München - Der Schock saß tief beim amtierenden Deutschen Meister nach der 1:2-Niederlage in Hannover vergangenen Sonntag. Drei wichtige und bereits sicher geglaubte Punkte hatte Borussia Dortmund da noch in den letzten Minuten des Spiels her geschenkt und so ernüchtert festgestellt, dass sieben Punkte nach sechs Spieltagen nur zu einem Platz im Mittelfeld reichen.

Da Mittelmaß jedoch nicht der Anspruch des BVB ist, wollte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp beim Gastspiel in Mainz ganz anders auftreten und den Anschluss an das obere Tabellendrittel herstellen - mit Erfolg!

Laufwunder BVB

Der 2:1-Sieg der "Schwarz-Gelben" war in doppelter Hinsicht hart erarbeitet. Nachdem das Team unglücklich mit 0:1 ins Hintertreffen geraten war, kämpfte es sich wieder ins Spiel zurück. Bester Beleg für den Willen der Borussen ist ihr Laufpensum: 125,4 Kilometer liefen die BVB-Profis in 90 Minuten. Ein beeindruckender Wert, der am 7. Spieltag die beste Leistung aller Bundesligisten darstellt.

So verwundert es denn auch wenig, dass sich gleich drei Dortmunder unter den zehn laufstärksten Spielern tummeln. Ivan Perisic (12,8 km, Rang 5), Ilkay Gündogan und Mario Götze (beide 12,4 km, 10) waren die umtriebigsten Akteure beim Deutschen Meister, der zugleich auch einen der schnellsten Profis der siebten Runde stellt: Lukasz Piszczek. Der polnische Nationalspieler zog 19 Mal zum Sprint an und stellte dabei die Höchstgeschwindigkeit von 34 km/h auf - nur Herthas Tunay Torun war mit 34,1 km/h noch einen Tick schneller.

Mit Ausdauer auf Rang 2

Fast genauso lauffreudig wie der BVB war auch Werder Bremen. Im Spiel gegen Hertha BSC legten die Nordlichter nur 100 Meter weniger zurück (125,3 km) als der Deutsche Meister und belegt damit den 2. Platz in der Wertung des 7. Spieltags. Die Hauptstädter kamen in dieser abwechslungsreichen Partie "nur" auf einen Wert von 118 km - doch erreichten sie diesen Wert in doppelter Unterzahl, da Christian Lell und Adrian Ramos Platzverweise kassierten. Berechnet man dies mit ein, ist die Laufleistung der Herthaner duraus aller Ehren wert - zumal Sie am Ende sogar noch Chancen auf den Siegtreffer hatten.

Dabei war Peter Niemeyer mit 13 zurückgelegten Kilometern (Rang 3) wie ein Irrwisch in der "Schlacht" und an fast jeder Front zu finden. Auf Seiten der Bremer liefen Kapitän Clemens Fritz (12,8 km, 5) und Aktivposten Aaron Hunt (12,4 km, 10) am meisten. Letztendlich hat sich die Beharrlichkeit der Bremer ausgezahlt und sie zurück auf den 2. Tabellenplatz gehievt.

Viel gelaufen, kein Ertrag

Neben der Trendwende bei Borussia Dortmund war am Samstag noch ein anderer Fakt zu beobachten: Mit dem 1. FC Kaiserslautern (120,7 km, Platz 3), dem 1. FC Nürnberg (116,2 km, 7), dem SC Freiburg (115,7 km, 9) und Bayer Leverkusen (114,5 km, 11) mussten vier Clubs eine Niederlage einstecken, die mehr "Gras gefressen" hatten als ihr Gegner.

Dabei müssen sich die "Werkself" und der "Club" jedoch die Kritik gefallen lassen, aus ihrem vorbildlichen Einsatz nicht genug Gefahr entwickelt zu haben. Während die Franken in Mönchengladbach mit 8:21 Torschüssen im Hintertreffen waren, verzeichnete Leverkusen in München nur vier eigene Abschlüsse, denen zwölf der Bayern gegenüberstehen.

Zweikampfbilanz entscheidet

Etwas anders stellt sich die Situation jedoch beim 1. FCK dar. Die "Roten Teufel", die in Oliver Kirch den laufstärksten Spieler des Wochenendes stellen (13,4 km), liefen nicht nur mehr als der VfL Wolfsburg (116,4 km, 6), sondern hatten auch mehr Torschüsse (10:7), mehr Ballkontakte (785:466) und deutlich mehr Pässe (518:207) als die "Wölfe".

Entscheidend war in diesem Spiel aber die Zweikampfbilanz. Die Truppe von Felix Magath, die seit der 45. Spielminute durch die Rote Karte gegen Sotirios Kyrgiakos in Unterzahl spielte, gewann trotz dieses Nachteils 58,64 Prozent ihrer Zweikämpfe - so auch den entscheidenden zwischen Leon Jessen und Ashkan Dejagah, der das Tor des Tages erzielte und die Wolfsburger für ihre Konsequenz belohnte.

Gregor Nentwig