München - Das Augsburger Abenteuer beginnt. Von dem alles andere als wunschgemäß verlaufenen Saisonstart will sich der FC Augsburg nicht die Vorfreude auf die Premiere in der Europa League nehmen lassen. Der bitteren 1:2-Niederlage beim FC Bayern München konnten die Augsburger durchaus Positives abgewinnen. Nun liegt der Fokus voll auf dem Auftritt in Bilbao heute Abend.

In aller Ruhe erfolgte die Verarbeitung des Rückschlags. Am Montag gab Trainer Markus Weinzierl seinen Profis noch mal einen Tag frei, ehe am Dienstag die intensive Vorbereitung auf das erste Gruppenspiel in der Europa League beginnt. "Das ist ein separater Wettbewerb, auf den wir uns freuen", sagte Weinzierl. "Wir haben uns das im letzten Jahr hart erarbeitet. Wir werden die mindestens sechs Spiele genießen."

"Riesen-Highlight" zum Auftakt

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Gleich die erste Aufgabe in der Gruppe L hat es in sich. Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker bezeichnete die bevorstehende Partie bei Athletic Bilbao am Donnerstag als "Riesen-Highlight". Im 50.000 Zuschauer fassenden und 2013 neu errichteten San Mamés im Herzen der baskischen Metropole erwartet die Fuggerstädter eine ganz besondere Atmosphäre.

Zwar ist Athletic eher durchwachsen in die Saison gestartet, erst am Wochenende gelang im dritten Spiel der erste Sieg und damit der erste Punktgewinn in der Primera Division überhaupt. Doch der Europa-League-Finalist von 2012 ließ mit dem Triumph über den FC Barcelona im spanischen Supercup-Finale im August (4:0 im Hinspiel, 1:1 im Rückspiel) aufhorchen.

Wie zuletzt in München sind die Augsburger daher auch in Bilbao in der Außenseiterrolle. Dass der FCA sich darin gefällt und durchaus zu einer Überraschung fähig ist, hat der Auftritt am Samstag gezeigt. "In München so eine Leistung gezeigt zu haben, gibt uns auf jeden Fall Selbstvertrauen", betonte Callsen-Bracker. Auch Trainer Weinzierl war trotz des fehlenden Lohns in Form eines Punktgewinns stolz auf seine Spieler. "Die Mannschaft hat wieder ihr altes Gesicht gezeigt und toll gekämpft", hob der 40-Jährige hervor.

Mehr Optionen mit Koo und Trochowski

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Vor allem ein altbekanntes Gesicht hinterließ dabei einen äußerst positiven Eindruck: Rückkehrer Ja-Cheol Koo bestritt sein erstes Bundesligaspiel für den FCA seit Mai 2013 und lieferte gleich eine technisch anspruchsvolle Vorlage zu Alexander Essweins Führungstreffer ab. "Dafür, dass er erst seit Kurzem bei der Mannschaft ist, hat er seine Sache gut gemacht", lobte Weinzierl. Zudem ist ein weiterer Neuzugang schneller als gedacht wieder eine Option: Piotr Trochowski saß nach überstandener Meniskusverletzung beim Spiel gegen seinen Ex-Club FC Bayern erstmals auf der Bank der Augsburger.

Verzichten muss Markus Weinzierl auf Raul Bobadilla, Jeong-Ho Hong und Caiuby, die die Reise nach Bilbao am Mittwochmorgen nicht mitantreten konnten. "Trotzdem sind wir optimistisch für morgen und werden eine gute Mannschaft aufstellen können", so der 40-Jährige.

Altintop verständnisvoll

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Dort nahm auch Halil Altintop Platz, für ihn eine ungewohnte Situation. Erst zum zweiten Mal seit seinem Wechsel 2013 saß der offensive Mittelfeldspieler in einem Bundesligaspiel der Augsburger zunächst auf der Bank. "Halil versteht das, dass wir die Kräfte aufteilen, weil wir jetzt alle drei Tage spielen. Da werden andere auch mal nicht spielen, das sind ganz normale Entscheidungen", erklärte Weinzierl.

Altintop zeigte Verständnis. "Wir haben mittlerweile einen großen Kader, da will jeder spielen", sagte der 32-Jährige. "Wir haben noch sehr viele Spiele vor uns und ich bin mir sicher, dass ich noch eine gute Rolle spielen werde." Am liebsten schon beim Europapokal-Debüt in Bilbao.

"Fühlen uns in Außenseiterrolle wohl"

"Wir sind der Außenseiter, aber in dieser Rolle fühlen wir uns am wohlsten. Unser klares Ziel ist es, zwei Teams in der Tabelle hinter uns zu lassen. Es wäre schön, wenn wir gemeinsam mit dem Athletic Club die nächste Runde erreichen", sagt Markus Weinzierl. "Es macht uns stolz, hierher gekommen zu sein, aber das ist das Ergebnis von harter Arbeit. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir zurecht in der Europa League spielen", ergänzt sein Schützling Daniel Baier, für den es - wie für die meisten anderen im Team, der erste Auftritt auf internationalem Parkett sein wird.

Aus München berichtet Maximilian Lotz