München - Die gute Nachricht vorweg: Die deutsche Nationalmannschaft hat in der Qualifikationsgruppe A zur EURO 2012 ihre weiße Weste behalten. Das 2:1 in Österreich war der sechste Sieg im sechsten Spiel. Eher schlecht war auf dem Rasen des ausverkauften Ernst-Happel-Stadions in Wien aber die Leistung der DFB-Auswahl. Denn der Erfolg war doch eher schmeichelhaft.

Die Hausherren knöpften Mesut Özil, Thomas Müller und Co. nach einer Viertelstunde den Schneid ab und spielten sich in der Folge vor allem im zweiten Durchgang phasenweise in einen Rausch. Nur ein eigenes Tor wollte ihnen nicht gelingen.

"Mit den Kräften am Ende"

Bundestrainer Joachim Löw sah die Defizite seiner Mannen, analysierte die Fehler offen, fand aber auch schnell den Grund für das Malheur. "Ich habe das Gefühl, dass viele Spieler, besonders die WM-Teilnehmer, mit ihren Kräften am Ende sind. Wenn wir unsere Qualitäten ins Spiel gebracht hätten, hätten wir Österreich vor große Probleme gestellt. Wir haben sicherlich nicht gut gespielt, aber irgendwann zählt auch mal nur das Ergebnis", so Löw.

Dabei hatte die Partie für das deutsche Team vielversprechend angefangen. Mario Gomez aus kurzer Distanz und Lukas Podolski mit einem Lattenkracher aus 20 Metern hatten die Führung auf den Fuß. Gomez war es dann, der seinen "Wien-Fluch" kurz vor der Pause besiegte. Bei der EURO 2008 hatte er gegen Österreich an gleicher Stelle aus wenigen Zentimetern eine 100-prozentige Chance vergeben.

"Ich hatte keine Angst vor diesem Stadion. Es war nach dem Fehlschuss eine schwere Zeit für mich. Es ist auch nicht so, dass ich es schon komplett rumgerissen habe. Denn es waren jetzt erst zwei gute Spiele", sagte Gomez, der seinem 17. Länderspieltreffer in der Schlussminute auch noch die Nummer 18 folgen ließ.

Vorfreude auf den Kopfball

"Ich hatte spekuliert, auf den zweiten Pfosten zu gehen. Als der Ball in der Luft war, dachte ich schon: Geil! Fußball ist verrückt. So kann es weitergehen. Ich will aber nicht nur über eine Verletzung ins Spiel kommen. Miro und ich wollen einen fairen Wettkampf und dann muss der Bundestrainer entscheiden", meinte Gomez.

Joachim Löw hielt sich in der Frage nach der zukünftigen Besetzung im Angriff diplomatisch bedeckt: "Ich bin froh, dass wir zwei Weltklasse-Stürmer in unseren Reihen haben". Deutlicher wurde er in der Bewertung der gesamten Offensivleistung.

"Man muss klar sagen: Heute haben wir glücklich gewonnen. Wir konnten in vielen Phasen unsere spielerischen Vorteile nicht abrufen Wir haben heute viele Fehler gemacht und waren in allen Mannschaftsteilen nicht mehr so dynamisch und präzise", haderte der Bundestrainer.

Letzter Kraftakt in Baku

Schon am Dienstag gibt es die Chance, das wahre Gesicht zu zeigen. Vor der Sommerpause steht in Aserbaidschan ein weiteres Qualifikationsspiel auf dem Programm.

Und auch wenn seine Spieler nach einer langen Saison auf der letzten Rille fahren, so machte Löw deutlich, was er in Baku von ihnen erwartet. "Das wird noch mal ein Kraftakt. Wir müssen uns dort steigern und wir werden uns steigern. Zum Abschluss werden wir auch das Spiel noch gewinnen", prophezeite Löw.

Michael Reis