Köln - Im Reitsport ist es ein Qualitätsmerkmal, ein Hindernis möglichst dicht zu überspringen. "Ein gutes Pferd springt knapp", heißt es deswegen. So sparen Reiter und Tier wichtige Sekunden auf dem Weg zum Erfolg. So gesehen wäre Augsburgs Trainer Markus Weinzierl sicher auch ein ausgezeichneter Turnierreiter. Sein Team sprang am Samstag zum ersten Mal seit dem 3. Spieltag wieder auf einen Nichtabstiegsplatz und spielt somit auch in der kommenden Saison in der Bundesliga.

"Wir haben ein kleines Wunder vollbracht", jubelte ein glücklicher Weinzierl nach der Partie ausgelassen (Trainerstimmen). Zuvor musste der FC Augsburg gegen die SpVgg Greuther Fürth bereits früh eine Schrecksekunde überstehen, als Alexander Manninger einen Elfmeter von Edgar Prib parieren konnte. Der österreichische Schlussmann war zunächst geschlagen, doch der erste Versuch von Prib musste wiederholt werden, weil Park Jung-Bin zu früh in den Sechzehner gelaufen war. Mutige, aber vollkommen richtige Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Welz. Die anschließende Parade stellte die Weichen in Augsburg auf Klassenerhalt.

Augsburg lässt nur eine Flanke zu



Der FCA war gegen Fürth deutlich überlegen, hatte 57,6 Prozent Ballbesitz, gewann 52,8 Prozent der Zweikämpfe - nur der VfB Stuttgart hatte eine noch bessere Quote - und ließ kaum Torschüsse der SpVgg zu. Gerade die Außenpositionen stellten die Fuggerstädter effektiv zu. Während des ganzen Spiels segelte nur eine einzige Flanke in den Strafraum von Manninger.

Neben den Augsburgern war 1899 Hoffenheim der ganz große Gewinner des letzten Spieltags. Die Kraichgauer waren aufgrund des schweren Spiels in Dortmund in der Öffentlichkeit quasi schon abgeschrieben, sicherten sich aber durch zwei späte Elfmetertore noch den Relegationsplatz. Der BVB war spielerisch überlegen, aber die Hoffenheimer Akteure warfen kämpferisch alles in die Waagschale und wurden am Ende für ihre Mühen belohnt. Die Teamleistung von 122,7 Kilometern war ebenso der Spieltagsbestwert wie die 12,8 Kilometer, die der Hoffenheimer Mittelfeldmotor Eugen Polanski zurücklegte ().

Starker Casteels hält Hoffenheim im Spiel



Bei zahlreichen Dortmunder Torchancen hatte 1899 das Glück des Tüchtigen - und einen überragenden Koen Casteels im Tor. Dazu bewies Sejad Salihovic bei seinen verwandelten Elfmetern Nervenstärke. Insgesamt trat der Bosnier schon 20 Mal in der Bundesliga zu einem Strafstoß an. 18 Mal zappelte der Ball anschließend im Netz. Zuletzt stand Hoffenheim am 22. Spieltag auf dem Relegationsplatz.

Laufstrecken Teams

Laufstrecken Spieler

Sprints Teams

Sprints Spieler

1899 Hoffenheim 122,7

Eugen Polanski 12,8 km

FC Bayern München 207

Axel Bellinghausen 36

FSV Mainz 05 122,2

Bastian Schweinsteiger 12,7

Bayer Leverkusen 189

Andre Schürrle 34

Borussia Mönchengladbach 121,5

Raffael 12,6

Fortuna Düsseldorf 185

Hiroki Sakai 33

Währenddessen hatte Augsburgs Sascha Mölders schon das erste XXL-Glas Weißbier geleert. Der kampfstarke Stürmer war eine der Schlüsselfiguren des Klassenerhalts - nicht nur wegen seiner zehn Saisontore. "Wenn wir die Klasse halten, trinke ich eine Woche durch", hatte der gebürtige Essener vor der Partie angekündigt. Der Start verlief aus seiner Sicht äußerst vielversprechend. Es dürfte eine kostspielige Woche für den dynamischen Linksfuß werden, aber echte Spitzenpferde sind eben auch im Unterhalt nicht ganz billig.

Florian Reinecke