DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach von einer "Sternstunde", Coach Horst Hrubesch von einem "Meilenstein" und Bundestrainer Joachim Löw von der "besten Mannschaft seit langem".

Als Sami Khedira am Montag um 22:46 Uhr als erster deutscher U-21-Kapitän im Konfettiregen den EM-Pokal in den Nachthimmel von Malmö reckte, begann beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) der Traum von einer goldenen Zukunft.

"Jogi geht guten Zeiten entgegen"

"Jogi geht guten Zeiten entgegen", meinte Hrubesch in Richtung des Bundestrainers, noch etwas schwindelig von der ausgelassenen Feier auf dem Rasen. Schon bevor der 4:0 (1:0)-Finalsieg gegen England besiegelt war, erhielt er erste Duschen von seinen Spielern, die ihn nach dem Abpfiff mehrmals in die Luft warfen und mit "Hotte"-Rufen huldigten.

Erst 80 Minuten nach dem Schlusspfiff kamen mit Andreas Beck und Benedikt Höwedes, Arm in Arm, freudetrunken und schon etwas heiser die ersten Europameister in "Euro-Helden 2009"-Shirts aus der Kabine. "Das ist ein großer Tag für den deutschen Fußball", meinte Zwanziger kurz darauf auf dem Bankett im Restaurant Hipp von Malmö und rief den Spielern zu: "Feiert, solche Sternstunden gibt es nicht immer!"

Nachwuchs macht die Nacht zum Tag

Diese ließen sich nicht zwei Mal bitten, forderten mit "Theo, rück die Kohle raus" gesanglich ihre Siegprämie von 12.000 Euro und machten im Club Etage die Nacht zum Tag. "Das ist einfach nur geil", meinte der Hoffenheimer Beck: "Davon habe ich so viele Nächte geträumt. Jetzt haben wir Blut geleckt und wollen mehr."

Und der künftige Bremer Marko Marin, der das Finale wegen einer Fußverletzung verpasst hatte, jubelte: "Schmerzen spüre ich im Moment gar nicht. Das war mein erster Titel, jetzt will ich mehr."

Über acht Millionen TV-Zuschauer

Mit dem souverän herausgespielten Erfolg vor 8,2 Millionen Zuschauern vor den TV-Geräten nährten die Junioren die Hoffnungen auf künftige Erfolge des A-Teams.

"Das war individuell die beste Mannschaft seit langem", meinte Löw nach dem Sieg durch Tore von Gonzalo Castro (23. ), Mesut Özil (48.) und zweimal Sandro Wagner (79. und 84.): "Wie sie die Engländer erst niedergekämpft und dann niedergespielt hat, das war schon toll."

Historischer Erfolg

Das Endspiel in Malmö hatte neben UEFA-Präsidenten Michel Platini und Englands Chefcoach Fabio Capello die gesamte deutsche Prominenz von der Tribüne aus verfolgt: Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, Harald Strutz, Vize-Präsident des Ligaverbandes, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Sportdirektor Matthias Sammer sahen pünktlich im Finale die mit Abstand beste Leistung der deutschen Mannschaft in diesem Turnier.

Nach 16-jähriger Durstrecke zwischen 1992 und 2008 ist der DFB plötzlich als erster Verband im Besitz aller drei EM-Titel im Juniorenbereich. "Aber was wirklich zählt, sind Titel mit dem A-Team", erklärte Khedira: "Am besten schon 2010 bei der WM in Südafrika. Einige von uns werden ja dabei sein."

Talente spielen sich in den Blickpunkt

Torhüter Manuel Neuer, Beck, Marin, Özil und Castro sammelten bereits Erfahrung im A-Team. Khedira wird bald folgen, die Innenverteidiger Benedikt Höwedes und Jerome Boateng spielten sich in Schweden in Blickpunkt. "Die WM kommt für einige sicher zu früh", sagte Hrubesch. Und auch Löw glaubt, "dass sie sicher noch ein bisschen brauchen, bis sie beim A-Team entscheidende Rollen spielen können."

Ein besonderes Lob zollte der Bundestrainer dem im Finale überragenden Özil ("Wenn Mesut sein Potenzial ausschöpft, ist er einfach genial") und Neuer, der im Halbfinale gegen Italien (1:0) zum Matchwinner geworden war und seine Chancen im Vierkampf um das deutsche Tor weiter verbesserte. "Manuel gehört die Zukunft", meinte Löw: "Sein Wert ist in den letzten zwei Monaten noch einmal gestiegen. Was er bei diesem Turnier gehalten hat, war phänomenal. Er war fast unüberwindbar. Außerdem ist er eine starke Persönlichkeit."

"Ein Meilenstein für mich"

Der hoch gelobte Schalker Schlussmann gab das Lob an Trainer Hrubesch weiter. "Er war für uns nicht nur ein Trainer, sondern ein Freund. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Neuer: "Er ist ein Supertyp und ein Supermensch." Auch DFB-Boss Zwanziger lobte den Coach, der im Vorjahr durch den EM-Gewinn mit der U 19 den Titel-Fluch gebannt hatte und im Herbst auch noch die U 20 bei der WM in Ägypten trainieren wird: "Sie sind ist ein großer Sportler gewesen und sind ein hervorragender Trainer. Diese Erfolge gehen mit Ihnen nach Hause."

Der Coach, trotz manchmal rauhen Umgangstons ein Kumpeltyp, war sichtlich gerührt. "Das hat mich schon ein bisschen angegriffen", meinte er nach drei Stunden Schlaf am Dienstagmorgen: "Das ist auch ein Meilenstein für mich. Wir haben in den letzten zehn Jahren beim DFB viel auf den Weg gebracht und ernten jetzt die Früchte." Hoffentlich bald auch mit dem A-Team.