Der Höhenflug des VfL Wolfsburg geht weiter. Seit Wochen eilt die Mannschaft von Trainer Felix Magath von einem Erfolg zum nächsten - und bläst nun zum Sturm auf die Tabellenspitze.

Mit dem 3:0 bei Arminia Bielefeld verbuchten die Niedersachsen bereits den siebten Sieg in Folge und bauten dadurch den erst am vergangenen Spieltag aufgestellten Vereinsrekord weiter aus.

VfL macht aus "vier Chancen drei Tore"

Wenngleich die "Wölfe" vielleicht nicht immer den ganz großen Glanz versprühen, sucht man bei Magaths junger Meute vergeblich nach akuten Schwachstellen. Davon durften sich die Ostwestfalen - die das Spiel lange Zeit offen gestalteten, am Ende aber als klarer Verlierer vom Platz gingen - gerade aus erster Hand überzeugen.

"Es gab heute nur einen wesentlichen Unterschied: Wolfsburg hat aus vier Chancen drei Tore gemacht, wir aus vier oder fünf Hundertprozentigen keine", lieferte DSC-Coach Michael Frontzeck nach dem Schlusspfiff eine ebenso scharfe wie treffende Analyse.

Die Gäste versuchten gar nicht erst etwas schön zu reden: "Vom Spielverlauf her waren wir sicher nicht besser als die Arminia. Wir haben mehr Torchancen zugelassen als wir selbst hatten", zeigte sich Magath mit seinem Kollegen auf einer Linie. Am Ende gab wohl ein Faktoren-Quartett den entscheidenden Ausschlag zugunsten des VfL.

Hinten ein Bollwerk...

Erstens stand die Defensivabteilung - und damit die Null. Obwohl Bielefeld sich mehrere Möglichkeiten herausspielte, funktionierte die Wolfsburger Viererkette über 90 Minuten wie ein Uhrwerk. Allein elf Mal ließ man die Angreifer der Hausherren ins Abseits laufen!

Wenn die Arminen dennoch zum Abschluss kamen, scheiterten Artur Wichniarek & Co. ein ums andere Mal am glänzenden Diego Benaglio. Mit tollen Reflexen und großer Ruhe verhinderte der Keeper erst einen Rückstand und rettete seinem Team später sogar den Sieg.

"Wenn man oben steht, macht man eben seine Chancen rein, und wenn man unten steht, hat man eben das Pech, dass wir einen überragenden Torhüter mitgebracht haben", brachte Magath die Sache auf den Punkt.

...und vorne eiskalt

Zweitens bestachen die Niedersachsen durch Effizienz, gaben zwar nur neun Torschüsse ab - aber jeder dritte davon zappelte im Netz! Den Inbegriff für die Kaltschnäuzigkeit der "Wölfe" bietet Grafite, dessen Quote von 18 Treffern in 16 Partien sicherlich keiner weiteren Worte bedarf. Prädikat: Extra-Klasse!

Drittens agieren die Wolfsburger einfach clever: Auf der Alm leisteten sich die Gäste beinahe drei Mal so viele Fouls wie die Bielefelder (25:9). Besonders hart waren die wenigsten davon, dafür umso mehr taktischer Natur. Beim VfL weiß man einfach, wann es notwendig wird, den Spielfluss des Gegners schleunigst zu unterbrechen. Das mag nicht unbedingt schön sein, ist aber erfolgreich!

Viertens bleibt bei den "Wölfen" die Mannschaft der Star. Die Ideen für das Offensivspiel gehen nicht alleine vom Mittelfeld aus, sondern beginnen bereits bei den Außenverteidigern. Winter-Neuzugang Peter Pekarik eroberte sich rechts auf Anhieb einen Stammplatz, während Marcel Schäfer links schon lange zum Inventar gehört. Auch in der Schüco-Arena avancierte der 24-Jährige zum Aktivposten, verzeichnete die meisten Ballkontakte seines Teams (61).

Steigerung zur Rückrunde

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Gesamtpaket stimmt. Nicht umsonst stellen Magaths Männer die beste Rückrunden-Mannschaft der Bundesliga, die sich im Jahr 2009 in zwei Bereichen mächtig gesteigert hat.

Zum einen kassierte man nach der Winterpause die wenigsten Gegentreffer aller Teams (sechs). Während der Sturm schon seit langem zur absoluten Spitze gehört, Wolfsburg sich mit 53 Treffern auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München bewegt, sollte die verbesserte Abwehrleistung die Konkurrenz endgültig hellhörig machen - denn die Defensive gewinnt bekanntlich Titel...

Zum anderen haben die "Wölfe" die Auswärtsschwäche in den Griff bekommen. In der Hinrunde konnte die beste Heim-Elf der Liga in der Fremde keinen einzigen Sieg erringen, holte lediglich vier magere Punkte. Demgegenüber fiel die Ausbeute zuletzt umso reichhaltiger aus, kam man von den vergangenen drei Partien mit sieben Zählern im Gepäck zurück.

Meisterprüfung gegen Bayern

Auch wenn die Niedersachsen nach jedem Spiel auf die Euphoriebremse treten, sich selbst im Titelrennen als "Außenseiter" sehen, sprechen die Fakten für sich: Mit dem VfL muss man rechnen! Der ultimative Gradmesser steht Wolfsburg schon bald bevor, wenn der punkt- und torgleiche Rekordmeister aus der bayerischen Landeshauptstadt zum Showdown in der Volkswagen Arena antritt.

Zwei Wochen bleiben Magath, um seine Kicker auf das packende Duell mit seinem Ex-Club vorzubereiten. An der Isar feierte der 55-Jährige einst zwei Meisterschaften in Folge, seine ersten Titel als Trainer. Folgt nun der dritte Streich? Kann das kleine Wolfsburg die großen Münchner tatsächlich überholen? Den Blinker haben die "Wölfe" jedenfalls schon gesetzt.


Stefan Missy