Frank Heinemann hatte bisher nur ein paar Tage Zeit, um den VfL Bochum wieder auf Vordermann zu bringen. Doch seine Arbeit scheint zu fruchten.

Der VfL präsentiert einen neuen, einen frischen Stil. Das 1:0 (1:0) beim 1. FC Nürnberg, war ein erster erfolgreicher Ausdruck des Wandels, der auch dem Interimstrainer nutzen könnte.

Ob Heinemann die Verantwortung einmal dauerhaft tragen darf, bleibt einstweilen ungewiss. Der zweite Saisonsieg, lobte Manager Thomas Ernst, "spricht absolut für ihn, er trifft den Ton", die Mannschaft trete "gut auf" und zeige "ein anderes Gesicht".

Bochum weiter auf Trainersuche

Alles gute Argumente für den Interimstrainer, doch Ernst betonte, dass Heinemann eine Übergangslösung bleibe: "Wir suchen einen Cheftrainer, der erstmal nicht Frank Heinemann heißt." Das "erstmal" ist aber auch keine endgültige Absage an das Bochumer Urgestein.

Nun ist nach dem 0:3 im DFB-Pokal gegen Schalke 04 und dem verdienten Sieg in Nürnberg durch den Treffer von Diego Klimowicz (7.) für Euphorie wahrlich kein Anlass, denn: "Nürnberg war nicht wirklich gefährlich", wie Torhüter Andreas Luthe zurecht anmerkte.

"Das passt"

Doch die Entlassung von Marcel Koller und die ersten Korrekturen von Heinemann zeigen die von den Vereins-Verantwortlichen erhoffte Wirkung. "Wenn wir dieses Engagement weiter so bringen, können wir gegen jeden Gegner bestehen", sagte Paul Freier.

"Das passt", befand Torschütze Klimowicz über die bisherige Zusammenarbeit mit Heinemann. Vom Einsatz her überzeugte der VfL schon gegen Schalke, in Nürnberg "sind wir auch spielerisch einen Schritt weitergekommen", erklärte der Coach, dem die Erleichterung über den Sieg ausgerechnet beim Club deutlich anzumerken war: "Das war kein Endspiel, aber ein wichtiges Spiel. Wenn wir das verloren hätten, wären wir vier Punkte hinter Nürnberg gewesen."

Nürnberg völlig von der Rolle

Der Club war allerdings auch kein ebenbürtiger Gegner. "Man hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können", räumte Trainer Michael Oenning ein. Es war so eine Art Abstiegs-Endspiel am siebten Spieltag, doch dafür fehlte den Nürnbergern völlig die Einstellung. "Wir müssen wieder zurück den Grundfesten kommen, was Fußball zu Hause ausmacht", sagte nach der dritten Niederlage im vierten Heimspiel der ernüchterte Sportdirektor Martin Bader.

Nach durchaus noch respektablen Vorstellungen gegen Bayern München in der Liga (1:2) und 1899 Hoffenheim im Pokal (0:1) war der Club vor 35.376 Zuschauern diesmal von der Rolle. Die Abwehr wackelt, das größte Problem aber ist: Nicht mal gegen die bislang schwächste Abwehr der Liga gelang dem weiter harmlosesten Angriff der Liga ein Treffer.

Bader ernüchtert

"Das sind Dinge, die dich schon ins Grübeln bringen", sagte Bader und klagte: "Wir schießen nicht nur zu wenig Tore, wir sind auch im Strafraum zu wenig präsent."

Rückschläge haben die Verantwortlichen beim Club erwartet, "aber nicht, dass sie so früh in der Saison kommen", gab Oenning zu. Die anfängliche Euphorie in Nürnberg ist verflogen. "Wir müssen jetzt schauen", sagte deshalb Sportdirektor Bader, "dass wir das Spiel in Leverkusen einigermaßen erträglich hinbekommen." Optimismus klingt anders.