Augsburg - Sichtlich amüsiert beobachtete Caiuby in den Katakomben des Augsburger Stadions, wie Marwin Hitz den Journalisten der Reihe nach von seinem Tor erzählen durfte. "Das war schon ein bisschen lustig. Dass ein Torwart ein Tor macht, sieht man nicht so oft. Er soll so weitermachen und beim nächsten Mal die drei Punkte für uns holen", scherzte Caiuby. Zum Sieg reichte es nicht ganz, mit dem 2:2 (0:1) gelang dem FC Augsburg immerhin der erste Punktgewinn gegen Bayer 04 Leverkusen überhaupt.

Nach zuvor sieben Niederlagen in sieben Bundesliga-Duellen, hatte der FCA gegen Bayer 04 erstmals Grund zum Jubeln. Eine Premiere feierte auch Joker Caiuby. Der 26 Jahre alte Neuzugang, der im Sommer vom FC Ingolstadt an den Lech wechselte, erzielte seinen ersten Treffer für seinen neuen Arbeitgeber.

"Keine Vorwürfe, wenn mir kein Tor gelingt"

16 Mal stand er in dieser Saison für die Augsburger auf dem Feld, allerdings erst drei Mal in der Startelf. Der Offensivspieler will sich für weitere Einsätze von Beginn an aufdrängen - als besondere Befreiung wollte der Brasilianer sein Premierentor dennoch nicht bezeichnen. "Es ist immer schön, ein Tor zu machen. Wenn ich reinkomme, gebe ich immer mein Bestes. Aber auch wenn mir kein Tor gelingt, mache ich mir keine Vorwürfe", sagte Caiuby.

Viel wichtiger war ihm, dass er mit seinem Treffer der Mannschaft helfen konnte. Nach dem frühen Rückstand durch Josip Drmic (8.), war Caiubys Ausgleich (59.) der Startschuss einer furiosen zweiten Halbzeit. "Wir waren nach dem Ausgleich die bessere Mannschaft und dem Führungstreffer näher", sagte Trainer Markus Weinzierl (Stimmen FC Augsburg - Bayer Leverkusen). Insbesondere in der 69. Minute, als Raul Bobadilla, Tobias Werner und Halil Altintop nacheinander das 2:1 auf dem Fuß hatten.

Weinzierl geht volles Risiko

Stattdessen kassierten die Augsburger durch Stefan Reinartz‘ abgefälschten Schuss den erneuten Rückstand (84.). "Jede andere Mannschaft ist nach dem 1:2 eigentlich tot, aber wir stehen wieder auf", betonte Weinzierl, der seinen Keeper Hitz in der Nachspielzeit in den gegnerischen Strafraum schickte. "Ich habe mir gedacht: alles oder nichts."

Schon Vier Mal in dieser Saison wandelte der FCA einen 0:1-Rückstand noch in einen Sieg um. Einem fünften Mal stand unmittelbar nach Hitz‘ Tor der rechte Pfosten im Weg. "Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Halil Altintop den Ball in der letzten Sekunde nicht nur an den Pfosten schiebt, sondern ins Tor", sagte Weinzierl.

Ziele werden nicht korrigiert

Mit dem Remis konnte der 40-Jährige allerdings sehr gut leben. 35 Punkte hat seine Mannschaft nun schon auf dem Konto und liegt in der Tabelle weiterhin sensationell auf dem 5. Platz - zwei Punkte vor Gegner Leverkusen. Bei einem Sieg wäre der FCA gar vorübergehend auf Rang 3 geklettert. Doch trotz bereits fünf Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Europapokalplatz weichen die Verantwortlichen den Fragen nach einer Kurskorrektur des Ziels Klassenerhalt weiterhin konsequent aus.

Auch Torschütze Caiuby genießt lieber den Moment: "Wir sind zuhause richtig gut drauf. Wir müssen einfach so weitermachen, dann können jeden schlagen." Den Beweis  wollen die Augsburger in der kommende Woche auch auswärts in Berlin bei Hertha BSC liefern und der viel zitierten 40-Punkte-Marke einen weiteren Schritt näher kommen. Und dann kommt es zu Hause zum Kracher gegen den VfL Wolfsburg.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz