München - In Teil 2 des Interview spricht Ewald Lienen über den Lauf des FC Augsburg, Hoffenheims Chancen und mögliche Konstellationen in der Relegation.

bundesliga.de: Herr Lienen, die Fortuna muss noch nach Frankfurt, spielt dann gegen Nürnberg und reist zum Abschluss nach Hannover. Ein machbares Restprogramm?

Lienen: Vom Papier her nicht schlecht. In Frankfurt wird es natürlich nicht leicht, weil die noch ums internationale Geschäft kämpfen, aber die spielen derzeit auch nicht wie vom anderen Stern. Gegen Nürnberg muss man in der Situation gewinnen und für Hannover geht es um nichts mehr. Aber auch Düsseldorf hat neun Spiele lang nicht gewonnen.

bundesliga.de: Den FC Augsburg hatten viele zur Winterpause schon abgeschrieben. Im Jahr 2013 fuhr der FCA 21 Punkte ein - Platz 6 der Rückrundentabelle. Hat Sie das überrascht?

Lienen: Das war zumindest in der Form nicht zu erwarten. Den Augsburgern kommt die Erfahrung im Abstiegskampf zugute - anders als den Konkurrenten. Im Vorjahr haben sie den Klassenerhalt auch in der Rückrunde klargemacht.

bundesliga: Sie vermissen in Bremen Führungsspieler und Hierarchie. Braucht man im Abstiegskampf so einen Fighter wie Sascha Mölders, der Mannschaft und Fans mitreißt und auch noch Tore schießt?

Lienen: Mölders ist natürlich mit ganzem Herzen dabei, aber so einfach ist es nicht. Augsburg hat eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern. Und Markus Weinzierl leistet gute Arbeit.

bundesliga.de: Augsburg muss nach Freiburg, zum FC Bayern und zum Schluss kommt Absteiger Fürth...

Lienen: Ein schweres Restprogramm. Freiburg will noch nach Europa. Über Bayern müssen wir nicht reden, die wollen Rekorde aufstellen. Gegen Fürth müssen die Augsburger gewinnen. Aber ob die drei Punkte reichen? Ich glaube, sie brauchen am Wochenende einen Punkt in Freiburg. Sonst wird es eng.

bundesliga.de: 1899 Hoffenheim wollte oben angreifen und hatte sogar die Champions League als Ziel vorgegeben. Nun steht die TSG auf Platz 17. Wie lässt sich das erklären?

Lienen: Das kann man nicht erklären. Da scheint vieles nicht gestimmt zu haben, das kann ich aus der Ferne aber nicht beurteilen. Denn die Mannschaft hat ihre Qualitäten, was sie in den letzten Wochen ja auch zeigt.

bundesliga.de: Die Hoffenheimer sagten nach dem Spiel in Wolfsburg, dass sie den Schwerpunkt aufs Spielerische legen und die Tabelle ihnen egal sei. Geht Abstiegskampf mit spielerischen Mitteln?

Lienen: Allein mit spielerischen Mitteln sicher nicht. Aber ich kann natürlich Technikern nicht erzählen, dass sie grätschen müssen. Ich habe Hoffenheim in den letzten Wochen mehrmals gesehen. Die Mannschaft besticht durch eine unglaubliche Laufleistung. Die Spieler gehen weite Wege und arbeiten intensiv gegen den Ball. Das war in den Jahren 2011 und 2012 das Erfolgsgeheimnis von Borussia Dortmund. In dieser Saison spielen auch die Bayern so - und aktuell auch Hoffenheim.

bundesliga.de: Hoffenheim muss nach Bremen, dann kommt der Hamburger SV und zum Abschluss geht's nach Dortmund...

Lienen: Das entscheidende Spiel ist am Wochenende in Bremen. Das müssen sie gewinnen. Der HSV ist auch kein Selbstgänger, weil die Hamburger noch ums europäische Geschäft kämpfen. Und Dortmund wird die Generalprobe vor dem Champions-League-Finale sicherlich positiv gestalten wollen. Für Hoffenheim spricht das Selbstvertrauen, das sie in den letzten Wochen erarbeitet haben.

bundesliga.de: Ihr Fazit bitte: Wer steigt direkt ab und wer bekommt die Chance zur Relegation?

Lienen: Das ist völlig offen, aber ich bin ziemlich sicher, an diesem Wochenende fallen schon erste Vorentscheidungen. Augsburg und Hoffenheim haben einen kleinen Vorteil, da sie in einem Aufwärtstrend sind, während Bremen und Düsseldorf sich in einem Abwärtstrend befinden. Das Restprogramm spricht allerdings gegen Augsburg.

bundesliga.de: Unabhängig davon, wer in die Relegation kommt: Wie sind die Chancen gegen den Dritten der 2. Bundesliga?

Lienen: Da sehe ich einen leichten Vorteil für den Zweitligisten, wie es ja auch im Vorjahr war. Der kommt aufgrund vieler Erfolgserlebnisse mit breiter Brust, während das Selbstbewusstsein des Bundesligisten doch sehr angekratzt ist.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs


Hier geht's zu Teil 1