München - Das Top-Duell des 13. Spieltags wirft seine Schatten schon voraus. Nach der Länderspielpause trifft der Rekordmeister auf den amtierenden Deutschen Meister, der Erste auf den Zweiten, der FC Bayern München auf Borussia Dortmund.

bundesliga.de stellt im Vorfeld die beiden Spitzenteams in allen Mannschaftsteilen gegenüber und vergleicht die Protagonisten anhand ihrer Leistungen in der laufenden Bundesliga-Saison. Der dritte Teil der Analyse beschäftigt sich mit den Außenverteidigern der Teams.

Philipp Lahm

Nationalmannschaftskapitän Lahm ist nach wie vor der Dauerbrenner beim FC Bayern. Die letzten 87 Bundesligaspiele hat er bestritten, bis zum Pokalspiel gegen Ingolstadt waren es sogar 125 Pflichtspiele in Serie. Mit 892 Ballkontakten hat er mit weitem Abstand die größte Spielbeteiligung aller Außenverteidiger der beiden Teams. In punkto Offensive kann er allerdings noch zulegen: Nur zehn Flanken schlug Lahm in dieser Saison, keine davon hatte einen Torschuss zur Folge. Schon seit Mai 2010 bereitete Lahm keinen Treffer mehr mit einer Flanke vor. Dennoch: Lahm ist und bleibt in der Bundesliga das Maß aller Dinge auf der defensiven Außenbahn.

Jerome Boateng

Auf der rechten Seite beim Rekordmeister hat sich Boateng etabliert. Der athletische Nationalspieler wurde eigentlich als Innenverteidiger verpflichtet und begann bisher drei Mal außen und fünf Mal im Zentrum. Starke 69 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich, vertraut auf sein gutes Auge und seine Schnelligkeit, musste aber beim Gastspiel in Hannover wegen einer Tätlichkeit vom Feld und kehrt jetzt wieder zurück. Hinten steht er meist sicher, doch Boatengs Offensivqualitäten sind durchaus ausbaufähig: In 93 Bundesligaspielen gelang ihm noch kein Tor, er schlug in dieser Saison nur acht Flanken. Im Vergleich zu Rafinha wäre er die deutlich kopfballstärkere Variante.

Rafinha

Setzt Coach Jupp Henyckes auf den Brasilianer, wählt er die dribbelstärke, wendigere und offensivstärkere Alternative als rechten Außenverteidiger. Rafinha hat viele Ballkontakte (im Schnitt 93 pro 90 Minuten) und scheut das Risiko nach vorne weit weniger als Boateng. Mit 61 Prozent gewonnener Zweikämpfe (als reiner Außenverteidiger) ist der giftige Rechtsfuß auch bei den direkten Duellen in guter Verfassung. Es wird allerdings erwartet, dass Rafinha sich zunächst mit einem Platz auf der Bank begnügen muss.

Lukasz Piszczek

In punkto Offensive kann jedoch weder Rafinha, noch sonst ein Bayern-Außenverteidiger Dortmunds Piszczek das Wasser reichen. Auf zwei Tore und zwei Vorlagen bringt es der polnische Nationalspieler in dieser Saison, schlug ligaweit die zweitmeisten Flanken (44) und die meisten, die einen Torschuss zur Folge hatten (14). In der Vorsaison bereitete der Rechtsverteidiger sechs Tore durch Flanken vor, nur Wolfsburgs Marcel Schäfer (sieben) schaffte mehr. Obwohl er in den Zweikämpfen meist sicher steht (59 Prozent gewonnen), leistete er sich schon zwei Ballverluste vor einem Gegentor, was (mit Freibugs Flum und Wolfsburgs Dejagah) Liganegativwert darstellt. Dennoch - Piszczek ist rechtzeitig vor dem Showdown mit Bayern in glänzender Verfassung.

Marcel Schmelzer

Nicht nur der Pole hat seinen Torriecher beim BVB entdeckt. Auch Schmelzer gelang bei der Gala über den 1. FC Köln sein erster Pflichtspieltreffer für die Borussia. Doch Schmelzer fehlt noch ein wenig die Spielpraxis, fünf Mal musste er schon verletzungsbedingt passen. Seine Zweikampfquote von 48 Prozent macht ihn zu einem der zweikampfschwächsten Abwehrspieler der Bundesliga, auch seine Fehlpassquote (21 Prozent) spricht nicht für ihn. Dennoch baut Trainer Jürgen Klopp auf den Nationalspieler, obwohl er während seiner Verletzung vom starken Neuzugang Chris Löwe glänzend vertreten wurde.

Patrick Owomoyela

Die Alternative für die linke Seite hieße Owomoyela. Der Ex-Nationalspieler bestritt als Piszczek-Vertreter erst ein Saisonspiel, doch das hatte es in sich. Nach gut einem Jahr stand er in Bremen wieder in der Startelf, war zweikampfstärkster Dortmunder (67 Prozent), hatte die meisten Ballkontakte beim BVB (59) und erzielte auch noch den 2:0-Endstand - sein erstes Tor seit 22 Monaten. "Owo" wäre heiß und bereit, doch auch er wird sich wohl mit der Zuschauerrolle zufrieden geben müssen.

Ganz ohne Fehl und Tadel haben sich bisher weder die Außenverteidiger der Bayern noch der Dortmunder präsentiert. Lahm und Co. fehlt der Drang nach vorne, Piszczek und Schmelzer sind nach hinten anfälliger. Beide Teams verfügen mit Rafinha, Owomoyela oder Löwe über starke Backups. Die Tendenz auf dieser Position geht zum Unentschieden. Lesen Sie als nächstes: die defensiven Mittelfeldspieler.


Christoph Gschoßmann


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