Alkmaar - Nach dem hart erarbeiteten Sieg in Alkmaar will der FC Augsburg auch in der Liga durchstarten. In den Niederlanden gewannen die Augsburger dank eines hervorragenden Keepers und einer konzentrierten Mannschaftsleistung. Das macht Trainer Weinzierl für das Dortmund-Spiel (Sonntag, ab 15.00 Uhr im Liveticker) ebenso Mut wie der Torriecher eines Neuzugangs.

Piotr Trochowski musste ein wenig überlegen, ehe er die Frage beantworten konnte. "Der Mann des Tages? Am Schluss war es auf jeden Fall Marwin Hitz. Ohne seine Parade hätten wir hier nur einen Punkt mitgenommen." Tatsächlich hatte der Schweizer Nationalkeeper im Tor des FCA gleich viermal in höchster Not vor Alkmaarer Angreifern gerettet. Sein Reflex in der Nachspielzeit, in der er einen Schuss von Markus Henriksen entschärfte, fiel gar in die Kategorie "Weltklasse", wie nicht nur Sportdirektor Stefan Reuter fand. Und doch plädierte Trochowski aus gutem Grund dafür, den Ehrentitel "50:50" auf zwei Akteure aufzuteilen. Auf Hitz, den Defensivhelden. Und auf ihn selbst.

Tatsächlich hatte der 35-fache Nationalspieler allein in der Anfangsphase drei Mal aufs Alkmaarer Tor geschossen, sein sehenswerter Freistoßtreffer aus 25 Metern setzte seinem couragierten Auftritt vor allem im ersten Durchgang die Krone auf. In einem Team, das sich im bisherigen Saisonverlauf meist zu wenige Torchancen herausspielte, sind Trochowskis Mut und seine Abschlussqualitäten hochwillkommen. "Wenn du ständig so viel arbeitest und kaum mal belohnt wirst, tut das weh", sagte dann auch Trainer Markus Weinzierl, der die fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Tor als eines der Hauptprobleme im bisherigen Saisonverlauf ausgemacht hat. "Umso wichtiger ist, dass wir uns heute belohnt haben."

Sieg ist Balsam für die FCA-Fanseele

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Den Augsburger Fans, die an diesem milden Herbstabend in Nordholland noch Minuten nach dem Abpfiff ihre Helden hochleben ließen, merkte man an, wie wichtig dieser Sieg für sie war. Nicht nur, weil nun plötzlich wieder Chancen bestehen, die Gruppenphase der Europa League zu überstehen. Sondern weil das Erfolgserlebnis auf europäischem Terrain endlich den langerhofften Kick für die Lage bringen soll. Zumal der FCA nicht nur hinten und vorne einen herausragenden Individualisten hatte, sondern insgesamt als Mannschaft überzeugte. Auch Spieler, die sich zunächst schwertaten – wie Ragnar Klavan – kämpften sich in die Partie, Caiuby oder Tobias Werner, die vorne kaum Akzente setzen konnten, ackerten nach hinten und sorgten für wichtige Balleroberungen. Bis zum Sonntag, wenn der FCA bei Borussia Dortmund antritt, wird Trainer Weinzierl deshalb sicher auch die ein oder andere Szene aus dem Alkmaar-Spiel ins Videostudium einbauen. Zeit genug dafür ist auf jeden Fall, schließlich bleiben die Fuggerstädter bis Sonntag im Westen und verzichten auf die zwischenzeitliche Heimfahrt.

Callsen Bracker beschwört den Neustart

"Ich hoffe, dass das heute jetzt die Initialzündung war", sagte der starke Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Und Trochowski hoffte, dass man "die Euphorie jetzt mitnehmen" könne. "Wenn wir weiter so zusammenarbeiten wie heute, ist auch in Dortmund etwas drin", freute sich Trochowski auf die Partie. "Das wird aber natürlich ein ganz anderes Spiel als heute. Dortmund ist noch mal ein Stück spielstärker." Glaubt man Trochowskis Trainer Weinzierl, ist das aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: "Wir haben bei den Bayern eine gute Leistung gezeigt und das traue ich der Mannschaft auch in Dortmund zu."

Von Christoph Ruf