Köln - Die Aufsteiger aus Darmstadt und Ingolstadt gingen als große Außenseiter in die Saison. Nach sieben Spieltagen fällt die Zwischenbilanz glänzend aus: Beide Aufsteiger stehen in der oberen Tabellenhälfte. Von ihren zusammen genommenen 14 Spielen haben sie nur drei verloren. So viele Niederlagen kassierte Champions-League-Teilnehmer Leverkusen alleine. Beide Aufsteiger sind alles andere als leicht zu bespielen, wie die von bundesliga.de zusammengestellten Fakten belegen.

Die Darmstädter stehen auf Rang 9. Eine bessere Platzierung gab es für die Lilien in der Bundesliga noch nie. Die Platzierung wird umso beachtlicher, schaut man sich die Gegner der ersten sieben Spieltage an: Darmstadt spielte bereits auswärts in Schalke (1:1), in Leverkusen (1:0) und in Dortmund (2:2) sowie zu Hause gegen die Bayern (0:3) – damit gegen vier Schwergewichte der Liga. Beim 2:2 in Dortmund teilte sich Darmstadt im siebten Saisonspiel schon zum vierten Mal die Punkte, kein anderes Team spielte so oft remis. Der Punkt beim BVB fühlte sich an wie ein Sieg. Die einzige Saisonniederlage kassierten die Darmstädter zu Hause beim 0:3 gegen die Bayern – eine sensationelle Zwischenbilanz.

Erfahrung ist Trumpf in Darmstadt

Darmstadt trat in Dortmund mit der ältesten Startelf seiner Bundesliga-Geschichte an (Schnitt 28,5 Jahre). Insgesamt ist in dieser Saison nur die Mannschaft des FC Augsburg noch älter als die der Lilien. Der erfolgreiche Start ist auch der Routine geschuldet.

In Dortmund resultierten aus vier Darmstädter Torschüssen zwei Treffer. Insgesamt war in dieser Saison im Schnitt jeder sechste Versuch der Lilien auch ein Tor, damit bewegen sich die Hessen auf einem Niveau mit Bayern und dem BVB, den besten und auch effektivsten Teams der Liga.

Starke Standards der Hessen

Und die Standards der Hessen sind immer zu beachten, wie bereits in Leverkusen (zum 1:0-Sieg) traf Kapitän Aytac Sulu auch beim BVB nach einem Freistoß (in der 90. Minute zum Ausgleich). Eine weitere Stärke ist das Konterspiel. Darmstadt traf bereits drei Mal nach schnellen Gegenangriffen, nur Frankfurt und Hoffenheim waren erfolgreicher.

So kompromisslos wie kaum eine andere Mannschaft versucht Darmstadt das schnelle Spiel nach vorne umzusetzen. Trainer Dirk Schuster weiß ganz genau, dass sein Team nicht dazu in der Lage ist, eine gut formierte Defensive der Gegner auseinanderzukombinieren.

Am 8. Spieltag geht es zu Hause gegen Mainz, das letzte Heimspiel gewannen die Lilien mit 2:1 gegen Werder Bremen, für die Darmstädter war es der erste Bundesliga-Heimsieg seit dem 16. Januar 1982 (1:0 gegen Bielefeld). Mit zwei Heimsiegen in Folge würden die Hessen bereits ihren Rekord in der Bundesliga einstellen, bislang gab es zwei Mal eine solche „Serie“.

Der FC Ingolstadt 04 ist eine eingespielte Einheit

Ralph Hasenhüttl setzt auf einen hohen Wiedererkennungswert im Spiel seines Teams: Frühes Pressing ist das Ziel, Ingolstadt will den Gegnern richtig lästig werden, sie nicht zur Entfaltung kommen lassen.

Das gelang bislang bemerkenswert gut, vor allen in den Auswärtsspielen. Bei Balleroberungen schaltet der FCI schnell um. Grundsätzlich sind Offensivaktionen aber eher ein Abfallprodukt der Arbeit gegen den Ball. Auf Ballbesitzfußball mit langen Offensivstafetten wird nicht gesetzt.

Personell setzte man beim FCI auf Kontinuität, dem Stamm des Aufstiegsteams wurde vertraut. Der Vorteil ist, dass das Team eingespielt daherkommt. Wie schon auf früheren Stationen versteht es Hasenhüttl, eine geschlossene Einheit zu formen. Selbst in der englischen Woche verzichtete Ralph Hasenhüttl auf Rotation, ließ drei Mal die identische Elf beginnen. Hasenhüttl war der einzige Trainer, der letzte Woche auf Rotation komplett verzichtet hat. Der Aufsteiger lebt halt von den Automatismen.

Ingolstadt setzt vor allem auswärts Maßstäbe

Ingolstadt hat nun elf Punkte auf dem Konto, mehr für einen Aufsteiger nach sieben Spieltagen waren es in den letzten sechs Jahren nur 2012 für Eintracht Franfurt (16). In der Auswärtstabelle belegt Ingolstadt den ersten Platz. Der FCI ist der erste Aufsteiger der Bundesliga-Historie, der die ersten drei Auswärtsspiele einer Saison gewann.

Die Auswärtsstärke ist nichts Neues: Ingolstadt hatte schon in der letzten Zweitligasaison nur zwei Gastspiele verloren, stellte von Oktober 2013 bis Oktober 2014 mit 19 ungeschlagenen Gastspielen in Folge einen Zweitligarekord auf. Das Geheimnis der Auswärtsstärke ist die gute Defensive: Der FCI kassierte auswärts erst ein Gegentor (wie sonst nur die Bayern in dieser Saison).

Die Defensive macht’s möglich

In vier der bislang sieben Saisonspiele stand die Null – wie sonst nur bei den Topteams Bayern und Schalke. Dank der der tollen Defensive muss der FCI offensiv nicht viel leisten, um zu punkten. Alle anderen Bundesligisten haben mehr Tore erzielt als der FCI, der erst vier Mal traf.

Mit ihren vier Toren haben die Ingolstädter elf Punkte geholt, jedes einzelne Tor war also 2,8 Punkte wert. Damit haben die Ingolstädter einen Bundesliga-Rekord aufgestellt: Nie zuvor hatte ein Bundesligist mit vier oder weniger Toren an den ersten sieben Spieltagen so viele Punkte auf der Uhr wie der FCI – bislang maximal zehn.

Ingolstadt versteht es geschickt, die Räume eng zu machen. Die Gegner des FCI kamen in dieser Saison durchschnittlich nur auf eine Laufstrecke von 111 Kilometern – Ligaminus. Räume zum Spielen lässt der FCI nicht zu.