Nach drei Niederlagen in Folge, dem zwischenzeitlichen Rückstand von fünf Punkten auf die Tabellenspitze und dem Absturz auf Rang 4 meldet sich Hertha BSC rechtzeitig zum Saisonfinale im Kampf um den Titel zurück.

Die Fans sangen von der Meisterschaft, die Spieler stellten erste Hochrechnungen an, doch die sportliche Leitung dämpfte die Euphorie: Nachdem die Hertha durch den 2:0 (1:0)-Erfolg über den VfL Bochum den Abstand zum Führungsduo VfL Wolfsburg und Bayern München auf einen Punkt verkürzt und sich eine gute Ausgangsposition im Kampf um den ersten Meistertitel seit 78 Jahren erarbeitet hatte, wollte sich der kollektive Freudentaumel aber noch nicht einstellen.

"Unser Ziel ist der UEFA-Pokal"

Aktuell stehen die Berliner mit 59 Zählern auf Rang 3. Allen Beteiligten ist klar, dass in dieser Saison noch vieles möglich ist. "Die Ausgangslage ist nicht schlecht. Wenn du dreimal gewinnst, bis du Meister, doch darüber sprechen wir hier nicht", sagte Manager Dieter Hoeneß. Trainer Lucien Favre wollte sich ebenfalls an der Träumerei nicht beteiligen. "Unser Ziel ist der UEFA-Pokal. Und da sind wir im Soll", sagte der Schweizer.

In der Tat streiten sich in dem wohl spannendsten Saisonfinale seit Jahren gleich sechs Mannschaften um die internationalen Plätze und den Gewinn der Meisterschaft. Zwischen Tabellenführer Wolfsburg und dem Tabellensechsten Hamburg liegen lediglich fünf Punkte.

Die Spieler gehen durchaus selbstbewusst an die letzten drei Spieltage heran und sprechen offen über das Thema Deutsche Meisterschaft. "Wenn wir die letzten drei Spiele gewinnen, werden wir Meister. Das war heute ein erster Schritt. Ich bin mir sicher, dass unsere Gegner noch Punkte liegen lassen", sagte Angreifer Andrey Voronin nach dem verdienten Erfolg über einen erschreckend schwachen VfL Bochum.

Selbstbewusst in Lauerstellung

Abwehrspieler Josip Simunic fügte selbstbewusst hinzu: "Alle glauben an das große Ziel. Das ist die größte Chance in diesem Leben, Deutscher Meister zu werden."

Einen Meister zeichnete oft aus, dass auch schwächere Spiele gewonnen wurden. Solch eine Vorstellung lieferten die Herthaner beim 1:0-Sieg in Hoffenheim ab. "Das war nichts, das muss ich ehrlich sagen", sagte Hoeneß nach der Partie Ende April. Die Punkte nahm er trotz allem gerne mit in die Haupstadt.

Die Berliner sind Meister der Effektivität. Viele Chancen zum Torerfolg benötigen sie nicht und beeindruckende 13 Mal siegte man mit nur einem Tor Differenz. Alles spricht vom Zweikampf Wolfsburg gegen Bayern, doch die Hertha lauert direkt dahinter. Mit Nervenstärke und Cleverness könnte Berlin aus dem Windschatten heraus am Führungsduo vorbeiziehen und sich die Meisterschaft sichern.

Leichtes Restprogramm

Erstmals seit dem ersten Spiel der Rückrunde bildeten Voronin und Marko Pantelic gegen Bochum wieder gemeinsam den Sturm der Berliner - mit Erfolg. "Ich habe bewiesen, dass ich nicht viele Chancen für ein Tor benötige", sagte Pantelic.

Auch das Berliner Restprogramm ist auf dem Weg zum Titel lösbar. Am Dienstag tritt die Hertha beim 1. FC Köln an. Dann folgt das Heimspiel gegen Schalke 04, ehe die Saison beim vielleicht schon abgestiegenen Karlsruher SC ausklingt. "Wenn wir in Köln gewinnen, sind wir unserem Traum sehr nahe gekommen", stellte dann auch Hoeneß fest.