Augsburg - Überschwänglicher Jubel wollte beim FC Augsburg nicht aufkommen. Die Enttäuschung über die 1:2-Niederlage gegen Hannover 96 überwog. Doch beim Blick auf die Tabelle erhellten sich die Mienen, denn die Qualifikation für die Europa League ist dem FCA praktisch nicht mehr zu nehmen.

Im letzten Heimspiel der Saison hätte sich Markus Weinzierl natürlich einen erfolgreicheren Abschluss gewünscht. "Aber es ist kein Wunschkonzert", entgegnete der FCA-Trainer. "Jeder war ein bisschen bedrückt, aber es gibt keinen Grund dazu. Das große Ganze passt, weil die Konkurrenz für uns gespielt hat."

"Wir sind Siebter, alles andere ist egal"

Da auch die Verfolger Borussia Dortmund, SV Werder Bremen und die TSG 1899 Hoffenheim ihre Spiele allesamt verloren haben, spielt der FC Augsburg in der kommenden Saison international. Höchstens Dortmund könnte - bei gleichzeitiger Niederlage der Augsburger - am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Werder Bremen noch am FCA vorbeiziehen. Die Chancen der Bremer sind ob der um zwölf Tore schlechteren Tordifferenz gegenüber Augsburg indes nur theoretischer Natur.

"Wir sind sicher Siebter, alles andere ist mir egal", brachte es Daniel Baier auf den Punkt. Und weil der DFB-Pokalsieger entweder VfL Wolfsburg, der bereits für die Champions League qualifiziert ist, oder Borussia Dortmund heißt, berechtigt auch Rang sieben zur Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League. "Das ist Wahnsinn", betonte Paul Verhaegh. "Letztes Jahr waren wir Achter. Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass das noch zu toppen ist."

Größter Erfolg der Clubgeschichte

In den vergangenen Wochen geriet die erste Europapokal-Teilnahme der Clubgeschichte in der Tat noch mal ernsthaft ins Wanken. Dem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg am 24. Spieltag folgten nur zwei weitere Dreier. Für Baier ist das nun alles zweitrangig: "Wir haben das Größte in der bisherigen Bundesliga-Geschichte des FC Augsburg geschafft, weil die anderen scheinbar noch schlechter sind als wir."

Über die Zwischenstände der anderen Mannschaften informierte sich Trainer Weinzierl erst in der Nachspielzeit, während der Partie wurden auf der Videoleinwand der SGL-Arena keine Spielstände von den anderen Plätzen eingeblendet.

Ohne Bobadilla und Verhaegh nach Gladbach

Dabei verpasste der Coach die hitzigen Schlussminuten, in denen Raul Bobadilla mit seiner Roten Karte für den dritten Platzverweis des Spiels sorgte. Nach Hannovers Hiroki Sakai war bereits Augsburgs Torschütze Verhaegh mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt worden. Und Toptorjäger Bobadilla sowie Kapitän Verhaegh werden kommende Woche im Spiel bei Borussia Mönchengladbach fehlen. "Das tut uns für den Endspurt weh, weil es noch darum geht, sich direkt zu qualifizieren. Aber wir werden eine gute Mannschaft stellen, und die zwei müssen wir ersetzen", sagte Weinzierl.

Nur der Tabellenfünfte qualifiziert sich direkt für die Gruppenphase der Europa League. Als Tabellensechster oder -siebter müssten die Augsburger in die Play-offs. "Die Qualifikationsspiele sind auch Europapokal", sagte Weinzierl. "Aber wir werden alles dafür tun, in Gladbach zu bestehen und zu punkten, um sicher im Europapokal dabei zu sein." Gegen das beste Rückrundenteam der Bundesliga wird dies allerdings kein leichtes Unterfangen, seit 13 Spielen ist die Borussia ungeschlagen, macht sich noch Hoffnung auf die Vizemeisterschaft. Zuschauer Verhaegh ist dennoch optimistisch: "Wir wollen die Saison mit einem guten Gefühl abschließen." Spätestens dann dürfte auch die entsprechende Freude darüber aufkommen.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz