Nach dem 3:3-Unentschieden gegen den Hamburger SV hat sich der 1. FC Köln vorerst aller Abstiegssorgen entledigt.

Die Domstädter rangieren mit 25 Punkten auf dem Konto auf Rang 11 noch vor dem deutschen Meister VfL Wolfsburg und mit einem komfortablen Acht-Punkte-Polster auf Relegationsplatz 16. Am Mittwoch hat der FC zudem die große Chance, mit einem Sieg in Augsburg ins Halbfinale des DFB-Pokals einzuziehen.

Neuer Offensivstil

Was ist nur in der Winterpause mit dem 1. FC Köln passiert? Wohl kein anderer Bundesligist hat seine Spielweise so radikal verändert wie die Rheinländer. Während sich die Truppe von Trainer Zvonimir Soldo in der Hinserie ihre 18 Punkte zumeist mit einer unansehnlichen Defensivtaktik "ermauerte", lediglich zehn Tore erzielte und zehn Mal ohne Gegentor blieb, verwandelte sich der FC in ein Team, das für Spektakel steht und dabei auch noch gegen starke Clubs erfolgreich Punkte sammelt.

Mit Beginn der Rückrunde produzieren die "Geißböcke" Tore -und Gegentore - im Überfluss: 2:3 gegen Dortmund, 3:2 in Wolfsburg, 2:1 in Frankfurt und nun das 3:3 gegen den HSV. Das macht unter dem Strich 10:9 Tore und sieben Punkte. Der neue Offensivstil begeistert die Fans, die in der Hinrunde nicht nur bei sechs Nullnummern karge Fußballkost serviert bekamen.

"Die Laufwege sind verbessert - gewisse Spielzüge automatisiert"

Die Torflut ist umso erstaunlicher, da sie ohne Mitwirken von Topstürmer Lukas Podolski zustande kam, der seit Wochen wegen Rückenproblemen verletzt fehlt. Doch dank der enorm fleißigen, laufstarken und inzwischen auch torgefährlichen Adil Chihi und Sebastian Freis konnte der FC das Fehlen seines Superstars kompensieren.

"Die Laufwege sind verbessert und einstudiert, gewisse Spielzüge automatisiert", erklärt Freis den Umschwung. "Wir verstehen uns gut. Und mittlerweile rücken auch das Mittelfeld und die Abwehr gut nach. So kommen die Stürmer zu Chancen. Auch gegen den HSV hatten wir viele Chancen."

Neuzugang Tosic auf gutem Weg

Außerdem belebt der in der Winterpause von Manchester United ausgeliehene Zoran Tosic die Kölner Offensive. Zusammen mit Chihi bildet der Edeltechniker eine gefährliche Flügelzange. Allerdings übertreibt der Serbe seine Tempodribblings noch ein wenig. Ein Fehler des 22-Jährigen führte zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung des HSV.

"Tosic ist sehr dribbelstark und kann den Ball gut halten", urteilt Freis. "Wenn er in der einen oder anderen Situation den Kopf weiter oben hat, dann hätte er mehr Bälle zu den Stürmern stecken können. Aber in dem Tempo, das er geht, ist das nicht so einfach. Er braucht noch einige Spiele, bis er die Laufwege der Stürmer drin hat. Dann kann er ein wichtiger Spiele für uns werden."

Selbstbewusst nach Augsburg

Nach dem gelungenen Start in die Rückrunde und dem beruhigenden Punktepolster können die Kölner in der Bundesliga ihre Aufgaben der nächsten Wochen ohne den ganz großen Druck angehen. Im Pokalviertelfinalspiel am kommenden Mittwoch sind die Domstädter in Augsburg (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) dagegen auf dem Papier favorisiert. Doch das macht die Aufgabe nicht leichter.

"Die Mannschaft ist zuletzt sehr selbstbewusst und ambitioniert aufgetreten. Dieses Selbstbewusstsein müssen wir für das Spiel in Augsburg mitnehmen", fordert FC-Manager Michael Meier. "Das ist ein unglaublich wichtiges Spiel. Es bietet eine wahnsinnige Chance für uns. Und Chancen soll man im Leben annehmen."

"Mit dieser Leidenschaft können unsere Hoffnungen Realität werden"

Bei einem Sieg in Augsburg wäre dem 1. FC Köln als Pokalhalbfinalist nicht nur eine Zusatzeinnahme von rund 1,5 Millionen Euro sicher. Auch die Chance, sich über den Pokal für die Europa League zu qualifizieren, würde immer größer. Es wäre für die Geißböcke die erste Teilnahme am Europapokal seit 1992.

"Wir spüren, dass diese Mannschaft mit Ambitionen in die Rückrunde gestartet ist. Mit dieser Leidenschaft, die wir jetzt an den Tag legen, können unsere Hoffnungen Realität werden", hofft Meier. "Wir stehen im Vergleich zur Hinrunde um sechs Punkte besser da. Das macht einem Mut. Diese Aufbruchstimmung merkt man momentan. Und daraus entstehen Ergebnisse, die Punkte bringen." So macht der neue FC einfach Spaß.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski