Dass 1899 Hoffenheim in seiner ersten Saison in der Bundesliga mithalten kann, davon gingen nicht nur die Experten aus. Nach dem 1:0-Erfolg über Borussia Mönchengladbach am 2. Spieltag steht der Aufsteiger nun weiterhin an der Tabellenspitze. Hoffenheim steht Kopf und die Sympathisanten des Clubs freuen sich mit den Kickern um Trainer Ralf Rangnick.

So hielt es auch Dietmar Hopp trotz des strömenden Regens nach Schlusspfiff nicht auf seinem Tribünenplatz. Der Software-Milliardär eilte nach Spielende auf den Rasen des Carl-Benz-Stadions in Mannheim und herzte seine Himmelsstürmer.

Die Bundesliga-Neulinge hatten Minuten zuvor ihre Heimpremiere dank des dritten Saisontreffers von Vedad Ibisevic (31.) gewonnen, und die Freude des Mäzens war mehr als nachvollziehbar: Vier Tore, kein Gegentor, sechs Punkte als Maximal-Ausbeute - und der komfortable Blick von ganz oben auf die Konkurrenz.

Rangnick bremst Euphorie

Nicht ganz so herzlich wie die Gesten Hopps waren die Worte von Ralf Rangnick. Der Trainer hatte für sein Team zwar Lob parat ("Aufgrund des klaren Chancenverhältnisses zu unseren Gunsten haben wir am Ende hochverdient gewonnen"), bremste aber gleichzeitig die aufkommende Euphorie.

"Die Tabellensituation ist zwar schön. Aber wir sind schlau genug und nicht so naiv, um zu glauben, dass dies dauerhaft die Realität widerspiegelt", erklärte der Coach der Hoffenheimer nach dem starken Auftritt seiner Elf im Mannheimer Exil. In der Rückrunde wird Aufsteiger 1899 seine Heimspiele dann in der neu gebauten, 30.000 Zuschauer fassenden Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim austragen.

Rangnick: "Wir haben immer die Möglichkeit, Spieler zu holen"

Obwohl am Spiel der Hoffenheimer außer der mangelhaften Chancenauswertung kaum etwas auszusetzen war und der Club aus dem 3.300 Einwohner zählenden Stadtteil von Sinsheim wohl nichts mit dem Abstieg zu tun haben dürfte, müssen sich die zukünftigen Gegner sogar auf einen noch stärker werdenden Aufsteiger einstellen. Weitere Transfers sind nicht ausgeschlossen.

Rangnick machte deutlich, dass Hoffenheim dank Hopp der Club der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten ist. "Wenn ein Spieler auf dem Markt ist, der zu uns passt, dann haben wir immer die Möglichkeit, den Spieler zu holen", sagte der Coach, der in Kürze wieder auf seinen für die Olympischen Spiele abgestellten nigerianischen Starstürmer Chinedu Obasi bauen kann.

Gladbach bleibt ruhig

Die Gladbacher hingegen stehen nach zwei Pleiten zum Auftakt mit leeren Händen da. Das Team von Trainer Jos Luhukay war im Spiel gegen Hoffenheim zwar bemüht, vor dem gegnerischen Tor aber harmlos. Für den niederländischen Coach besteht trotz des klassischen Fehlstarts allerdings kein Grund zur Panik.

"Nach zwei Spieltagen fallen keine Entscheidungen. Wir müssen und werden weiter daran glauben, dass die Wende kommt. Ich zweifle keine Sekunde daran", betonte Luhukay, der nach eigener Aussage seiner Mannschaft "keinen Vorwurf machen" konnte.

Neuville fordert: "Müssen Chancen nutzen"

Düsterer als der Trainer sieht Nationalspieler Oliver Neuville, der aufgrund seines Trainingsrückstands erst nach einer Stunde sein Saisondebüt feiern durfte, die Situation: "Der Einsatz war zwar da, aber am Ende stehen null Punkte nach zwei Spielen. Das ist die Lage. Jetzt müssen wir im nächsten Spiel gegen Bremen endlich unsere Chance nutzen."

Die Chance genutzt, haben in jedem Fall die Hoffenheimer.