Augsburg - Die Konkurrenz kannte kein Mitleid. Durch die Siege von Hannover 96 und vom VfB Stuttgart rutschte der FC Augsburg am Sonntag auf den letzten Tabellenplatz ab. Die Stimmung beim letztjährigen Überraschungsteam ist dennoch nicht im Keller, die Sehnsucht nach der Trendwende aber trotzdem groß.

Den Blick auf die Tabelle spart sich Daniel Baier lieber. "Ich bin kein Spieler, der auf die Tabelle schaut und immer von diesem Abstiegskampf redet, auch wenn man vielleicht mittendrin steckt. Das zieht nur noch mehr runter", sagt der defensive Mittelfeldspieler. Die Zahlen sind ernüchternd. Das 0:2 gegen den SV Darmstadt 98 war bereits die sechste Saisonniederlage - so viele kassierte der FCA zu einem solch frühen Zeitpunkt einer Saison noch nie. Zudem haben die Fuggerstädter mit der vierten Heimniederlage schon jetzt den Wert der Vorsaison erreicht.

Gerne erinnert man sich am Lech an die Leichtigkeit der vergangenen Spielzeit, die den FCA nach der besten Saison seiner Vereinsgeschichte bis auf einen Europa-League-Platz spülte. Doch gerade diese Unbekümmertheit geht den Augsburgern aktuell ab. "Es ist gerade nicht so, dass mal einer von uns durch drei Mann durchgeht und das Ding in den Winkel haut", stellt Baier fest.

Unermüdlich abschlussfreudig

Dabei versucht es die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl unermüdlich. Nur fünf Teams gaben mehr Torschüsse ab als der FCA. Allerdings fand nur jeder 18. Schuss den Weg ins Tor. In den vergangenen beiden Jahren war noch etwa jeder elfte Versuch drin. Abgesehen von drei Elfmetertoren ließen die bayerischen Schwaben zudem bislang jede hundertprozentige Torchance ungenutzt. "Wir tun uns schwer, effektiv zu sein", gibt FCA-Coach Weinzierl zu.

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Wie man aus wenigen Möglichkeiten das Optimum herausholt, führte unlängst Gegner Darmstadt dem FCA vor Augen. Kompakt verteidigen und in der Offensive Nadelstiche setzen - das war die Taktik des Aufsteigers zuletzt in Augsburg. Zugleich lautete so auch das Augsburger Erfolgsrezept in den letzten Jahren. Doch die Zeiten haben sich geändert, weil der FCA von den Gegnern mittlerweile anders wahrgenommen wird und seine Rolle als Underdog los ist. "Unsere Spielanlage war in den letzten Jahren darauf ausgelegt schnell zu kontern", sagt Weinzierl. "Diese Momente fehlen uns."

Mehr Ballbesitz, weniger Ertrag

Im Vergleich zum Vorjahr haben die Augsburger bislang auffällig viel Ballbesitz zu verzeichnen, gegen Darmstadt waren es sogar 72 Prozent. Der Knackpunkt ist, diese optische Überlegenheit, auch in Tore umzumünzen. "Wir haben gegen tief stehende Gegner unheimliche Probleme das Spiel zu machen", analysiert Weinzierl.

Und noch eine Stärke der Vergangenheit ist den Augsburgern abhanden gekommen. Während das Team im Vorjahr noch 21 seiner 43 Tore in den letzten 30 Minuten fielen, ist es in der aktuellen Spielzeit erst ein magerer Treffer in diesem Zeitraum. Im Gegenzug fing sich der FCA bereits sechs Tore in der letzten halben Stunde. Dem Vereinsrekord von zehn Zu-Null-Spielen aus der Vorsaison steht aktuell erst ein Spiel ohne Gegentor gegenüber.

Vergangenheit als Mutmacher für die Zukunft

"In den letzten zwei Jahren war nur Erfolg da", sagt Kapitän Paul Verhaegh, der sich der Situation kämpferisch stellt: "Wir brauchen Punkte, egal wie. Und so werden wir die Sache angehen." In der Bundesliga wartet mit dem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund am kommenden Samstag jedoch eine schwere Aufgabe.

Zuvor wollen die Augsburger allerdings in der Europa League beim AZ Alkmaar die Erinnerungen an die tolle Vorsaison wieder aufleben lassen. "Es ist gut dieses Spiel zu haben", betont Verhaegh. "Das gibt uns vielleicht ein positives Gefühl für das nächste Bundesligaspiel."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz