Wo es bergab geht, geht es auch wieder bergauf. Nach Regen scheint auch wieder die Sonne.

In der vergangenen Saison durchlebte Piotr Trochowski beim Hamburger SV eine eher schwierige Phase seiner Karriere. Unter dem damaligen Trainer Huub Stevens stand der 1,69 Meter kleine Dribbelkünstler oftmals im Schatten von Rafael van der Vaart und fand sich zumeist nur im zweiten Glied wieder.

Enttäuschung

"Ich hatte keine einfache Zeit beim HSV", blickt Trochowski zurück. Auch die EURO war keine leichte Zeit für ihn. In Österreich und der Schweiz konnte er sich ausschließlich im Training beweisen, Spielzeit bekam er keine. Nach den Titelkämpfen sprach er von einer "großen Enttäuschung".

Doch seit der neuen Spielzeit läuft es rund bei "Trotsche", wie er von seinen Mitspielern genannt wird.

"Martin Jol hat mich motiviert"

Warum? Zum einen entwickelt sich der Abgang von van der Vaart zu Real Madrid für den 24-Jährigen mehr und mehr zum Glücksfall, zum anderen genießt er unter dem neuen HSV-Trainer Martin Jol eine große Wertschätzung.

"Martin Jol hat mich motiviert. Er will hundert Prozent sehen, alles aus mir herausholen. Der HSV hat mit ihm einen guten Griff gemacht", schwärmt Trochowski von seinem neuen Chef.

"Er ist vielseitig einsetzbar"

Jol hält in der Tat sehr viel von seiner Nummer 15. "Er ist vielseitig einsetzbar. Er kann sowohl rechts, als auch links sowie zentral hinter den Spitzen spielen", beschreibt der Niederländer die Stärken des Mittelfeldspielers.

Und der zahlt ihm das Vertrauen mit Leistung zurück. Der "Straßenfußballer", als den sich Trochowski selbst bezeichnet, übernimmt in der noch jungen Spielzeit Verantwortung im Spiel der Norddeutschen und lässt van der Vaart nahezu schon vergessen.

Mehr Ballbesitz

Das unterstreicht seine Bilanz: In den bisherigen drei Bundesligaspielen erzielte der quirlige Profi bereits einen Treffer und legte zwei weitere für seine Mitspieler auf. In der vergangenen Saison musste er noch bis zum letzten Spieltag auf sein einziges Saisontor warten.

Und: Trochowski entwickelt sich mehr und mehr zum Mittelfeldmotor des HSV. Hatte er in der vergangenen Spielzeit noch im Schnitt 68 Ballkontakte pro 90 Minuten, sind es jetzt 79. "Ich werde viel mehr angespielt als früher, deshalb kann ich mein Spiel besser entfalten", erklärt er seine neue Rolle bei den "Rothosen".

Starke Partie gegen Liechtenstein

Eine Bilanz, die auch Bundestrainer Joachim Löw wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Mit dem Ergebnis, dass er Trochowski im WM-Qualifikationsspiel in Liechtenstein in die Startelf beorderte. Im regnerischen Vaduz gewann das DFB-Team mit 6:0. Und "Trotsche" war einer der besten.

Er stand die gesamten 90 Minuten auf dem Platz, setzte im Mittelfeld Akzente und bereitete die ersten zwei Treffer von Lukas Podolski sehenswert vor.

Lob vom Bundestrainer

"Er hat ein gutes Auge und setzt endlich das um, was er schon seit zwei Jahren bei uns im Training zeigt", lobte anschließend Löw den feinen Techniker.

"Ich wusste, dass der Knoten mal platzen wird", so ein selbstbewusster Trochowski im Quartier der DFB-Elf in St. Gallen vor dem Abflug nach Helsinki, wo die Nationalmannschaft am Mittwoch im zweiten Qualifikationsspiel zur WM 2010 auf Finnland trifft.

In Helsinki wird am Spieltag strahlender Sonnenschein erwartet - passend zur aktuellen sportlichen Situation von Trochowski.

Sven Becker