Mönchengladbach - Den bisherigen Saisonverlauf von Borussia Mönchengladbach mit einer Achterbahnfahrt zu vergleichen, wäre noch untertrieben. Vom Gipfel eines 6:3-Sieges in Leverkusen ging es schnurstracks bergab zu zwei historischen Pleiten (0:4 gegen Frankfurt, 0:7 in Stuttgart), die mit einem soliden Kletterakt (2:2 auf Schalke, 1:1 gegen Wolfsburg) auf gesichertes Terrain ausgeglichen wurden.

Die Crux der Gladbacher lässt sich am Torverhältnis leicht ablesen: Nach sieben Spieltagen stellen die "Fohlen"die anfälligste Defensive der Liga - erstmals in 43 Jahren Bundesliga kassierten die Rheinländer in diesem Zeitraum satte 20 Gegentore.

Erzwungener Umbau in der Viererkette

Fünf Spieltage lang zappelten im Schnitt fast vier Bälle im Kasten von Keeper Logan Bailly - dann fiel mit Dante und Roel Brouwers auch noch die komplette Innenverteidigung aus. Besorgt fragte man sich am Niederrhein, ob der Laden jetzt komplett auseinanderfliegen würde. Doch Trainer Michael Frontzeck vertraute seinen Ersatzspielern und machte aus der Not eine Tugend.

Für den verletzten Dante rückte dessen Landsmann Bamba Anderson bereits beim 2:2 auf Schalke nach, während Filip Daems nach Brouwers' Rot-Sperre beim 1:1 gegen Wolfsburg von der linken Abwehrseite in die Mitte ging. Sebastian Schachten vertrat Daems auf dessen Stammposition.

Und siehe da: Ausgerechnet das ansonsten so torhungrige "Wölfe"-Trio, bestehend aus Diego, Edin Dzeko und Grafite, biss sich an Borussias Defensive die Zähne aus. Die Gladbacher Hintermannschaft, in der nur Tobias Levels auf seiner angestammten Position als rechter Verteidiger spielte, ließ lediglich zwei Schüsse auf Baillys Kasten zu. Zum Vergleich: In den davorliegenden vier Partien flogen im Schnitt acht Bälle in Richtung Borussen-Tor.

Extra-Lob an Schachten

"Die Mannschaft hat über 90 Minuten mit einer neuformierten Viererkette die besten Stürmer mit Dzeko und Grafite sowie Diego dahinter gut aus dem Spiel genommen. Von daher ein großes Kompliment an die Mannschaft", freute sich Frontzeck nach der Partie. Gladbachs Cheftrainer hatte sogar ein Extralob an Schachten parat, der vor der Saison aus Paderborn zurückgeholt wurde.

"Wir haben uns ja bei der Rückholaktion etwas gedacht. Er kann beide Außenpositionen und sogar davor spielen. Er hat sich in eine neuformierte Viererkette eingefunden und hat es insgesamt sehr gut gemacht. Ein Riesenkompliment an ihn und auch an alle anderen, denn so eine Offensive ist nur im Kollektiv zu stoppen", lobte Frontzeck den 25-Jährigen und die gesamte neuformierte Viererkette.

Doch den Aufwärtstrend ausschließlich an der Abwehr festzumachen, wäre zu kurz gegriffen. Der Borussen-Coach weiß am besten, dass nicht Einzelspieler die Trendwende herbeiführten, sondern das Kollektiv. Es lag demnach an der Einstellung des gesamten Teams, dass sich die "Fohlen" am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen konnten.

Kontertaktik war gestern

Verglichen mit den desolaten Vorstellungen gegen Frankfurt (0:4) und Stuttgart (0:7) wirkte die gesamte Mannschaft wesentlich gefestigter und konzentrierter. Bereits beim 1:2 gegen St. Pauli und dem 2:2 gegen Schalke 04 hatte sich die zuvor taumelnde Elf vom Niederrhein gefangen, wenngleich man in Gelsenkirchen noch eine 2:0-Führung verspielte.

Beim Heimspiel gegen Wolfsburg nahmen die "Fohlen" dann zum ersten Mal in der aktuellen Saison das Spielgeschehen selbst in die Hand und verließen sich nicht auf ihre übliche Kontertaktik. In Zahlen wirkte sich das folgendermaßen aus: Gladbach hatte eine deutlich höhere Quote an erfolgreichen Pässen (85 Prozent) als in den Partien zuvor und mehr Ballbesitz als der Gegner (59 Prozent).

"Wenn die Mannschaft diese Leistung weiter abruft, dann bin ich davon überzeugt, dass wir bald wieder drei Punkte holen", sagte Frontzeck. Nächste Gelegenheit dazu: Am 8. Spieltag geht's zu 1899 Hoffenheim.

Johannes Fischer