolgreiches Comeback

Bemerkenswert sind auch die Verletzungen zahlreicher Stammtorhüter. Leverkusens Rene Adler erwischte es in der Vorbereitung. Er hat noch kein einziges Spiel absolviert, wird aber von Bernd Leno ausgezeichnet vertreten. Auch Lars Unnerstalls Aufstieg zur Nummer 1 auf Schalke bedeutete nach der Blessur von Stammkeeper Ralf Fährmann noch keinen Qualitätsverlust. Gleiches gilt beim 1. FC Nürnberg, bei dem Raphael Schäfer bereits neun Spiele verpasste, aber gut ersetzt wurde.

Das Verletzungspech betrifft fast alle Vereine. Schlüsselspieler fallen aus - mal länger, mal kürzer. Renato Augusto oder Tranquilo Barnetta in Leverkusen, Peer Kluge auf Schalke, VfB-Kapitän Matthieu Delpierre, der noch ohne Einsatz ist, Teamkollege Pavel Pogrebnyak oder Herthas Maik Franz können ein Lied davon singen. Ihnen allen Hoffnung machen dürfte der Bremer Naldo, dem nach sogar über einem Jahr Zwangspause ein erfolgreiches Comeback glückte.