"Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht", bewertet Werders Sportdirektor Klaus Allofs das torlose Remis gegen den FC Bayern München zu Recht positiv.

Über weite Strecken der Partie - Innenverteidiger Naldo sah bereits in der 15. Spielminute wegen einer Notbremse die Rote Karte - mussten die Bremer mit zehn Mann dem Druck der Gäste standhalten.

Mit Erfolg: Die "Grün-Weißen" boten kämpferisch eine tadellose Leistung, brachten den Rekordmeister mit gefährlichen Kontern ihrerseits das ein oder andere Mal in Verlegenheit und hatten in Person von Claudio Pizarro sogar die beste Möglichkeit des Spiels (72.).

Werder scheint rechtzeitig vor dem so wichtigen DFB-Pokal-Viertelfinale beim VfL Wolfsburg (Mi., ab 18:45 im Live-Ticker) wieder auf dem besten Weg, in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Werder beweist Moral

"Natürlich hätten wir gerne gewonnen, Siege fühlen sich noch besser an. Aber die Mannschaft hat gegen Bayern Moral bewiesen, das steht im Vordergrund", sagt Allofs, der einen Aufwärtstrend erkannt haben will: "Wir haben die gute Leistung, die wir schon in Mailand gezeigt haben, bestätigt. Wir haben jetzt zwei sehr gute Spiele hintereinander gemacht. Ich hoffe, dass es in dieser Form weiter geht."

Für Werder gilt es nun, nicht nachzulassen, schließlich hätten die Bremer noch "Nachholbedarf", so Allofs. "Wir dürfen uns jetzt nicht auf diesen beiden Spielen ausruhen", fordert der Sportdirektor.

Naldo für drei Spiele gesperrt

Obwohl etwas Ruhe den Bremern gewiss gut tun würde. Die Partie gegen München hat viel Kraft gekostet, nicht zuletzt weil Werder lange Zeit in Unterzahl agieren musste. Per Mertesacker rutschte in einer vergleichsweise ungefährlichen Situation unglücklich aus, verlor den Ball an Bastian Schweinsteiger, der kurz vor dem Strafraum regelwidrig von Naldo gestoppt wurde - Notbremse, Platzverweis.

"Ich bin für Naldos Rote Karte mit verantwortlich. Ich bin in der entscheidenden Aktion ausgerutscht. Es tut mir leid für Naldo und für die Mannschaft", schildert Mertesacker die Situation, die zum Platzverweis für den Brasilianer führte.

Der Sportgerichtshof des Deutschen Fußballbundes (DFB) hat inzwischen die Strafe für Naldo verhängt: Der Innenverteidiger wurde für drei Spiele gesperrt.

Vander zum "Spieler des Spiels" gewählt

Bremen steckte den Ausfall in der Folgezeit gut weg, darf sich aber in erster Linie bei Torhüter Christian Vander für den Punktgewinn bedanken. Der 28-Jährige ersetzte wie schon in Mailand die etatmäßige Nummer 1, Tim Wiese, bot eine tadellose Leistung und wurde von den Journalisten folgerichtig zum "Spieler des Spiels" gewählt.

"Zu null zu spielen ist immer schön. Ich glaube meine Leistung war in Ordnung", übt sich der Keeper in Bescheidenheit. Allofs dazu: "Wir haben immer betont, wie zuverlässig Christian ist. Den kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Tor stellen. Gegen Bayern hat er überragend gehalten."

Wer steht in Wolfsburg im Kasten der Bremer?

Vander wird am Mittwoch in Wolfsburg aber nicht das Tor der Bremer hüten können. Der Keeper hat sich im Spiel gegen die Münchner einen Muskelfaserriss zugezogen und wird bis auf weiteres ausfallen.

Gut möglich, dass Wiese seine Verletzung im Oberschenkel bis zum DFB-Pokal-Viertelfinale auskuriert hat und wieder zwischen den Pfosten steht. Ansonsten wird Trainer Thomas Schaaf auf die U-23-Torhüter Sebastian Mielitz und Nico Pellatz zurückgreifen müssen.

"Wölfe" sind angriffslustig

So oder so wird es für Werder beim VfL eine knifflige Aufgabe. Das Team von Trainer Felix Magath führt die Rückrundentabelle an, kann die beste Heimbilanz aller Bundesligisten vorweisen und stellt mit 45 erzielten Toren nach 1899 Hoffenheim den besten Angriff der Liga.

Zuletzt stillten die "Wölfe" ihren Torhunger beim Hamburger SV und entführten nach einem 3:1-Auswärtssieg drei Punkte aus der Hansestadt. "Man kann nur den Hut vor der Leistung der Wolfsburger ziehen. Sie haben eine sehr gute Mannschaft und wer in Hamburg gewinnt, der muss schon was drauf haben", warnt Allofs, gibt aber sogleich die Marschroute vor: "Wir wollen im Pokal weit kommen. Wir können überall gewinnen, das wissen auch die Wolfsburger."

Aus Bremen berichtet Timo Strömer